Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1870)
- Date
- 1870-08-16
- Page
- Seite 651 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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651 erregt haben. * - Nebenbei bemerkt erntet jetzt der hohe Klerus in der durch die Mehrheit des Concils geschaffenen neuen Situation, was er ausgesäet, als er seit Jahrzehenden im niederen Klerus nur Männer der ultramontansten Gesinnung anstellte und beförderte und jede freiere Gesinnung (was in diesen Kreisen schon frei heißt!) auszumärzen suchte. Die Waffe kehrt sich jetzt gegen ihn, den hohen Klerus, selbst. Aber es ließen sich Ortsklerikale sogar zu verbrecherischen Umtrieben gegen die Aushebung und Bewaffnung der Mannschaften verleiten. Es sind hierüber arge Stückchen aus dem bayrischen Oberlande und der bayrischen Pfalz bekannt. Um nicht parteiisch zu erscheinen, führe ich eines derselben und zwar mit den Worten der „N. Fr. Pr." datirt aus der Rheinpfalz vom 21. Juli an: „Nur ein Theil der katholischen Geistlichkeit wühlt im Stillen für Frankreich; ja in St. Ingbert ging ein Eaplan so weit, es eine Pflicht aller guten Katholiken zu heißen, für Napoleon, den erhabenen Schirmer des Heiligen Vaters, einzustehen. Es gelang dem fanatischen, vaterlandslosen Pfaffen sogar, einen Auflauf gegen preußische Uhlanen zu erregen, die dort in Gemeinschaft mit den baicrischen Chevauxlegers den Grenzdienst versehen. Nur der Mäßigung der Preußen ist es zu danken, daß der Skandal ohne Blutvergießen ablief. Eine strenge Untersuchung gegen die Tumultuanten sowohl wie gegen den moralischen Urheber ist eingeleitet. Die Ersteren waren Arbeiter, welche durch den Krieg brodlos geworden sind." Daß die Unmöglichkeit, jetzt hier eine Synodalversammlung zu halten, und deshalb die Vertagung derselben bei einem großen Theile unserer hiesigen jüdischen Einwohner sehr viel Bedauern verursacht hat, kann ich Ihnen mit aller Bestimmtheit ausdrücken. Ja, ich bin berechtigt zu sagen, daß auch viele christliche Einwohner dies Bedauern theilen, da der Ruf, welchen die Leipziger Synode insbesondere durch die Philippson'schen Resolutionen sich erworben, ein sehr günstiger und noch nicht vergessener ist. Daß es auch hier einige Zeloten giebt, welche sich darüber freuen, *) Wir wissen dies auch aus hiesigen Kreisen, berreffs des Hirtenbriefes des Erzbischofs von Eöln. Redaction. will ich nicht leugnen, und es soll mich nicht wundern, wenn einige darunter sind, die glauben, oder zu glauben vorgeben, oaß der ganze Krieg nur gekommen sei, um die Synode zu verhindern. Fürth, im Juli. lPrivatmitth. verspätet». Die in Bayern seit den letzten Jahren gewährte Freizügigkeit hatte zur Folge, daß viele auf dem Lande wohnhaft gewesene Israeliten in die Städte zogen, und so kömmt es, daß die dort selbst mitunter vor wenig Jahren erbauten Synagogen oft leer und öde stehen. Selten wird daher jetzt auf dem Lande eine neue gebaut. Deshalb gestatten Sic mir, der feierlichen Einweihung der von der kleinen Gemeinde mit einem Kostenaufwande von 12,000 fl. unter der vorzüglichen Leitung des Vorsteher Herrn Isidor Jsner neu erbauten Synagoge zu Burghaslach Erwähnung zu thun. Sie fand am 10. Juni in ergreifendster Weise durch den Districtsrabbiner Herrn Sulz von Uehlfeld statt, welcher in der alten wie in der neuen Synagoge treffliche Predigten hielt. Der Festzug war schön geordnet, der musikalische Theil durch den praktischen Arzt Herrn Dr. Neuburger bestens geleitet und ausgeführt. Möge auch fernerhin der Gottesdienst in diesem schönen Gebäude weihevoll stattfinden. 8. H. Frankreich. Paris, 29. Juli. »Privatmirth.» Es hat hier bei Vielen einen sehr günstigen Eindruck gemacht, daß der Großrabbiner von Paris, H. Zadok Kahn, sich als Mitglied der Synode zu München angemeldct hatte. Bedauert man cs überhaupt, daß diese Versammlung zu den Fricdenswerken gehört, welche durch den so unerwartet ausgebrochencn Krieg zerstört worden sind, so thut cs uns besonders leid, daß wir hierdurch der Gelegenheit beraubt wurden, die Vota unseres Großrabbinen in den wichtigen Fragen, welche dort verhandelt worden wären, kennen zu lernen. Jedenfalls aber hat er bewiesen, daß er sich von dem Geschrei der hier durch H. S. Bloch, den Redacteur des Univers israelite, vertretenen Elique nicht beirren lasse und nicht Willens sei, sich von ihr gängeln zu lassen. Wir haben es hier wiederholt erlebt, daß die HH. Rabbinen, wenn sie durch den Anschein gemäßigten Fortschrittes sich in eine höhere Stelle gebracht haben,