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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-16 · Heft 33 (16.8.1870) · p. Seite 649

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 33 (16.8.1870)
Date
1870-08-16
Page
Seite 649 (sequence 5)
Language
German
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649 Diesen schwungreichen Liedern, in welchen sich so viele Züge finden, die auf den eben ausgebrochenen Krieg Anwendung finden und uns lebhaft die Schrecken des Kampfes schildern, folgt ein „lyrischer Anhang." Wir heben aus diesem ein Gedicht (S. 78) hervor, in welchem der Poet sich als Jude bezeichnet: An Herrn f f f „Ihr meint, ich hält' beleidigt Euren Adel, Dies lag mir fern; ich ehre jeden Mann, Deß Wandel ehrenwerth und ohne Tadel, Ich trotze Eurem Fluche, Eurem Bann; Jedoch Ihr zuckt die Achseln, fraget stolz: Wer ist der „Knirps", der da gen Riesen streitet? Wohlan! Ich bin geschnitzt aus gutem Holz, Gleich Euch, mein Herr, aus gutem Thon bereitet. Mein Ahne David schlug den Goliath, Mein Stammbaum reicht zur Arche von Ararat, Trotzte Jahrtausenden der wilden Fluch, Nennt mir ein distinguirtres „blaues Blut?" Mein Stamm der „Levis" ist das älteste Geschlecht, Ehrwürdig heute noch in seinen Fetzen; Meine Altvordern wahrten Sitte, Recht, Die Euren dienten, opferten — den Götzen, Zu uns sprach Gott einst aus der Sinaiwolke, Ja, Euer Heiland selbst zählte zu — meinem Volke!" Das vorzüglichste .dieser lyrischen Gedichte scheint uns das letzte „Der Tod des Sängers" auf Heinrich Heines Krankheit und Tod. In ergreifender Weise schildert es die Gemüthsstimmung des kranken und des sterbenden Dichters, die Enttäuschungen, die er erfahren in seinem Streben und in seinen Gefühlen, seine Rückerinnerungen an Jugend und Heimath, und endlich — an die von ihm verläugnete Religion seiner Väter. Wir stellen diese Verse her: „Und jetzt! O, jetzt! Die Manneskraft dahin, Verdorrt am Leib' eil' ich dem Grabe zu Und schwarze Schatten auf- und niederziehn, — Find ich wohl endlich die ersehnte Ruh? Da reißt der Flor, rings um mich her ist's Licht, Ich schau' der Engel lächelnd Angesicht!" „Und sie umgeben mich im bunten Kranz, Sie jubeln hell und laut, sie jauchzen fröhlich, Sie drehn und schwingen sich im Reizentanz, Mir ist so frei, so wonnevoll, so selig; „Wer ist wie unser Gott?" — so tönt's zu meinem Ohr, „Heilig ist unser Gott!" jauchzet der Engel Chor!" „Und durch die Söller dröhnt's „Hallelujah!" Es rauscht und wirbelt drein wie Harfensaitenklang; „Wer ist wie unser Gott, wer ist wie Jehovah?" So schallt gleich Wogenschwall der Seraphim Gesang; Und wieder tönet's fort in prächt'ger Harmonie, Und fiüstert, flötet sanft wie süße Melodie." Die angeführten Verse werden bereits unsere Leser von dem Werthe dieser poetischen Gabe überzeugt haben, so daß sie unserer dringenden Empfehlung nicht bedarf. Namentlich in Oesterreich wird der erste Theil des Buches Auffehen erregen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bonn, 3. August. (Privatmitth.) Die Unfehlbarkeit des Papstes hat sofort eine doppelte Antwort erhalten, eine unmittelbare und eine mittelbare, jene von Oesterreich, welches das Concordat, das freilich schon durch die neuere Gesetzgebung Oesterreichs sehr durchlöchert war, nunmehr für aufgehoben erklärte, da mit einem unfehlbaren Papste ein auf gegenseitigen Bedingungen beruhender Pact nicht mehr bestehen kann, jede Regierung diesem gegenüber vielmehr sich ihre völlige Freiheit zu handeln bewahren müsse; und die mittelbare von Frankreich, das seine Occupationstruppen aus dem Kirchenstaate zurückzieht. Der letztere Act ist durch den ausgebrochenen Krieg bedingt worden, theils weil Napoleon aller seiner Truppen bedarf, theils weil er Italien gut stimmen will. So ist dies denn eine Lehre, welche die Vorsehung selbst dem unfehlbaren Papste giebt. Wer sich selbst über die Menschen erhebt, muß ihrer nicht bedürfen, sonst wird es ihm um so fühlbarer, daß er nicht mehr als alle Andere sei. Man hätte doch denken sollen, daß die Menschen froh sein müßten, endlich einen Hafen der Unfehlbarkeit gefunden zu haben, in welcben sie in jeder zweifelhaften Lage, bei jedem möglichen Jrrthum ein-

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