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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-16 · Heft 33 (16.8.1870) · p. Seite 653

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 33 (16.8.1870)
Date
1870-08-16
Page
Seite 653 (sequence 9)
Language
German
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653 drücke nachgesehen; aber die obige Phrase berührt alle Völker, und muß daher energisch zurückgewiesen werden. Damir Herr Isidore einsieht, daß die ganze civilisirte Welt anders urtheilt, stellen wir hier einen Ausdruck in der jüngsten Nummer der preußenfcindlichen „dienen Freien Presse" von Wien her: „Nichts kann das llrtheil der Welt über diesen Krieg mehr ändern: es ist ein schändlicher, von Frankreich unternommener Raubkrieg!" — Herr Großrabbiner Isidore hat an das Kriegsministerium das Verlangen gestellt, daß auch jüdische Feldprediger die Armee begleiten sollten, da dieselbe selbstverständlich eine große Zahl Loldaten israelitischer Konfession zählt. In der Erwartung, daß das Ministerium dieser gerechten Forderung entsprechen werde, richtete er an die französischen Rabbiner ein' Circularschreiben, sich zu diesem Dienste zu melden. In Paris hat dies bereits ein Rabbiner gethan. — Das französische Kultusministerium hat die Würdenträger jeder Eonsession aufgesordert, in den Kirchen ein Gebet um den Sieg der französischen Waffen abhalten zu lassen. Herr Großrabbiner Isidore hat in Folge dessen ein hebräisches Gebet verfaßt und an die jüdischen Gemeinden versandt. Es ist freilich dies eine alte Sitte, aber für unsere Zeit ein überttiebener Formalismus. Denn wie viele französische Juden verstehen jetzt das vom Vorbctcr vorgelesene neue Gebet in hebräischer Sprache? Wäre es nicht angemessener gewesen, es in französischer Sprache abzufassen, wie in allen übrigen Gotteshäusern, damit die Hörer es verstehen, es Mitempfinden, es mitbeten können, so daß religiöse und patriotische Gefühle dadurch genährt werden, während es jetzt nur leere Formel bleibt? Paris, im August. Die Arcli. isr. berichten: Die siebente Kammer des Zuchtpolizeigerichtes von Paris hat Individuen, die sich aus den niederen Schichten der israelitischen Bevölkerung der Hauptstadt recrutiren, abzuurtheilen gehabt. Seit langer Zeit war die Polizei davon unterrichtet, daß eine Bande Deutscher die reichen Deutschen in Paris ausbeutete, mögen diese dem israelitischen Eultus oder der christlichen Religion angehören. Am 26. April wurden zwei dieser Gauner Namens Tromski und Katzenstein auf Veranlassung des Herrn Israel, Kaufmanns in der rus äu Sentier, verhaftet. Sie hatten sich ihm präsentirt mit einer Subscriptionsliste für die unglücklichen Glaubensgenossen, welche Dpser einer Ueberschwemmung des Rheines geworden; 286 Wohnplätze wären durch die Fluth verwüstet worden, der Rhein hätte 14 Leichname fortgeschwemmr u. s. w. Zur Unterstützung dieses traurigen Ereignisses verfertigten sie einen Empfehlungsbrief des Herrn Zadok Kahn, Großrabbinen des israelitischen Eonsistoriums in Paris. Herr Israel, der schon ausgebeutet worden war und die Existenz der der Polizei signalisirtcn Bande kannte, erklärte den beiden Bettlern, daß er sic zum Polizcicommissär führen würde. Alsbald stürzte sich Tromski auf ihn, entriß ihm den angeblichen Brief des Großrabbinen und zerriß ihn in kleine Stücke. Diese Stücke wurden sofort gesammelt, zusammengelegt, und also konnte man das werthvolle Document fast ganz wieder Herstellen. Einige Tage nach der Verhaftung von Tromski und Katzenstein stellte sich ein gewisser Sinienski dem Großrabbiner vor und sagte zu ihm: „Ich habe Beweise, daß man mit Ihrem Namen die reichen Israeliten von Paris ausbeutet." Hierauf zeigte er Herrn Zadok Briefe und Siegel der israelitischen Gesellschaft, der sofort die Falschheit der Briefe und Siegel erkannte und Sinienski veranlaßte, dem Polizcicommissär die Thaffachen mitzutheilen, und dies fand sofort statt. Allein ein gewisser Guttmann hatten diesen Tenuncianten schon denuncirt als Verfertiger der falschen Stücke, von denen er soeben gesprochen hatte. Kurz, Sinienski, Guttmann und Rosen sowie Katzcnstein wurden verhaftet und vor den Gerichtshof geführt; nur der erste wurde freigesprochen, die andern mit Gesängniß besttaft. —. Der Großrabbiner des Ccntralconsistoriums hat ein sehr lobenswerthes Projcct entworfen: betroffen von der precären Lage, in welcher sich unsere jungen Rabbiner bei dem Verlassen des Seminars befinden, hat er „das Werk der rabbinischen Missionen" in Vorschlag gebracht. Dasselbe würde zum Zweck haben, für die Lage der jungen Rabbiner bei ihrem Ausgang aus der Schule zu sorgen, indem es ihnen Functionen giebt, die ihnen gestatten, ihre erworbenen Kenntnisse unmittelbar zu 33

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