Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1870)
- Date
- 1870-09-06
- Page
- Seite 710 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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710 Kirche. Der verehrte Herr Lowder hat uns dies beim Beginn der Sitzung mitgetheilt. Ich fordere also die Aufrechterhaltung des angenommenen Amendements, das der Gemeinde das Recht gewährt, jährlich die Mitglieder zu wählen, welche das Comits bilden sollen. Wenn Sie es wünschen, daß die Herren Baileh und Marin ernannt werden, so geben Sie ihnen Ihre Stimme, aber stellen Sie es nicht principiell fest, daß die beiden Geistlichen immer ein Untercomite bilden sollen; denn es giebt Personen, welche für einen der gegenwärrigen Priester stimmen könnten, während sie seinem Nachfolger niemals ihre Stimme geben würden. — Uebrigens, warum zwei Geistliche? Warum nur zwei Gemeinden vertreten, wo es hier eine so große Zahl Gemeinden giebt? Zum Beispiel die Israeliten, deren Gemeinde ansehnlich genug ist, daß Sie ihre Ansichten in Erwägung ziehen, warum sollen sie nicht vertreten sein? Ich höre Sie sagen, daß Sie keinen Geistlichen haben; augenblicklich nicht, aber wer sagt Ihnen, daß sie nicht binnen Kurzem einen haben werden? Kurz, meine Herren, das Amendement hat den doppelten Fehler, daß es eingebracht wurde, nachdem für ein entgegengesetztes Amendement günstig gestimmt worden, und dann, daß es unausführbar ist, da mit der religiösen Freiheit, die man hier zulassen muß, alle Secten das Recht haben, 'dieselbe Vergünstigung für sich zu fordern, welche Sie den anglicanischen Protestanten und den Katholiken gewähren wollen. Nun, wer weiß, ob im nächsten Jahre wir nicht hier die Vertreter von einigen fünfzig Religionen haben: dann würden Sie ein Untercomitö aus fünfzig Mitgliedcrn von verschiedenen Secten haben, deren Macht die der fünf Mitglieder des Comitös erdrücken würde und welche, Tank der Verschiedenheit ihrer Meinungen, unter sich nur Streit haben und nichts werden beschließen könen." H. Bailey. Das wird nicht geschehen. H. Strauß. Was wissen Sie davon? Schon heute giebt es hier ein halb Dutzend protestantische Secten, Katholiken, Juden, Magier u. s. w. Die Rede des Herrn Strauß brachte eine große Sensation hervor. Man schien erstaunt, diese liberalen Worte zu vernehmen. Trotz der mißbilligenden Zeichen der Herren von der ultramontanen Seite sah man, daß der Schlag richtig getroffen hatte, denn Niemand verlangte das Wort, um daraus zu antworten. Herr Howell sah ein, daß sein Amendement nicht durchgehen konnte, und schlug vor, daß das Counts aus folgenden fünf Mitgliedern bestehen solle: aus dem Rev. H. Bailey, dem Abbs Marin, einem Mitglied, das die israelitische Gemeinde vertritt, H. Allen und H. Bean. H. Wertheimber schlug im Namen der jüdischen Gemeinde vor, den ehrenwerthen H. Louis Strauß als Delegirten dieser Gemeinde einzutragen; H. Davis unterstützte diesen Antrag mir der Bemerkung, daß alle Israeliten sich glücklich schätzen würden, wenn H. Strauß die Mission annehme, ihre Interessen im Schoße der Commission zu vertheidigeu. Obgleich erst vor Kurzem hierher gekommen, ist doch die Ehrenhaftigkeit des Eandidaten hinlänglich bekannt, seine Stellung und sein Talent erheben ihn zum ersten Range. H. Strauß dankte den Israeliten von Yokohama für das Vertrauen, das sie in ihn setzten. Aber, fügte er hinzu, .ich muß die Versammlung daraus aufmerksam machen, daß meine politischen und religiösen Anschauungen sehr freisinnig sind. -Ich bin mehr ein Anhänger der natürlichen Religion als der positiven, und indem ichldie Stelle annehme, die man mir anbietet,^wünsche ich doch stets nach meinen Gefühlen frei handeln zu dürfen; ich will unabhängig in den Discussionen bleiben. Trotz dieser Erklärung hielten die Israeliten den Vorschlag der HH. Wertheimber und Davis aufrecht, aber der Rev. Baily, erschreckt, einen deistischen und unabhängigen Freidenker neben sich sitzen zu sehen, bemerkte, daß die Eonsuln schon zum Ueberwachungscomits ernannt worden und daß H. Strauß in seiner Eigenschaft als belgischer Eonsul in Aeddo nicht lange in Yokohama wohnen bleiben könne. Er, ein protestantischer Geistlicher, schlug vor, die israelitischen Interessen von H. A. Marks, einem Mitgliede der jüdischen Gemeinde hiesiger Stadt, vertreten zu lassen. H.Davison schlug vor, daß die Eonsuln nicht wählbar seien, und H. Shand hielt die Eandidatur des H. Marks aufrecht. Hier haben wir nun ein in den leidenschaftlichsten religiösen Discussionen unerhörtes Factum zu registriren. Die Protestanten, von ihrem Pastor, H. Bailey, geführt, vergaßen alle Schicklichkeiten und drängten der jüdischen Gemeinde einen Delegirten auf, den diese nicht wollte, denn alle Juden, mit Ausnahme der