Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-23 · Heft 34 (23.8.1870) · p. Seite 670

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 34 (23.8.1870)
Date
1870-08-23
Page
Seite 670 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226744-3226779--28668-3302516
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

670 Der Krieg am Sabbath. Wir haben im vorstehenden Artikel bereits erwähnt, daß nach dem traditionellen Gesetze gestattet war, im Kriege am Sabbath zu kämpfen. Wir wollen uns mit diesem Gegenstände noch etwas näher bekannt machen, weil uns hier ein Einblick in die Werkstätte des traditionellen Gesetzes gewährt wird, wie nicht oft. Es war also zur Halacha erhoben: Z'x "aa i:n c'72'' fscb'073 mns a^aa: bas ma^a ba -paL rrta -pi -pp"12073 iV’nrta asi naob aaip .m*aa ib^as« rtnn aa a727« ■waa Sabb. 19, 1. Mit Berufnng auf den Ausspruch Scham mai's, welcher sich auf die Worte 5 Mos. 20, 20 nnaa aa stützte, daß nämlich die Belagerung einer Stadt ununterbrochen geführt werde „bis sie gefallen" — sollte der Krieg, wenn er drei Tage vor dem Sabbath begonnen, nicht unterbrochen werden. Maimonides setzt hinzu, daß hierbei kein Unterschied zwischen gebotenem und erlaubtem Kriege sei, also auch nicht zwischen Offensiv- und Defensivkrieg: *) afaa b*a nv-p'r ba -pasc baa nTsnbr arraa ■p°'l3n nacta aaip av;-> rrab® -ib-ESi rrnaa aa “)ss:a raaja ib^arri ava ar1 .man riarsba ~praar.b?2 -pn na*aa Hilch. Milch. VI, 11 vgl. Hilch. Sabb. I, 25. Dieselbe Halacha auch im Talm. Jerusch., der sich auf einen Präcedenzfall beruft, nämlich auf die Belagerung Jericho's unter Äosua, deren siebenter Tag, der der Erstürmung, auf einen Sabbath gefallen sei. a-aa -a-a rca rtaan na a-aaa naaa rrbrr laaa'' rraaa: sra aaa a-an ns imcn "r^aar: ai"ai a-ra: * a-72*’ raaa "b'EN nnaa aa a'nai * a^aas «Talm. Jerusch. Schabb. Per. I, fol. 4, 1 ed. Krotosch.) Vgl. Jos. 6, 15. War nun diese Halacha immer vorhanden? Hatte ihre Bestimmung immer Geltung? Nein, sie war der *) Bei Berufung auf ranaa aa mit Recht, da die Belagerung einer Stadt offensiv ist. Nachdrücklich hebt Maim. Hilch. Sabb. I, 23 auch hervor: ba rnaai mrranrab ”“b a7CN7 * r'aaa aiaan a-a aVarabi raa ■'sarn — es ist die Pflicht aller Israeliten, ihren in Kriegsgefahr bedrängten Brüdern zur Hülfe zu eilen und sie zu retten aus der Gewalt der Feinde am Sabbath, und es ist ihnen untersagt bis zum Ausgang des Sabbaths zu zögern. Ausfluß langer und bitterer Erfahrungen. Glücklicher Weise sind uns Notizen bewahrt geblieben, um den Weg zu verfolgen, auf welchem zu ihr gelangt wurde. Nachdem durch die Bemühungen Nehemia's <13,15 ff.) das Sabbath gesetz dem Volke in strengster Weise eingepflanzt worden, war bei diesem die Ansicht vorherrschend, daß die Feier des Sabbaths auch die Enthaltung von jedem Kampfe, sei es zum Angriff, sei es zur Vertheidigung erfordere, und daß man lieber den Tod erleiden müffe, als am Sabbath sich zur Wehre zu setzen. Diese Anschauung seitens der Juden wurde auch den Völkern bekannt, welche mit ihnen in Kampf traten und wiederholt zu großem Schaden der Juden benutzt. Als Ptolemäus Soter (Lagi) um 300 vor d. gew. Zeitr. vor Jerusalem gerückt, zog er am Sabbath in die Stadt ein, ohne daß sich die Juden ihm widersetzten. Daß dies seitens des ägyptischen Königs wie der Juden auf Grund des Sabbaths geschah, bezeugte ganz ausdrücklich der Geschichtsschreiber Agatharchides, deffen Worte Josephus anführt: „Die Juden haben eine feste und große Hauptstadt, Jerusalem genannt, die sie ruhig von Ptolemäus einnehmen ließen, weil sie nicht zu den Waffen greifen, sondern aus unzeitigem Aberglauben lieber einen so harten Herrscher ertragen wollten."*) Als Mattathias zur Erhebung gegen den Syrerkönig Antiochus Epiphanes ausgerufen, hatten sich viele in der Wüste gesammelt, die Syrer rückten gegen sie vor und griffen sie am Sabbath an. Die Juden zogen sich in Höhlen zurück, ohne Widerstand zu leisten oder auch nur die Eingänge zu versperren. Die Feinde legten Feuer an und verbrannten sie. Josephus sagt: „Sie enthielten sich nämlich des Widerstandes um des Tages willen und wollten nicht sündhafter Weise die Feier des Sabbaths verletzen, an dem uns alle Arbeit verboten ist. Demnach wurden jene mit Weib und Kind im Ganzen gegen tausend in den Höhlen vom Rauche erstickt." Nach diesem Unglück erhob sich Mattathias und stellte seinen Anhängern vor, „daß sie auch am Sabbathe kämpfen müßten, und sagte, wenn sie, um das Gesetz zu befolgen, so fortführen, so würden sie sich selbst den größten Schaden zufügen, weil dann die Feinde zu ihrem Angriffe immer den Tag wählen würden, an dem sie sich nicht verteidigten, und so würden sie fämmtlich ohne Schwertstreich umkommen müssen. Durch solche Vorstellungen benahm er ihnen ihre Zweifel, und daher ist *) Josephus, Alterth. XII, l.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.