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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-16 · Heft 33 (16.8.1870) · p. Seite 661

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 33 (16.8.1870)
Date
1870-08-16
Page
Seite 661 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Feuiüeton-Leilage zu Ar. 33. Leipzig, den 1b. August 1870. Gebete während des Krieges, n. Allmächtiger Gott! Die Schreckenskunde ist gekommen — das erste Gefecht hat stattgefunden — der Donner der Geschütze begann zu rollen, die Schwerter haben sich mit Blut rothgefärbt, roth von Menschenblut!... O Vater, das Brachfeld hat sich mit Todten bedeckt, mit Verwundeten, deren Schmerzensruf zum Himmel stieg. Wer ist gefallen? wer ward dem Moloch der Schlachten preisgegeben? Wir wisien es nicht, aber es sind Sohne von Müttern, Gatten oder Väter, und die Hinterlafsenen jammern über den Verlust, der sie jählings betroffen! Warum, rufen sie, warum ist es nothwendig, daß diese Männer und Jünglinge in der Blüthe und Kraft des. Lebens hinuntersinken in die Gruft? warum, daß sie verstümmelt zurückkehren?... Und doch war dies nur das Vorspiel — fürchterlicher wird der eherne Kampf lösbrechen, grauenvoller der Tod in den Reihen der Streiter hüben und drüben rasen, unermeßlicher die Verluste sein an Menschenleben und Menschenwohl ... Noch zählen wir nach Hunderten die Gefallenen — bald nach Tausenden; eine Stadt, ein Dorf flammt auf — bald ganze Landschaften, und Hunger und Seuche werden sich dazu gesellen... O wie erschüttert ist jedes Herz, wie belaubt jedes Gemüth. Bald schlägt die Wuth über den verruchten Anstifter all' dieses Unheils in die Höhe, und mochte ihn vernichten — bald füllt der Jammer über die Trübsal, die schon gekommen, das wunde Herz — bald preßt die Angst in das, was noch bevorsteht, die Brust zusammen.... Vater in der Höhe! wende dieses furchtbare Geschick von uns ab! Laß den Kampf kurz und entscheidend sein, laß die gerechte Sache schnell und beendend ihren tapfern Schlag führen, daß bald und dauernd der Friede wieder zurückkehre! Mache diesem Blutvergießen ein rasches Ende durch den Sturz der Urheber — o daß wir deinen Gerichten jubeln, deine gerechten Gerichte preisen können! O nur nicht einen langen, aufteibenden, verheerenden Krieg, nur nicht die Entfeffelung der wüstesten Leidenschaften, die allgemeine Verwilderung, ein Brand, der immer weiter und weiter greift!... Und warum nicht mitten in diesem allgemeinen Weh mein eigenes Weh aussprechen? Flehen nicht Tausende so, wie ich flehe vor dir? Erhöre mich, erhöre Alle! O sei mit den Meinigen, die draußen im Kampfe sind. Wenn die Blitze zucken, daß sie vorüberfahren an ihnen; wenn die Kugeln und Granaten stiegen, laß keine sie treffen! Sie sollen kämpfen und stehen in der Schlacht, wie ihre Pflicht es heischt, muthig, männlich, ihres Volkes und ihres Stammes würdig — dann aber breite deinen Schild über sie, daß sie heil, ungeschädigt bleiben! Und wenn ihr Blut fließt, o hemme es, daß sie nicht verbluten, schließe ihre Wunden wieder — „du bist der Arzt alles Fleisches"; „du bist der Hüter, der nicht schläft"; „wenn die Feinde auf dich stürmen, wie Bienenschwärme, wie Dornenfeuer auflodern um dich — im Namen des Ewigen, du vertilgest sie!" Ja, meine Seele fliehet zu dir, mein Gott, meine Zuflucht, meine Burg, meine Beste, mein Hort, birg mich im Schatten Deiner Flügel, mich, und das Vaterland, und seine Streiter alle, und die Meinen; die kämpfenden und die daheim weilen! Amen. III. O Gott! Eine Siegesbotschaft, die erste, fliegt durch das Land! Unser tapferes Heer hat gesiegt, hat den Feind niedergeworfen, in die Flucht gejagt, Gefangene gemacht, Geschütze genommen... unsere Grenzen sind frei, der Krieg in das feindliche Land getragen... alle Furcht ist verscheucht, das Herz schwillt voll erhebender Gefühle empor — dir sei Lob und Dank, Lenker der Schlachten in der Höh', Herr des Sieges, du hast der gerechten Sache Triumph bereitet! Wir waren die Angegriffenen mitten im Frieden, den wir wahren wollten — du hast begonnen den frevelhaften Angreifer zu stürzen; wir waren die Beleidigten, uns ward der Krieg erklärt — sie fangen an, ihn zu büßen, die ihn übermüthig heraufbefchworen, die ihn mit Jubel beklatschten, die über uns herfallen wollten, sie fallen, die uns schreckten, sind schreckerfüllt — Sieg, Sieg, „der Ewige ist mein Sieg, mein Saitenspiel!"

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