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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-16 · Heft 33 (16.8.1870) · p. Seite 663

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 33 (16.8.1870)
Date
1870-08-16
Page
Seite 663 (sequence 19)
Language
German
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668 sämmtlich' in Alexandrien zu suchen, und beginnt ihre Reihe ungefähr 150 vor der gew. Zeitr. Es läßt sich voraussetzen, daß dieser Literaturzweig viel stärker vertreten war, ohne jedoch hoffen zu können, den weiteren Umfang fernerhin kennen zu lernen. Wir sahen, daß sie sich in der Dramatik, Epik und Hymnologie versuchten. Allerdings verdienen sie die Aufmerksamkeit weder durch ihre poetische Form, noch auch durch ihren Inhalt an sich. Denn die Sprache ist weder correct noch dichterisch, und ihre Gedanken sind dem großen jüdischen Geistesschatze entlehnt, ohne daß ihnen irgend eine neue Entwicklung gegeben würde. Desto wichtiger sind sie aber als geschichtliche Thatsache. Sie sind eine Manifestation des jüdischen Geistes zu einer Zeit, in einem Lande und in Kreisen, und zwar nach Außen, wo ihnen darum eine hohe Bedeutung einwohnt. Es ist klar, daß sie keine Dichter von selbst, von innen heraus waren, sondern daß sie eine bestimmte Absicht zur Abfassung ihrer, zum Theil sehr umfänglichen Dichtungen hatten. Sie wollten die jüdische Lehre und die jüdische Geschichte in die heidnische Welt hinaustragen, sie dieser zugänglich machen und lehren, dadurcb ihren Namen und Glauben verherrlichen und der Menschheit nützen. Bon der lleberzeugung durchdrungen, daß der Götzendienst auch zum sittlichen Verderben führe, die Erkenntniß des einzigen Gottes aber und das göttliche Gesetz die alleinige Quelle des Heils und des reinen Lebenswandels seien, versuchten sie ihre Mitmenschen ebenfalls davon zu überzeugen. Sie wählten hierzu bisweilen nach der damals bereits allgemeinen Sitte die Hülle eines alten Sängers, rer alten Orakel, und glaubten hiermit durchaus nicht ein Falsum zu begehen, wie man dies von unserem jetzigen literarischen Gesichtspunkte aus beurtheilen würde, sondern nur in erlaubter Weise die Aufmerksamkeit des heidnischen Publicums um so eher auf den Inhalt zu lenken, und ihn ihm zugänglich zu machen. Sie suchten demnach in lauterster Weise Propaganda für ihre Religion zu machen, ihre Ideen zu verbreiten und sie dem Heidenthume und den Philosophemen gegenüber geltend zu machen. Von persönlichem Eigennutz war hierbei um so weniger die Rede, als sie, in der Maske eines alten Dichters auftretend, nicht einmal den Ruhm ihrer Werke für sich beanspruchten. Solche Bestrebungen finden wir in der Geschichte des Judenthums nicht häufig und nur dann und da, wo die Juden dem Culturleben der Völker näher getreten waren, und wann diese Völker selbst sich den allgemeineren menschlichen Ideen zuneigten. Beides sano in Alexandrien und zur angegebenen Zeit statt, und darum wurde es die Pflanzstätte einer eigenthümlichen jüdischen Cultur, die in der Dichtung, Religionsphilosophie, Bibelexegese und Geschichtschreibung ihren Ausdruck fand. Aus Palästina. So vielfach auch schon das h. Land be- und untersucht worden, so begrenzten sich doch diese Forschungen mit geringen Ausnahmen auf das westjardenische Land, während das ostjardenische Gebiet noch sehr unbekannt geblieben. Fast seit Seetzen ist uns keine neue Kunde, die mehr als oberflächlich wäre, über das Land jenseits des Jardens geworden.*» In der nächsten Zeit wird dies anders werden. Der Prof. Kiepert durchforscht jetzt jene Gegenden, und wie man hört, mit gutem Erfolge. Sein letzter Bericht an die geographische Gesellschaft in Berlin ist aus Jerusalem vom 5. Mai datirt und schildert zuerst die topographische Beschaffenheit namentlich derjenigen Theile des Ostjardenlandes, die bisher wenig oder so gut wie gar nicht besucht und noch weniger studirt waren. Von besonderem fast politischen Jntereffe ist, daß die vor dem Antritt der Reise von manchen Seiten geäußerten Befürchtungen wegen der großen Schwierigkeiten oder Gefahren der Reise sich als grundlos erwiesen haben. Die Unterwerfung unter die türkische Herrschaft, obgleich diese nur durch eine kleine, zum Steuereintreiben eben ausreichende bewaffnete Macht repräsentirt wird, ist vollständig genug, um die Beduinen zu einer Herabminderung von den früher exorbitanten Preisen für Begleitung und Schutz zu veranlassen. Entbehren läßt sich dieselbe nicht, und die Reisenden mußten nach längerem Verhandeln auf dem Consulat mit den Schecks statt der zuerst verlangten 5<i Napoleons für fünf Reiter aus 25 Tage 50 Napoleons bewilligen. Die Kosten für die Zelte und Borräthe von Lebensmitteln, die für eine größere Anzahl von Personen mitgenommen werden mußten, natürlich nicht einbegriffen. Erwägt man aber, welch' unwirthliche Gegenden die Reisenden zu passiren hatten, so fällt der Vergleich mit Griechenland, was die Sicherheit des Landes betrifft, entschieden zum Nachtheil des classischen Bodens der Hellenen aus. Wir möchten uns erlauben, diese sich von selbst darbietende 'Nutzanwendung dem Berichte des Herrn Pros. Kiepert an die geographische Gesellschaft, von welchem uns Einsicht gestattet worden, hinzuzufügen. Sind doch die Reisenden sogar einer englischen Gesellschaft von Ladies begegnet, die allerdings nur auf drei bis vier Tage über den Jarden gegangen war. Wirkliche Hinderniffe bereiteten Herrn Prof. Kieperr und seinen Gefährten die klimatischen Verhältnisse; sie hatten zuerst von heftigen Regengüssen und nächtlicher Kälte zu leiden, während sich neuerdings eine Hitze eingestellt hat, die sogar auf die Eingeborenen erschlaffend wirkte. Doch war der Gesundheitszustaud der Reisenden, die *i Jil früheren Jahren hegte tev Herausg. d. 23L. dcn UL'- haften Lr-unsch, das CftjavCcniant;u durchforschen; Borberei luugcn dazu waren im L litten schon getrosten — dis sein Gesundheitszustand es nicht mehr gestartete. Redaer.

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