Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1870)
- Date
- 1870-08-30
- Page
- Seite 688 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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688 fanden sich unter 6378 Schülern 387 Juden, also unter 16 Schülern ein Jude, und zwar unter 13 Evangelischen und 2 Katholiken. Nach der Bevölkerungszahl 4'/-2 mal mehr. Die Vorschulen zu diesen wurden unter 2025 Schülern von 81 Juden besucht, also der fünfundzwanzigste Schüler unter 22 evangelischen und 2 katholischen: nach der Bevölkerungszahl nicht ganz 3 mal so viel. Es bleibt nun noch die Ordnung 8, wo sich unter 3092 Schülern 160 Juden befanden, also der neunzehnte ein Jude, und zwar unter 15 evangelischen und 3 katholischen; nicht ganz 4 mal so viel Juden als nach der Bevölkerungszahl. Die Vorschulen zu diesen besuchten 646 Schüler, darunter 26 Juden, also der fünfundzwanzigste Schüler ein Jude, und zwar unter 21 evangelischen und 3 katholischen; demnach nicht ganz 3 mal so viel als nach der Bevölkerungszahl. Auf den sämmtlichen höheren Bürgerschulen befanden sich also 654 Juden. Die sämmtlichen höheren Lehranstalten waren also im Sommersemester 1869 von 110,726 Schülern besucht, worunter 9507 Juden. Unter nicht ganz 12 Schülern war also 1 Jude, somit kamen auf die jüdische Bevölkerung 6 mal so viel Schüler als auf die christliche. Aus obigen Zahlen geht auch hervor, daß im Ganzen die Gymnasien in gleichem Verhältniß wie die Real- und höheren Bürgerschulen von den Juden frequentirt werden, daß also die wissenschaftliche nicht weniger als die Real-Bildung von ihnen erstrebt wird; dagegen ist ihre Frequenz der höheren Bürgerschulen geringer als die der Realschulen, wenn auch immer nach der Bevölkerungszahl eine zwei bis dreimal größere als bei der christlichen. Berlin, 17. Aug. lPrivarmitth.) Es ist allgemein bekannt, wie oft die officielle, officiöse und sg. conservative Presse, wie oft die Ultramontanen, Pietisten, Feudalen, Aristokraten und Conservativen auf die „schlechte Presse," worunter sie alle liberalen Blätter verstanden, losgezogen, wie oft sie behaupteten „die Juden hätten sich der Presse bemächtigt," weshalb sie immerfort von „Judenpresse" sprachen. Was ist aber jetzt geschehen? Mit Ausnahme einiger ultramontanen und verbissener particularistischer Blätter hat sich die gesammte deutsche Presse von dem Augenblicke an, als die französischen Minister ihre Kriegsdrohungen verlaulbarten, einer so würdevollen, gemessenen, echt deutschen und echt humanen Haltung beflissen, daß selbst die Staatsbehörden, z. B. in diesen Tagen der Generalpostdirector, sich nicht entbrechen konnten, dieser Presse das vollste Lob und den innigsten Dank zu spenden. Man erwäge, daß gerade eine solche Zeit die volle Gelegenheit giebt, wenn gemeine Leidenschaften vorhanden wären, diesen einen wüsten Spielraum zu öffnen und sie zum vollen Ausdruck zu bringen. Nichts davon ward verspürbar. Ueberall Besonnenheit, Charakter, Maß, Sittlichkeit, nationale und humane Begeisterung! Die gesammte deutsche Presse leuchtete durch Wahrhaftigkeit, Bescheidenheit, Verschwiegenheit anfs Glänzendste hervor, und dies der französischen Presse gegenüber, welche den vollen Gegensatz zu diesen Tugenden in maßloßester Weise bekundete. Nun? Wird man noch von der „schlechten Presse, der Judenpresse" und dgl. sprechen? Wenn Ihr die deutsche Presse in den Händen der Juden wirklich glaubtet, müsset Ihr nunmehr die Juden nicht als echt nationale, sittliche und begeisterte Männer anerkennen? Freilich, wir sind dessen schon jetzt gewiß, werden Tage kommen, an denen die Presse wieder Manches ausspricht, was Euch nicht gefällt — aber werdet Ihr jemals wieder so schamlos sein dürfen, den Journalismus, weil er nicht ganz zu Euren Diensten steht, weil er sich erlaubt, liberale oder gar radicale Ansichten auszusprechen, als „verfehlte Carriere," als sittenlos und käuflich zu bezeichnen, und die Juden als Prügelknaben zu behandeln, die für Alles herhalten müsien, was Euch als Opposition erscheint? Wir hoffen, dies geschieht nicht wieder, aber verbürgen möchten wir es nicht; doch man wird Euch dann diese Zeit der Prüfung entgegen halten. — Ganz besonders von den Wiener Zeitungen hat man immer als von Juden geschrieben geplauscht, und gerade der Theil der Wiener Presse, von welchem man dies aussagte, hat sich nattonal-groß erwiesen, von einem Ernste und einer sittlichen Würde, die, in Erwägung der österreichischen Verhältnisse, unsere Bewunderung verdienen. Und gerade diejenigen Wiener Blätter, welche gegen Deutschland intriguirten und conspirirten, fließen aus den allerchristlichsten Federn, wie das „Vaterland" und Consorten. In der französischen Presse dagegen, welche sich nach jeder Richtung entartet und aller Würde Laar gezeigt hat, prahlerisch, lügenhaft und inhuman, sind bekanntlich kaum zwei oder drei Juden beschäftigt. Wir gehen wahrlich nicht darauf aus, die Juden als Tugendhelden herauszuftreichen.