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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-09 · Heft 32 (9.8.1870) · p. Seite 642

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 32 (9.8.1870)
Date
1870-08-09
Page
Seite 642 (sequence 18)
Language
German
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642 predigt und unzweideutige Anspielungen auf das mosaische Gesetz enthalt. Die Feder eines alexandrinischen Juden ist hier wiederum nicht zu verkennen und das Gedicht gewöhnlich mit dem Namen Pseudo-Orphicum bezeichnet. Von wem es herrühre, ist nach der Untersuchung Valckenaer's *) nicht zweifelhaft. Der Kirchenvater Clemens aus Alexandrien führt in seinen Stromata eine größere Stelle an, in welcher Verse des Linus, Homers u. A. über den Sabbath eingeschaltet sind, welche Stelle Eusebius aus einer Schrift des Aristobul, des jüdischen Peripatetikers zu Alexandrien, citirt. Auch an einer anderen Stelle findet sich bei Eusebius ein Citat aus den Commentarien des Aristobul, welches wirklich von Clemens angeführt wird, ohne daß dieser den Namen des Vers, nennt. Diese Commentarien waren Erklärungen zur Thora,**) in welchen Aristobul die Anthropomorphien der heil. Schrift einer rationellen Deutung unterzog, es aber auch mit dem in der Schrift Gesagten nicht sehr genau nahm, sondern vieles Eigene vortrug, was mehr der philosophischen Schule des Aristoteles als der heiligen Schrift angehörte. Diese Commentarien hatte er dem ägyptischen Könige Philometor tum 140 vor der gewöhnl. Zeitrechnung) gewidmet, der ihn eines freundschaftlichen Verkehrs würdigte. Wir haben demnach ein dreifaches Zeugniß, daß Aristobul es mit der geschichtlichen Wahrheit nicht sehr genau nahm, und nach der Gewohnheit und dem Geiste seiner Zeit dem Alterthum zu insinuiren nicht anstanv, was nicht diesem, sondern ihm selbst angehorte. Denn erstens kann es Niemandem zweifelhaft sein, daß die von Aristobul angeführten Verse des Linus, Homer und Anderer über den Sabbath von ihm selbst fabricirt waren, zum Theil aus Homerischen Phrasen durch nicht ungeschickte Wendungen; zweitens behandelte er Gegenstände der heiligen Schrift mit unzukömmlicher Willkür; und drittens gesteht Aristobul selbst ein bei Citirung eines Fragmentes des Aratus, daß er immer Ztvc in &eog verwandelt habe, da, wie er dachte, die alten Dichter doch nur den letzteren unter dem ersteren verstanden hätten. In diesem Sinne also verfaßte er auch das vorliegende Gedicht und schrieb es dem uralten Sänger Orpheus zu. Dasselbe lautet in der Uebersetzung: ***) Reden will ich, wem's recht; Heillose, verschließet die Thüren, Fliehend Gerechter Gesetz, obschon die göttliche Satzung Allen gemein. Du aber, Musäus, ft) des leuchtenden Mondes *■) l.mlovifi Knspari Valrkenncri Dialribe Do Aiisloluilr» .Imlaoo philosopho peripnletin» Alexnn«bino. Lu^d. Dal. ISOU. 'Ifoiöv vttfimv iQ[Ai,vtiu |Kusel», l’rnep. evan". VII, 1). ***) Auch Delitzsch in seiner Schrift „Zur Geschichte der indischen Poesie" lLeipzig gicbt den griechischen Text, aber an mehreren Stellen sehr iueorrect. ■f) Jüiufäutf, ebenfalls ein alter hellenischer Sänger, welchem Orakel zugeschrieben werden, die ein gewisser Onoma- Sprößling, höre, denn Wahrheit verkünd ich, daß ftüher Gedachtes, 5. Tief im Gemüth, dich nicht des holden Lebens beraube! Blickend allein auf das göttliche Wort, o widme dich diesem Ganz in des Herzens verständigen Kammern. Kräftig beschreite Diesen Pfad; Hinblick' auf des Weltalls einzigen Bildner, Ihn, den Unsterblichen. Dies verkündet ehrwürdiges Wort dir. 10. Einzig der in sich vollendet, vollendete alle die Wesen, Wandelt, er selbst, in ihnen einher, doch schauet der Seelen Keine, der sterblichen, ihn, mit dem Geiste nur wird er gesehen. Nicht für Gutes verhängt er Böses den sterblichen Menschen, Seinen Schritten nur folgt die Liebe oder der Haß 15». Krieg und verheerende Pest und thränenerweckende Leiden. Nicht ist ein zweiter ihm gleich. Leicht könntest du alles wohl sehen, Hättest du einmal zuvor auf dieser Erd' ihn gesehen. Siehe, mein Kind, ich werde dir zeigen, wann ich gewahre Die gewichtige Hand und die Spur des allmächtigen Gottes. 20. Ihn jedoch schaue ich nicht, ein Gewölk ist ringsum gebreitet, Unzugänglich für mich; zehn Räume*) umgeben die Menschen, Denn den Waltenden sieht der sprechenden Menschen nicht einer; Wenn nicht aus dem Geschlecht der von oben entsprossnen Chaldäer Einer, einziggeboren,**) der kundig des Wandels der Sterne kritos erneuet haben soll. Orpheus redet also den Musäus au und will ihn belehren, ihn zu seiner Lehre bekehren, da die früheren Meinungen deö Musäus «die heidnischen) ihn;um Untere gange führen würden. Frühere Erklärer wollten in „Musäus" eine Anspielung aus Moies finden, und wirklich bezeugen zwei jüdische Schriftsteller, Artapanus und Numenius bei Eusebius ipraep. evang. IX, 431 und S), die Griechen hätten Moses Musäus genannt. Hier kann aber davon nicht die Rede sein, da Orpheus nicht den MoseS belehren wollen kann, und der Dichter später Moses als den Verkünder der ganzen Lebre be- *> Zehn Räume, d. i. die zehn Sphären. **> Abraham, geboren zu Ur Chasdim, wird hier als Chaldäer bezeichnet, und zwar als vorzüglichster seines Stammes (uovi'oytvi-s), indem zugleich dieser Stamm als von höherem

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