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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-16 · Heft 33 (16.8.1870) · p. Seite 656

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 33 (16.8.1870)
Date
1870-08-16
Page
Seite 656 (sequence 12)
Language
German
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656 nitätscmstalten die wärmste Theilnahme hegen, befinde ich mich in der angenehmen Lage Ihnen mitthcilen zu können, daß die Rothschild'schen Institute fast von Allen Jerusalem besuchenden renommirten Persönliche keiten besichtigt, in den letzten Tagen sowohl vom spanischen als auch vom norddeutschen Gcneralconsul beehrt wurden. Der Zufall wollte es, daß beide Herrn gerade an einem Tage der Ambulance das Hospital besuchten, wo circa 150 ambulante Kranke, ohne Unterschied der Confession, Medicamente und ärztliche Behandlung gratis erhalten. Der spanische Generalkonsul lein Castilianer) lernte hier zum ersten mal den jüdischen Wohlthätigkeitssinn und die jüdische Nächstenliebe kennen. Er versprach ganz spontan bei dieser Gelegenheit, das spanische Volk durch Journalartikel über die jüdische Barmherzigkeit und Nächstenliebe aufzuklärcn, cs ist dies um so nöthiger, indem das spanische Volk über das Judenthum und sein Wesen von den katholischen Pfaffen falsch und entstellt belehrt wurde. Seine gewonnenen Eindrücke vom Hospitale äußerte er im Livre de Souvenir folgendermaßen: „Tengo la satisfaccion de asegurar que este liospital rivaliza con los mejores de Europa, si por la empieza si por la manera con que Io dinge el Dr. London. El Conde de Casa-Sarria Consul General d’Espafla.“ Der Gencralconsul des norddeutschen Bundes drückte seine gewonnenen Eindrücke folgendermaßen aus: „Mit großem Interesse und zu meiner vollsten Befriedigung habe ich die Rothschild'sche Krankenanstalt besehen und wünsche dem menschenfreundlichen Zwecke derselben auch fernerhin den besten Erfolg." Jerusalem, 8. Juni 1870. Baron v. Alten, General-Consul des norddeutschen Bundes. Diese Herren besuchten auch die von Baronesse Lyonel Rothschild erhaltene und von mir rcorganisirte Mädchenschule, in der gegenwärtig 80 Mädchen, größtentheils Waisen, Unterricht in den verschiedensten Handarbeiten, im Beten, Lesen, Schreiben, Rechnen erhalten. Es ist nicht übertrieben, wenn ich Sie versichere, daß diese Herrn, sonst sehr wenig in Berührung mit den hiesigen Juden, hier von den an Ordnung, an Arbeitsamkeit und an Reinlichkeit sich gewöhnenden jüdischen Kindern sichtlich entzückt waren. Sie besichtigten mit dem lebhaftesten Interesse sämmtliche Handarbeiten der Kinder, prüften mehrere im Rechnen, spanisch Lesen und Schreiben. Die Herren sprachen hier öffentlich und unverhohlen ihre Ueberraschung, ihre Zufriedenheit mit den Leistungen der Mädchen aus. Sollte es mir gelingen, einige der intelligentesten und capabelsten Kinder in eine europäische Lehrerinnenbildungsanstalt senden zu können, um sie dort zu Lchrerinnen heranbilden zu lassen, dann dürfte viel leichter und rascher eine Regeneration und Elevation der hiesigen weiblichen Jugend effectuirt werden. Es mögen diejenigen Philanthropen, denen das Wohl ihrer hiesigen, in geistiger Finsterniß lebenden, Glaubensbrüder wirklich so sehr am Herzen liegt, von der schrecklichen Anzahl bildungs- und erziehungsloser Kinder (von den Alten und Erwachsenen lohnt cs sich nicht mehr zu reden) Notiz nehmen, die hier wie Wilde als Bettler heranwachscn und der Menschheit nicht nur nichts nützen, sondern vielmehr zur Last fallen. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Eine Schilderung aus dem chassidischen Volke in Polen. Wir entlehnen einer Charakterschilderung aus der Feder des Dr. Jastrow im Hebrew Leader folgende Züge. Sie geben freilich nichts Neues, und namentlich sind in diesem Bl. schon oft dergleichen Skizzen gegeben worden; aber sie treten den Lesern mit großer Frische entgegen, und zeichnen den Standpunct dieser zahlreichen Claffe. Chassidismus und Despotismus, wie sind sie so eng verwandt! Der Chassidismus ist der Sinnengenuß in das Gewand der Religion gehüllt, und der russische Despotismus ist die Knechtschaft in das Gewand des Sinnengenusses gehüllt. Sei lustig, iß und trink, nein saufe und schwelge, aber denke nicht, sagt der russische Despotismus, denn Denken hindert die Verdauung und macht den Kopf heiß. Weg mit dem ascetischen Forschen im Gesetze, sagt der Chassidismus. Das Denken übernimmt der Rebbe für euch. Alles was ihr Unterthanen zu thun habt, ist, an euren Rebben zu glauben und ihm euren Tribut und eure Huldigung zu bringen; habt ihr dies gethan,

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