Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1870)
- Date
- 1870-08-30
- Page
- Seite 686 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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686 Bürger, den Ihr ihnen soeben wie ein Almosen zugeworfen habt, vielleicht weil er in Euren Augen keinen Werth mehr hat, dieses Geschenk, welches nur von der Abnahme Eures Hochmuths zeugt, erfordert es ihrerseits so viele Dankbarkeit? Wundert Euch also nicht, wenn sie sich noch als Fremde unter Euch fühlen, und wenn sie, indem sie sich in Eure Geschäfte mischen um so ihre eigenen zu machen, Euch ihre Gleichgültigkeit nicht verbergen und sich durch Spott für fünfzehn Jahrhunderte der Unterdrückung rächen." sSchluß in nächster Nummer.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 14. Aug. Phönizische Studien von Prof, vr. M. A. Levy, 4. Heft. Breslau, Schletter 1870. Der fleißige und scharfsinnige Berfasier setzt seine verdienstvollen Arbeiten auf dem Gebiete der phönizischen Inschriften und Sprachkunde unermüdlich fort. Diese wissenschaftliche Disciplin, die dem Hebräischen so nahe steht, macht langsame, aber bedeutende Fortschritte; immer neue Funde versprechen eine reichere Zukunft. Wie es in solchen Fächern zu gehen pflegt, erweitert jeder Schritt den Gesichtskreis und bringt mehr Sicherheit in das bis jetzt Schwankende. Das vorliegende Heft giebt eine Uebersicht über die Erscheinungen in der phönizischen Wiffenschaft seit 1803, eine Revision älterer Denkmäler auf Grund befferer Copien, Inschriften aus Aegypten, Sardinien, Spanien und Nord-Afrika und schließt mit Ergänzungen zum phönizischen Wörterbuche. — Die Anthropomorphien und Anthropopathien bei Onkelos und den späteren Targumim mit besonderer Berücksichtigung der Ausdrücke Memra, Jekara und Schechintha von vr. Siegmund Maybaum, Breslau, Schletter 1870. Die vorliegende kleine Schrift bekundet einen außerordentlichen Fleiß in der Behandlung ihres Gegenstandes, klare Auffasiung und consequente, jedoch vorurtheilslose Durchführung. Es ist ein Vorzug unserer Zeit, die materiellen Studien der wissenschaftlichen Objecte noch einmal und in sicherer Methode durchzumachen , für die Ergebnisse den Geist frei zu halten, und dadurch zu einer richtigeren Erkenntniß zu gelangen. Dies bewahrt auch der Verfasser. Die Paraphrasen, welche Onkelos sich in seiner Uebersetzung gestattet, hat man in früherer Zeit theils philosophisch, theils mystisch auslegen wollen und damit dem Targumisten vielen Zwang angethan. Luzzatto war der erste, der es aussprach, daß Onkelos nicht für Gelehrte, nicht für irgend eine Schule, sondern für das Volk übersetzt hat. Da nun zu seiner Zeit das Volk noch sehr zu falschen, ja heidnischen Begriffen von Gott geneigt war, so war es das Bestreben des Onkelos die anthropomorphischen und anthropopathischen Ausdrücke der h. Schrift so zu umschreiben, daß sie zu materiellen Vorstellungen möglichst jede Veranlassung vermieden. Herr vr. Maybaum sucht nun diese Ansicht als unbedingt richtig zu erweisen, und im Einzelnen die Regeln festzustellen, welche Onkelos in seinem Verfahren bei der Uebersetzung der bezüglichen Stellen befolgte, z. B. auf welche Weise Onkelos die durch keine Zeit bedingte Allwissenheit Gottes bei den Ausdrücken „Gott erinnerte sich, Gott sah, hörte, wußte," wahrte, wie er die von Gott ausgesagten menschlichen Thätigkeiten, die ihm zugeschriebenen Theile des menschlichen Körpers ausdruckte u. s. w. Ebenso umsichtig untersucht der Verfasser die wirkliche Bedeutung der Wörter än«’’» .tnp-' und swaa, die Onkelos gewöhnlich vor den Namen Gottes setzt. Maimonides will sie als feuerartige Lichtgestalten oder Engel verstehen, welche die göttliche Thätigkeit mit der Welt vermitteln, und Gefror er benutzte eine schlecht verdaute Gelehrsamkeit, um aus diesen Ausdrücken zu erweisen, daß in der Zeit vor dem Ursprung des Christenthums der Gedanke eines Mittlers zwischen Gott und Menschen gewöhnlich gewesen. Der Verfasser widerlegt beide Ansichten auf's Schlagendste, und zeigt, daß Memra „Wort, Befehl oder Anordnung, Person, Seele, Herz", Jekara „Ehre, Herrlichkeit, Majestät", Schechina „Aufenthalt, Gegenwart, Allgegenwart" Gottes bei Onkelos bedeutet. In einem Anhang wirft der Verfasser noch einige Blicke auf die übrigen Targumim. Wir erkennen mit Dank diese gründliche Arbeit an. — Israelitische Moral-Theologie, Vorlesungen von Samuel David Luzzatto, aus dem Italienischen übersetzt von vr. L. E. Igel, Landesrabbiner der Bukowina zu Czernowitz, neue Ausgabe, Breslau, Schletter 1870. Die Verlagsbuchhandlung hat es für angemessen gefunden, diese Schrift dem Publicum in die Erinnerung zu bringen. Jüngeren Studirenden und Lehrern wird sie auch nützlich sein, um sie an systematische und logische Behandlung zu gewöhnen, die in den dogmatischen Disciplin en auf dem Gebiete des Judent thums noch immer zu wenig cultivirt ist. Sonst ist der