Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1870)
- Date
- 1870-09-06
- Page
- Seite 707 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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707 Aus der Macht verdrängt, haben diese heimlich und offen gegen die bestehende Regierung conspirirt, und soeben in einer Provinzialstadt einen Aufruhr veranlaßt und eine provisorische.Regierung eingesetzt. Der Versuch mißlang, das Volk trat nicht auf ihre Seite, und die Regierung hat die Empörer in ihrer Hand. Möge sie diese nicht nachgiebig behandeln. — In hiesigen Blättern liest man: Am 21. d. wurde hier mit militärischen Ehren ein Soldat mosaischen Glaubens beerdigt, der wirklich den Heldentod gestorben ist. Er war bereits in der Schlacht verwundet worden und ein Officier rieth ihm, sofort aus den Verbandplatz zu eilen. „Es gehr noch eine Weile so fort," antwortete der Brave, „noch kann icb hier mehr nützen als auf dem Verbandplätze." In der nächsten Minute streckte ihn eine zweite Kugel nieder. Es war ein geachteter junger Kaufmann 'Namens Königsberger, dem heute viele seiner Freunde die letzte Ehre erwiesen. Soldaten vom zweiten Garde-Regiment, bei dem er 1866 sein Jahr abgedient hatte, gaben die üblichen Salven über dem Grabe. — Die vom 1. Januar c. hier erschienenen jüdischen Zeitschriften der HH. Schlesinger und Dr. Nascher sind bereits wieder erloschen. *) Berlin, 28 August. >Privatmitth.» - Bei Marsla-Tour (am 16.) ist u. A. auch der jüdische Reserve- Reutenanr Jaff6 aus Posen gefallen, der seinen Grad 1866 wegen seiner Tapferkeit auf den böhm. Schlachtfeldern erhalten hatte. — Die Zahl der jüd. Freiwilligen bei den augenblicklich in Berlin befindlichen Ersatzregimentern beträgt über zweihundert. Trier, 19. Aug. Die „Trier'sche Ztg." schreibt: Zur Beruhigung der Familien der in die hiesigen tzazarethe aufgenommenen Krieger können wir constatiren, daß die Verpflegung derselben allen billigen Anforderungen vollkommen entspricht. Die mütterliche Sorgfalt und die unermüdliche Aufopferung der Damen und der Ordensschwestern verdienen in der Thar die größte Anerkennung des Vaterlandes und den innigsten Dank nicht nur ihrer Pfleglinge, sondern auch aller Familien der letzteren. Wir sahen;. B. in *i Wie die Redaction der „jüdischen Presse" uns berichtet, wurde uns irrthümlich mitgetheilt, daß dieses Blatt nicht mehr erscheine, vielmehr wird cs fortgeführt. Dieselbe Nachricht stand übrigens auch in anderen Blättern, z. B. in der Revue israelite. Redaction. einer Krankenstube eine israelitische Dame, die schon seit vierzehn Tagen — und zwar Tag und Nacht — sich der Pflege ihrer Patienten widmet, und sogar häufig sehr wesentliche chirurgische Dienste mit großer Gewandtheit leister. i Es ist dies einer der vielen, vielen Fälle, und wir stellen diesen nur hierher, weil er in den öffentlichen Blättern erwähnt worden.) (R e d a c t. d. A. Z. d. I.) Österreichischungarische Monarchie. Aus Ungarn, im Aug. Welche Justizpflege in einigen Theilen Ungarns noch stattfindet, sieht man an folgendem Beispiele: Man schreibt einem Posier Blatte aus Dcbreczin: Am 14. d. fuhr ein fremder israelitischer Kaufmann, der auf den Markt hierher gekommen war, über den Hauptplatz: ein Bauernweib stand auf der Fahrstraße und wollte trotz der Zurufe nicht ausweichen. So kam es, daß der Wagen, der in dem lebhaften Gedränge gleichfalls nicht ausbiegen konnte, ihr Kleid streifte und beschädigte. Kaum war dies geschehen, als sich auf das Geschrei des Weibes der Pöbel um den Wagen drängte und ein Maurergeselle dem Israeliten einen schallenden Backenstreich versetzte, welcher den Jnsnltirten, einen 75jährigen Greis, auf einige Minuten bewußtlos machte. Mehrere Zeugen des Vorfalles begaben sich mit ihm zur Stadtbehörde, wurden aber nicht vorgelassen. Dagegen empfing diese den Schwager und Bruder des rohen Maurers, und auf deren Darstellung hin wurde der Geschlagene, der noch dazu den Wagen nicht selbst gelenkt hatte, sondern mit seinem Kutscher fuhr, ohne Verhör in Arrest gebracht und ihm bedeutet, er werde nicht eher befreit werden, als bis er sich mit dem Maurer ausgleicht. <!') Zum Glück kam der Maurer gegen Abend in das Gefängniß und verlangte von ihm 6 fl.; der Israelit verstand sich zur Bezahlung dieser Summe, worauf er freigelassen wurde. So geschehen im Jahre der Constitution in der königlichen Freistadt Debreezin! Krakau, 18. Aug. «Privatmitth.» Wir haben einen trefflichen Mann begraben, dessen Wirksamkeit unserer Gemeinde großen Nutzen geschafft, dessen Andenken Zlllen, die chn kannten, zum Segen gereichen wird. David Rappoport, Sohn des sel. Rabbiners Lalomon Jehuda Rappopvrt, verstarb gestern Abend plötzlich, in seinem 56. Lebensjahre, und wurde heute