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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-09-06 · Heft 36 (6.9.1870) · p. Seite 709

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 36 (6.9.1870)
Date
1870-09-06
Page
Seite 709 (sequence 9)
Language
German
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709 Handwerker ausgestellt har, die Ratisbonn'sche Alter- Versorgungsanstalt, die Waisenanstalt; eine Knaben- und eine Mädchen-Gemeindeschule, und eine Kinderbewahranstalt. Außerdem umfaßt der Sprengel noch 38 Gemeinden mit 18 Ortsrabbinen. Sie begegnen da den jüngst vielgenannten Orten Brumath, Hagenau, Lauterburg, Niederbronn, Zabern, Weißenburg u. s. w. Der Sprengel zählt 25 jüdische Volksschulen. Der zweite Sprengel ist Colmar mit 17,000 Seelen. Colmar selbst hat 2 jüdische Schulen. Die zweite große Gemeinde des Sprengels ist Mülhausen mir seiner segensreich wirkenden „ecole de travail.“ Außerdem befaßt er noch 44 jüdische Ortsgemeinden mit 21 Ortsrabbinen und 21 jüd. Schulen. Der dritte Sprengel ist der von Metz mit 8500 Seelen. Der gegenwärtig so hart bedrängte Consistorialsitz Metz har eine Gemeinde von 2800 Seelen. Sie besitzt ein wohlgeordnetes Krankenhaus, eine Talmud-Thoraschule, eine Knaben- und eine Mädchenschule, eine Kinderbewahranstalr und eine Gesellschaft der Aufmunterung zu Künsten und Gewerben unter den Juden. In 22 Gemeinden wirken 10 Ortsrabbiner. Lothringen har nur einen Consistorialsprengel. nämlich: Nancy mir 8800 Seelen. Nancy selbst zählt 1500 Juden und besitzt eine geordnete Religionsschule. 34 Gemeinden haben 5 Ortsrabbinen. Zu diesen Gemeinden gehören die jetzt viel genannten Orre Epinal, Etain, Fenelrange, Lüneville, Pfalzburg, Ponr a Mousson, Saarburg, Toul, Verdun. Dies ist es. was ich ihnen mitzutheilen hätte. Sie wissen, daß jedes Consiftorium aus einem Groß - Rabbinen und sieben vaten besteht, und daß die Kosten des Culms, namentlich die Gehalte der Rabbinen und Vorbeter, vom Staate getragen werden. Wie sich diese Verhältnisse bei einer Vereinigung mir Deutschland gestalten würden, läßt sich nocb nicht absehen. Amerika. Cleveland, im August. Die jüngst hier gehaltene Rabbinerversammlung hatte zum Zweck, das Gebetbuch „Minhag Amerika" zu revidiren. Deren giebr es aber bereits zwei, von vr. Adler und vr. Einhorn. Die Thephilla, die aus den Berathungen zu Cleveland hervorgehen soll, wird sich principiell an die beiden genannten anschließen. aber im Stil und in den einzelnen Formen sicü davon unterscheiden. Wir werden also auf der einen Seite drei neue Gebetbücher, auf der anderen das alte unveränderte, und in der Mitte, bei den Gemäßigten, ein buntes Durcheinander haben, da die meisten Gemeinden bald dieses, bald jenes geändert haben. Man sieht, daß es in Amerika gerade so geht, wie in Deutschland: eine Vereinigung unter denen, welche reformiren wollen, ist für jetzt noch nicht zu Stande zu bringen. Es liegt dies auch in der Natur der Sache: denn während der Einzelne mir seiner Arbeit leicht fertig wird , ist Nichts schwieriger, als Viele zu vereinbaren, wo am Ende doch nur Einer arbeiten kann. Haben sich doch ähnliche Uebelstände in früheren Jahrhunderten in der Herausbildung verschiedener Riten eingestellt, und man muß es der Entwickelung überlassen, mir der Zeit die vereinzelten Arbeiten wieder zu einem Ganzen zu verschmelzen. Dabei ist nicht zu übersehen, daß man in der neueren Zeit nicht in einer, allen Bekennern des Judenthums eigenen Sprache , sondern in den verschiedenen Muttersprachen arbeitet, die in ihrer Ausdrucksweise flüssig und veränderlich sind, und auf welche die Strömung der Zeit großen Einfluß übt. So sehr man daher auch die Zersplitterung beklagen mag, so kann man doch dem guten Geiste des Judenthums vertrauen, diese mit der Zeit wieder auszugleichen. Japan. Aokohama, im Juni. Die kurze Notiz in vor. Nr. von hier können wir jetzt nach den Arch. isr. ausführlich berichtigen. Die europäischen Bewohner 2)okohama's sind am 5. Juni zusammen gekommen, um über die Herstellung emes Friedhofes für die Ausländer zu berathen, und es ist eigenrhümlich, wie in diesen Ländern des fernsten Osten dieselben Gehässigkeiten und dieselben Ausschließungen hervortreten wie in unserem Vaterlande. Alan harre verlangt, daß dieser Friedhof unter die Leirung eines Comites gestellt werde, daß aus den beiden protestantischen und katholischen Priestern bestehe: was wäre dann aus den geistigen Interessen der Dissidenten geworden? Unser Glaubensgenosse, Herr Louis Strauß, belgischer Consul, bekämpfte dieses reactionäre Vorgehen durch eine sehr liberale Rede, aus der man uns die hauptsächlichsten Stellen mirtheilr: ..Der Friedhof gehört der Gemeinde und nicht der 36

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