Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1870)
- Date
- 1870-08-30
- Page
- Seite 699 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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699 Talmut, so wer er ml voll aller Kunst.*) Herr Prof. Keller sagt ferner, es wäre von Interesse, diese Handschrift mit dem hier besprochenen Stücke zu vergleichen. Folz scheint überhaupt Vorliebe für die Darstellung dogmatischer Streitigkeiten gehabt zu haben. Aus der Münchener Bibliothek findet sich ein gedrucktes Werk von ihm, betitelt: Krieg mit einem Juden. Er hat ferner in einem erzählenden Gedichte einen Stofs bearbeitet, desien sich mit großem Eifer die Dichter dieser Zeit bemächtigt hatten. Es ist die folgende Erzählung, die wir auch bei dem Humoristen Bebel wiederfinden: Ein fahrender Schüler liebt ein Judenmädchen. Um die Ehre seiner Geliebten zu retten, begiebt er sich Nachts vor ihrer Eltern Haus und ruft, das Kind, das von dem Mädchen geboren werde, wäre der Juden Messias. Die Juden, die die Stimme vernahmen, aber den Studenten nicht sahen, pflegen die Geliebte des Studenten auf das sorgfältigste, bis sie endlich merken, daß das von ihr geborene Kind nicht anders sei, als alle andern Kinder auch. Sie müsien es zulasten, daß das Mädchen und das Kind getauft werden und daß der fahrende Schüler seine Geliebte heirathet. Auch hier zeigt Hans Folz, daß er an grausamen Mißhandlungen der Juden keinen Gefallen hat. Dagegen läßt aber folgendes Fastnachtspiel für einen Judenfresser von ächtem Schrot und Korn nichts zu wünschen übrig. Das Stück hat den Titel: Ein Spil von dem Herzog von Burgund. Zu dem Herzog kommt eine Sibilla; sie erzählt, die Rabbinen verkünden in allen Landen, der Juden Messias sei gekommen, und während ihrer Erzählung erscheinen die Juden mit ihrem Messias und einem „Schallath Juden". Der Hofnarr beschimpft die Juden, diese bitten den Messias um ein Zeichen, der auch sofort einen feuerspeienden Drachen erscheinen läßt. Aber die Sibilla beschwört den Drachen und des Narren Weib schimpft im Verein mit ihrem Manne auf die Juden. Jedem will sie eine Schelle an den Hals hängen, daß er ihrer ewig gedenke. Da ruft der Rabbinen einer das unheilvolle Wort: Frau, wir begeben uns dabei Wan er nit war Messias sei Woll wir des fürsten gefangen sein Und alles dulden straf und Pein, Die uns sein genad anlegen mag.**) Der Messias will die Sache durch ein Glücksrad entscheiden , nachdem auf entgegengesetzten Puncten seine Figur und die des Fürsten befindlich ist. Das Rad wird gedreht, die Figur des Messias bleibt immer unten *) Die Juden glauben, Gott hätte im Talmut studirt. Halte aber Gott im Talmud studirt, so wäre er nicht voll aller Kunst. **) Frau, es sei so. Ist dieser nicht der wabrc Messias, so wollen wir des Fürsten Gcsangcne sein und alle Strafen dulden, die er uns aufcrlegt. und somit ist letzterer besiegt. Es erfolgt eine zweite Probe. Sibilla und der Messias trinken Wein, der nur für den, der den rechten Glauben hat, unschädlich ist. Ehe er trinkt, spricht der Messias: Abraham, Isaak und Jakob, dabei die drei Schua, Naschim, Racha, dabei Vaydabar, Mische, Schlema, Die pucher Walachim so ho, Hadebarim, Elle, Schemas, Dazu die Tefer und Mackes, Die Aschra und die Marrapot, Die Maschma, Schannah und der tot. Die wollen alle helfen mit, Daß euch die drus, peulen und der rit Erwürg und euch verschlint die ert.*) 'Nach dem Trunk schwillt der Messias auf und stürzt zu Boden; die Juden bekennen, sie hätten, um sich vor den Mißhandlungen der Christen zu schützen, wissentlich einen falschen Messias aufgestellt. Der Herzog berathschlagt sich mit seinen Rittern über die Strafe, die die Juden erleiden sollen, und jeder Ritter ist bemüht, eine recht gräßliche, alles menschliche Gefühl empörende Strafe auszusinnen. Endlich beschließt man, die Juden unter Schweine zu binden und ihnen die möglichst rohe und grausame Behandlung angedeihen zu lassen. Dies geschieht und das würdige Ehepaar, Narr und Närrin, haben volle Gelegenheit, ihren rohen Witzen freien Lauf zu lassen. In I. Scheibles „Schaltjahr", Band I, Seite 611 ff., Band III, S. 212, finden wir diese Behandlung der Juden ausführlich beschrieben und mit einer Abbildung versehen. Unter letzterer steht: Diese Abbildung ist zu Frankfurt am Main amBrückenthurme abgemalt. A. 147 5 am grünen Donnerstag ward das Kindlein Simeo 2’-> Jahre alt von den Juden umgebracht. «Keller, Band HI, S. 14 DO.) Harmloser ist ein Gedicht von Rosenblüt, einem Fastnachtspieldichter zu Nürnberg, der Wiege des Fastnachtspiels. Er blühte um 1450 und schrieb eine Unzahl Spiele und erzählende Gedichte. Unter letzteren befindet sich ein Stück, in dem ein Kabalist gegen einen „Freiheit" (vielleicht hier in der Bedeutung von Gelehrten) mit den Waffen der Mystik kämpft. In einer *) WaS soll Schua bier bedeutend Mische gleich Mischli, Schlema konnte eben so gut Schema als Salomo beißen «Schelomo), Elle SchemoS — ElcSchcmotb. „Daß euch die druS" re., daß euch Drüsen, Beulen nnd der Rit'» «die BedenMng dieses Wortes ist mir unbekannt» erwürge und euch die Erde verschlinge. '» 9iit Ritten bedeutet Fieber. Ein oft vorkommendes Wort. In dem reizenden Schmucl-Buche sagt Joab, ehe er Abialom ersticht, zu einem der Seinigen, den er vergeblich zu dieser Thal bereden will: „Ge bin, bab dir den ritten und das « berzleit." Or. Lotze.