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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-23 · Heft 34 (23.8.1870) · p. Seite 674

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 34 (23.8.1870)
Date
1870-08-23
Page
Seite 674 (sequence 10)
Language
German
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674 Eomitss; letzterer wurde noch besonders vom hiesigen Bürgermeister-Amte beauftragt, die Anträge der Unterstützung begehrenden Soldatenfamilien entgegenzunehmen. Auch in dem hier bestehenden „Damen- Eornitv" haben sich unsere jüdischen Frauen und Töchter, besonders die der Herren Lorsteher, sowie die Töchter des Herrn I)r. Würzburger sehr nützlich gemacht. Auch haben sich zwei Juden freiwillig zur Abholung der verwundeten gemeldet. Aus unserer Gemeinde sind zehn Mann zu den Fahnen einberufen worden, darunter fünf verheirathete. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 10. August. (Privatmitth.) Die Sympathie für die zum Kriege herausgcfordertcn und nunmehr in ihn eingetretenen Deutschen sind in der hiesigen Bevölkerung allerdings vorhanden, wenn auch nicht so lebhaft, wie die preußischen Blätter es schildern. Es hat sich hier ein „Hülfscomitö des deutschen Bercines zur Unterstützung verwundeter deutscher Krieger" gebildet, das bereits 5500 fl. nebst einem großen Quantum Lcrbandsachen gesammelt hat. Wir heben mit Vergnügen hervor, daß an der Spitze desselben ein Glaubensgenosse, Ur. Heinrich Jaques steht. Nekrolog. Pest, 3. August. Am 29. v. M. verstarb hier ein Mann, dessen Angedenken würdig ist, auch in d. Bl. verewigt zu werden. Leon Pollak, geb. 1792 in Preßburg, hat fünf Jahrzehnte seines Gebens der hiesigen Gemeinde, ihrer Bildung und Hebung gewidmet. In seiner Jugend studirte er nach damaliger Weise Talmud und nebenbei Bibel, in der letzteren wurde er von seiner Mutter Mirjam unterwiesen. Da er aber keine besondere Vorliebe für das TalmudsMdium zeigte, wurde er zum Kaufmann bestimmt. Jetzt erst wurde cs ihm erlaubt, auch andere Studien zu machen. Fast schon zum Manne herangercift, da er inne ward, wie viel ihm noch fehle, widmete er sich mit dem größten Eifer dem Erlernen der alten und neueren Sprachen. 1830 nach Pest übergesiedelt, richtete er seine Thätigkeit auf das Wohl dieser Gemeinde, führte eine Reihe von Jahren ihr Vorsteheramt mit Umsicht und Würde, und ist es seinem Streben zuzuschreiben, daß Pest eine einheitliche Gemeinde wurde und bis jetzt blieb. Im Jahre 1837 gründete er die hiesige Schule und war eifrigst bemüht für die Verbesserung des Gottesdienstes in der Synagoge. Sein Grundsatz war der, welchen der Verf. der Einleitung in den Talmud, Samuel ha Levi, schon im 11. Jahrhundert ausgesprochen: 371:73 «177 titte 571:73 orE soi 7T«i i'r -pKE. Die Liebe zu seiner vätexlichen Religion war von seinem Wesen unzertrennlich, und ihr widmete er alle seine Thätigkeit der Verherrlichung des Judenthums. Alle, die dies zu würdigen wissen, und den ehrwürdigen Greis kannten, werden sein Andenken Hochhalten! Veritas. Pest, 10. August. (Privatmitth.) Gestern hielt der Schomre-hadath-Verein die erste Sitzung seines Anticongresscs, um seinerseits ein Statut für die Gemeinden zu entwerfen. Die ganze Sitzung wurde mit parlamentarischen Formalitäten ausgefüllt. Man wählte einen Alterspräsidenten, provisorische Quästoren und und Schriftführer, eine Verifications-Commission, dann wirkliche Präsidenten rc., berieth eine Hausordnung"' u. s. w. Man sieht, daß die Altmodischen doch neumodisch genug sind, um den ganzen modernen Kram einer constituirenden Versammlung nachzuäffen. Es waren 130 Vertrauensmänner angemeldet. Das Nähere über Obiges mitzutheilen, wird man uns erlassen. Hervorhcben wollen wir nur, daß der Alterspräsident in seiner Ansprache als die größte Nothwendigkeit betonte, den Frieden in Israel wieder zurückzubringen, der Präses Kraus dagegen, daß jede Transaktion entschieden zurückgewiesen werden müsse. Frankreich. Paris, 5. Aug. Auch hier haben sich alle Parteien und Eonfessionen vereinigt, die Werke der Wohlthätigkeit zu üben, und die internationale Gesellschaft zur Pflege der Verwundeten hat große Unterstützungen erhalten. Es ist nun charakteristisch, daß die ultramontane Partei, wie sie in dem berüchtigten Beuillot und seinem Organ „rUuivers catholique" gipfelt, eine Ausnahme macht, und geradezu erklärt, daß es den Katholiken widerstrebe, ihre Gaben mit denen der Protestanten und der Juden zu vermischen. Man sieht, daß diese Partei Allem entge-

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