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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-23 · Heft 34 (23.8.1870) · p. Seite 673

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 34 (23.8.1870)
Date
1870-08-23
Page
Seite 673 (sequence 9)
Language
German
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673 soll auch keiner von diesen Herren wagen, in einem deutschen Parlamente — und das werden wir ohne Zweifel nach dem Kriege haben — seine alten, verroh teten Weisen anzustimmen, der Kramer und Juden zu spotten und über die blos dem Gelderwerbe sich widmende Börse zu faseln." Berlin, 12. August. (Privatmitth.) 8. Es bereitet sich in diesen unseren Tagen ein göttliches Strafgericht für zwei Persönlichkeiten vor, wie es offenbarer kaum jemals ans Licht getreten, für zwei Persönlichkeiten, die aber in sich zugleich zwei Principien vertreten. Zwei Männer versuchten es, allen Grundsätzen und Anschauungen der Gegenwart gegenüber, verschollene Zeiten, Ansichten barbarischer Jahrhunderte wieder heraufzuführen und zur Befriedigung ihrer persönlichen Leidenschaften geltend zu machen; beide Männer waren in ihrer Selbstüberhebung verblendet genug, sich die Kraft zuzutrauen, ihre Wahngebilde ausführen zu können — über beide ist nun bereits das Strafgericht heraufgezogen, und wenn wir in der Stunde, wo wir dies schreiben, noch nicht wissen, wie weit dieses Strafgericht sie treffen und vernichten werde, so hat es sich doch bereits über ihre Häupter so weit heraufgewälzt, daß es allen Augen sichtbar geworden und die Betroffenen tief beugen muß. Wir meinen Louis Napoleon und Pius Mastai. Der Eine hat ein Attentat auf den Völkerfrieden, auf die allgemeine Sicherheit der civilisirten Welt, auf das Glück zahlloser Familien, auf das Leben von Hunderttausenden, auf die Grundsätze des Rechts und der Freiheit vollzogen, seine Selbstsucht und seine Selbstüberhebung machte ihn blind für seine eigene Schwäche — und er büßt jetzt sein Verbrechen in der Niederlage seiner Heere, in dem Sturz, an dessen Rande er sich schon befindet. Was er gewollt, Größe, Herrschaft, Ruhm, Sicherung seiner Dynastie, das hat er Alles verloren, und sieht es vor seinen Augen in das Gegentheil Umschlagen. In gleicher Weise hat der Papst einen Anschlag auf die Vernunft der Menschheit, aus die Freiheit des Gewissens, auf die Selbstbestimmung der Menschen, auf die heiligsten Grundsätze der menschlichen Gesellschaft, des Völker- und staatlichen Lebens vollführt, und von der gefügigen Majorität eines in jeder Weise gcmaßregelten Concils die persönliche Unfehlbarkeit des Papstes „auch ohne Zusümmung der Kirche" erklären lassen. Es giebt hiernach keine katholische Kirche mehr, denn sie soll nichts als der Papst sein; es giebt kein gesetzgeberisches Recht für Fürsten und Völker, keine richterliche Gewalt des Staates, denn sie sollen untcrthan sein der persönlichen Entscheidung des Papstes. Kaum aber ist dieses Dogma proclamirt, als die französische Besatzung aus Rom und dem Kirchenstaat abzieht und den Papst dem guten Willen seines gehaßtesten Gegners, des italienischen Königs, vielleicht sogar Garibaldi's überläßt, und Oesterreich ihm das Eoncordat kündigt, vielleicht auch das Ulaeetum regium wieder einführt, welches das gerade Gegentheil der päpstlichen Unfehlbarkeit bedeutet. Auch dieser Thron, den der verblendete Greis als den höchsten der Erde über alle Reiche der Menschen zu stellen wähnte, wankt wie ein Rohr vor dem Winde, und die nächste Zeit kann ihn über den Haufen werfen. Es ist das alte Wort, das sich in diesen beiden Fällen abermals bewahrheitet: „Womit du gesündigt, wirst du bestraft." Es ist der alte Spruch des jüdischen Sängers: „an der Stelle eines Tyrannen ging ich vorüber, er war verschwunden und sie verleugnete ihn!" — Der Vorstand des hiesigen jüdischen Krankenhauses hat das ganze Parterregeschoß des Krankenhauses für die Aufnahme verwundeter Krieger eingerichtet. — Das soeben begonnene Organ der Herren Hildesheimer und Enoch, „die jüdische Presse" hat bereits aufgehört zu erscheinen. Bochum, 8. August, i Privatmitth.» Am 27. v. M., als am Allerhöchst eingesetzten Bettage, fand auch in der hiesigen Synagoge Gottesdienst statt. Wir würden dies, als selbstverständlich, unerwähnt gelassen haben, wenn wir nicht hervorzuheben hätten, daß viele hiesige, sehr angesehene Bürger christlicher Eonfession dem Gottesdienste beigewohut haben. Die einfache, aber erhebende Feier machte auf unsere christlichen Zuhörer einen recht guten Eindruck und verfehlten dieselben nicht, am Schluß des Gottesdienstes dem Prediger der Gemeinde, Herrn Lewinger, ihre Anerkennung zu zollen. Zu dem hier bestehenden Bürger - Unterstützungs- Eomite für die Versorgung der Soldatenfamilien, für die Verpflegung der Soldaten im Felde und für Unterbringung der Verwundeten gehören vier Juden, und zwar die drei Vorstandsmitglieder der Gemeinde, die Herren Hermann Herz, Ph. Würzburger, L. Würzburger, sowie Herr Lewinger. DieHerren Würzburger und Lewinger sind Schriftführer des 34

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