Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1870)
- Date
- 1870-08-16
- Page
- Seite 662 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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662 Das Werk, das also herrlich begonnen, es wird weitergeführt, es wird vollendet werden; dieser erste Sieg ist uns Bürgschaft; die Wechselfalle des Krieges werden nicht wider uns eintreten; der Feind, der fliehen gelernt, wird nicht stille stehen, der in Verwirrung gerathen, wird sich wieder erheben — Sieg wird kommen nach Sieg, und nach dem Siege der Frieden! Du warft, Vater droben, unsere Zuversicht in der Stunde der Bangigkeit, der Gefahr — du bist unsere Zuversicht in der Zeit des Sieges! Dann bleiben wir ruhig und besonnen, und werden nicht übermüthig, und sprechen demüthig: nicht unsere Kraft, nicht unsere Macht und Weisheit, sondern allein unser Recht und dein Wille haben es vollbracht!... Und wir gedenken unserer tapferen Soldaten, unseres über alles Lob mannhaften, sich hingebenden, todesmuthigen, kampfbereiten Heeres! Wir stehen vor ihm dankerfüllt, bewunderungsvoll — welche Freudigkeit, für das Vaterland zu kämpfen, für das Vaterland zu sterben! welcher Much, welche Begeisterung, welche Ausdauer, welche Kraft und Aufopferung! Und seine Führer, weise im Plane, besonnen im Entwerfen, muthig, unerschütterlich im Ausführen, den rechten Weg und den rechten Augenblick erkennend, fürwahr! daß du uns solche Führer gegeben, und diesen Führern solche Krieger, dafür jubeln wir dir Dank zu, Retter und Schützer in der Norh! Und dennoch, welche Ströme von Blut hat es gekostet — mitten in der Freude des Sieges, welch' bitteres Gefühl! wie viele Braven haben ihr Leben darüber ausgehaucht, wie viele liegen in den Schmerzen ihrer Wunden nach dem Tode rufend, und er kommt nicht, wie viele haben ihre Glieder verloren, schweres Siechthum davongetragen! Das sind die Schalten, welche um das Licht auch des Sieges liegen, dies das dunkle Gewölk, das vor der Scene des Triumphes steht, dies der Druck noch auf dem befreiten Herzen!... Und selbst diese geschlagenen Feinde, sind sie nicht unsere Menschenbrüder? Waren sie beihört und irregeleitet, sind sie nicht desto bedauernswerther, da sie für eine schlechte Sache — wie Viele von ihnen ohne daß sie es wußten und wollten, weil sie befohlen waren — gefochten, geblutet, gefallen?... Und darum, Herr, flehen wir, verleihe uns Sieg nach Sieg, laß unser Heer ferner die Siegesbahn glücklich verfolgen, damit dem Blutvergießen bald ein Ende werde, damit ein leuchtender Friede uns und der ganzen Menschheit in kurzer Zeit aufgehe, damit ein entscheidender, dauernder Friede komme, der nicht wieder nach kurzer Rast den blutigen Kampf erneue, der auf viele Jahrzehende, o möcht' es auf immer sein! vie Ruhe und Sicherheit und die Herrschaft des Rechtes sichere! Denn nicht um des Sieges willen flehen wir um Sieg, sondern weil er den Frieden bringt und das Recht, und die Frevler stürzt und den Frevlermuth. Und darum rufen wir, wie unsere Väter riefen: „Des Jubels und der Rettung Ruf tönt in den Zelten der Gerechten: die Rechte des Ewigen schaffet Macht! die Rechte des Ewigen erhöht! die Rechte des Ewigen schaffet Macht!" Amen. Die jüdisch-griechischen Dichter. (Schluß.) Zu den bisher aufgeführten Dichtern haben wir noch einen Zusatz zu treffen. Bei Clemens (Strom. V, 14, 111 p. 716) sowie bei Eusebius (Praep. ev. p. 680) finden sich 9 Verse citirt als von Sophokles herrührend. Diese enthalten bittere Ironien auf die von Zeus erzählten Ehebrechereien und Liebeleien. L. Dindors in seiner Ausgabe des Thesaurus von Stephanus (s. v. fia&uog) halt diese Verse, die Niemand vom Sophokles wirklich verfaßt erachten wird, für das Werk eines Alexandrinischen Juden. Ob nun diese Pseudo-Sophoklea wirklich einen jüdischen Ursprung haben, dasür spricht in ihnen selbst nichts in bestimmter Weise. Denn einschneidende Satiren auf die mythologischen Unzüchtereien der Götter haben echte heidnische Dichter schon Jahrhunderte vor der gewöhnlichen Zeitrechnung verfaßt, und z. B. Aristophanes und Lucian müßten aus diesem Grunde für Juden gehalten werden. Aber einen stricteren Beweis findet Dindorf in folgendem Umstande. Clemens citirt p. 603 einen anderen schmuzigen Vers angeblich aus Sophokles, welchen Vers schon Bentley (Lp. all Millium p. 12) als unecht erkannt hat. Diesen Pseudosophokleischen Vers entlehnt Clemens a. a. O. einem Hecatäus und zwar aus dessen Werk „Ueber die Juden" oder „die Geschichte der Juden". Hecatäus aus Abvera lebte ungefähr 300 vor der gew. Zeitr. und dieses ihm zugeschriebene Werk muß offenbar wiederum ein Falsificat eines (späteren alexandrinischen) Juden gewesen sein. Dindorf schließt nun, daß jene 9 Verse, gleichen Inhalts und ebenfalls dem Sophokles zuertheilt, auch aus dem Pseudo-Hecatäus entnommen gewesen und das Product deffelben Juden waren. Es ist dies allerdings kein objectiver Beweis, da noch dazu der Umfang der zu vergleichenden Verse zu gering ist, um andere Anhaltspuncte zu gewähren. Wir müffen es daher vahingestellt sein lassen und können auch des Inhalts wegen die Verse hier nicht übersetzen. Wir haben also in dem Vorhergehenden sechs jüdischgriechische Dichter zu besprechen gehabt, von denen drei unter ihren eigenen Namen schrieben, Ezekiel, Philo der Aeltere und Theodotos, drei sich älterer und sagenhafter Namen zur Umhüllung ihrer Erzeugniffe bedienten, Orpheus, Phokylides und die Sibylla, so jedoch, daß wir des Ersteren Namen wiffen, nämlich Aristobul der Peripatetiker. Wir haben ihren Ursprung und Wohnort säm Rei vov tretl Um sie such wed In) uod jüd ein« sin! 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