Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1870)
- Date
- 1870-08-09
- Page
- Seite 643 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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643 25. Und der Bewegung der Sphäre, die um die Erde sich drehet, Rings gleichmäßig gerundet, sich um den Zapfen bewegend. Doch Er zügelt die Wind' in der Luft und im Strome des Wassers, Offenbaret den Glanz des krafigeborenen Feuers,* *) Er auf den Himmel gestützt, den unermeßlichen, sitzend Zu. Auf dem goldenen Thron, zu seinen Füßen die Erde. Seine Rechte halt er gestreckt zu des Oceans Grenzen, Aber der Berge Grund erzittert in innerster Tiefe, Der die gewaltige Last nicht zu tragen vermag. Doch er, gänzlich Wohnend droben im Himmel, vollbringet alles auf Erden, 35. Haltend den Anfang und auch die Mitte, nicht minder das Ende. So ist der Alten Wort, vom Wassererstandnen**) geordnet, Gottgegebenen Sprüchen entlehnt, im Gesetz der zwei Tafeln.***, Andres ist nimmer erlaubt zu sagen, mir zittern die Glieder Sammt dem Geist; da er alles beherrscht nach der Ordnung von droben. -10. All dies höre, mein Sohn, und näh're dich diesen Gedanken, Weislich beherrsche die Zunge, und senk' in das Her; dir die Kunde. Gott ist einzig, der Bildner des Weltalls, der einen Theil seiner selbst allem Wesen gegeben, ewig, allmächtig, Alles über die Menschen verhängend, unsichtbar, der nur im Geiste geschaut werden kann, deffen Spuren und Wirken wir aber überall zu erkennen vermögen, das ist die Lehre, die der Dichter ausspricht, und aus der er allein das Heil der Menschen ersprießen sieht. Diese Lehre stammt ihm von Gott, durch Abraham und Moses verkündet in alter Zeit. Er legt sie hier dem alten griechischen Sänger in den Mund, um ihr bei den Zeitgenossen den Zugang um so leichter zu machen. Beruf und Wesen gerühmt wird. Es lag dann nahe, dem Abraham das astronomische Wissen zuzueignen, das den Chaldäern von den Griechen zugeschricbcn ward. *) Anspielung auf die vier Elemente. Geßner, dem Delitzsch folgte, las rloyevt.'; „ans dem Hol; d. i. Kasten erstanden", 'was Tcaligcr richtig in idoyn-/; „aus dem Wasser erstanden" verbesserte, nämlich Äoscs, nach der biblischen Erklärung „aus dem Wasser gezogen". -Cndworth ***) öinhcxtc Ötauoy, die Zehn Gebote aus den zwei steinernen Tafeln. Es konnte dem Lcicr um so verständlicher sein, als auch die Römer ein Zwölf-Tascl-Geset; batten. ist seiner Grundbedeutung nach „;wcitaselig"/ Würde das Gedicht aus späterer Zeit sein, so könnte man an die zwei Tborotb, das schriftliche und das mündliche Gesetz, denken. Moritz Kalisch. Ein Malerleben.*) Am 13. Mär; d. I. starb zu Amsterdam einer der hervorragendsten Maler unserer Tage: Moritz Kalisch, ein Israelit. Geboren zu Amsterdam im Jahre 1820, verrieth er schon als vierjähriger Knabe einen ganz außergewöhnlichen Formen- und Farbensinn. Der Kleine konnte stundenlang sitzen und sinnend allerlei Figuren aus Papier ausschneiden oder auf seiner Schiefertafel die Aeltern und die Gegenstände in der Stube und die figurenreichsten Kupferstiche nachzeichnen. Sein Vater, ein jüdischer Kaufmann und selber mit scharfem Blick und sicherer Hand für das Zeichnen begabt, verfolgte das junge Talent mit Augen der Liebe und Treue und weckte und förderte seine Entfaltung nach Kräften durch die sorgfältigste Erziehung. Bei einem Zeichenlehrer machte der kleine Moritz so erstaunliche Fortschritte, daß er schon mit sieben Jahren die Akademie seiner Vaterstadt besuchen konnte. Bald überraschte er die Akademiker durch seine sauberen und kräftigen Studienzeichnungen nach Ghpsmodellen — und mit zwölf Jahren zeichnete er sicher und lebensvoll nach dem nackten Modell, wie kein Zweiter aus der ganzen Akademie. Ein Jahr darauf machte sein erstes historisches Gemälde auf der amsterdamer Kunstausstellung das gerechteste Aufsehen und bald war der dreizehnjährige Knabe der gesuchteste Porträtmaler seiner Vaterstadt. Mit fünfzehn Jahren errang er bei der Concurrenz um die ausgeschriebenen Preise des rotterdamer Kunstvereins den ersten Preis. Das gekrönte Gemälde ist noch heute eine der schönsten Zierden der berühmten Sammlung des Kunstfreundes van der Hoop zu Amsterdam. Mit 18 Jahren ging der junge Akademiker, in jeder Classe durch die ersten Prämien und Medaillen ausgezeichnet, zu seiner weiteren Ausbildung nach Antwerpen, um unter Nicaise de Keyser weiter zu studiren. Sein Ideal von einem Lehrer fand er aber erst zu Paris in Ary Scheffer, und eine herzliche Freundschaft verband Lehrer und Schüler — bis zu Scheffers Tode. Der segensreichste Einfluß dieses Meisters zeigte sich bald in dem großen Gemälde Cimabue und Giotto, das zu den besten und bekanntesten von Moritz Kalisch gehört. In die Vaterstadt zurückgekehrt, hat unser Maler sie nie wieder auf längere Zeit verlassen. Er schlug sein Atelier erst im väterlichen Hause auf und zählte nach dem Tode der Eltern bis zu seinem eigenen Heimgange zur Familie eines geliebten Bruders, der alle äußeren Unruhen und Sorgen des Lebens von dem sinnenden und unermüdlich schaffenden Künstler fern zu halten verstand. Moritz Kalisch blieb unverheirathet. Wie kurz dies Leben auch war, so darf es doch selten reich an den schönsten Blüthen, den edelsten Früchten *) Ucbcr Land und Meer Nr. 35.