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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-09 · Heft 32 (9.8.1870) · p. Seite 641

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 32 (9.8.1870)
Date
1870-08-09
Page
Seite 641 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Judenthums. Feuilleton-Leilage zu Ar. 32. Leipzig, den 9. August 187V. Gebete während des Krieges. i. Vater in der Höhe'. Der alte Fluch des Bruderkampfes und Brudermordes hat sich abermals in der Menschheit erneuert. Die Herrschsucht und die Raubgier haben einen Fürsten und sein Volk verleitet, unser friedliches Vaterland mit Krieg zu überziehen. Unsere Brüder und Söhne sind ausgezogen, mit aller Manneskraft und Tapferkeit, mit ihrem Blute die geliebte Heimath zu vertheidigen, die Theuren alle zu schirmen und den frevelhaften Feind in das Verderben zu stürzen, das er uns bereiten will. In dem Bewußtsein der gerechten Sache senden wir zu dir, Lenker der Geschicke, allmächtiger Herr über die Fürsten und die Völker, über die Schlachten und Kämpfe, unser Gebet, unserer geängstigten Herzen heißestes Flehen empor: verleihe unseren Waffen den Sieg, gewähre bald dem Rechte den Triumph, schütze unsere Heere, laß den Frieden zurückkehren auf unsere Fluren! Wie traurig ist es um uns, wie stockt das bürgerliche Leben, der Verkehr, der Erwerb, wie viel ist von dem mühsam erworbenen Besitz verloren, wie düster sind die Aussichten, wie viel Noch und Bedrängniß! Und die Angst um die Theuren draußen, um ihr Leben, ihre Gesundheit. Werden sie zurückkehren? und wie? Wie viel Gräber werden sich öffnen! Wie viel Siechthum und Verkrüppelung unsere Jugend, unsere Männer betreffen! O Gott der Gerechtigkeit, laß die Bosheit verschwinden wie Rauch, untergehen wie einst Korah und seine Rotte, die Männer des Uebermuths und des Frevels, der das Glück und die Wohlfahrt von Millionen auf das Spiel setzt, die rohe Gewalt über die Menschen und ihre Hütten losläßt, Tod und Verderben verbreitet! Wir flehen, und doch fühlen wir uns innen gedemüthigt. So weit sind noch immer die Menschen versunken in Barbarei, so weit entfernt von deiner Religion, von deiner Lehre, von deinem Willen, die uns zurusen „Friede, Friede den Fernen und den Nahen!" — daß wir vor dich treten, dich anrufen müffen zum Schiedsrichter solches Streites, solches Kampfes! Daß wir erbitten müssen den Untergang über Menschenbrüder, die wir nicht kennen, denen wir nie etwas Böses zugefügt, denen wir so gern Glück und Wohlfahrt wünschten! O Herr, wann wird dies enden auf dieser Erde? Und Israel? Du hast ihm das Loos verhängt, daß sein Geschick verknüpft ist mit dieser wie mit jener Nation, mit diesem Volke, dem es angehört als lebendes Glied, und feinem Feinde, daß feine Söhne kämpfen in diesem wie in jenem Heere, und oft genug die Waffen kehren müffen gegen einander! Wann wird Solches aufhören? Vater! nur auf dich setzen wir unsere Zuversicht. Nicht Roffe und Reisige, nicht Kriegerzahl und Waffengüte, sondern dein Geist, das Recht, die Treue, die freudige Begeisterung für Vaterland und seinen heiligen Boden, für Aeltern und Brüder, für Weib und Kind, diese verleihen den Sieg. Und darauf vertrauen wir. Der Feind wird zurückgeschlagen und erniedrigt werden; die Palme des Friedens wird uns wieder winken, Sicherheit und Ordnung zurückkehren, die Unseren aus dem Felde siegreich heimkommen, die Werke des Friedens von Neuem beginnen, und dir werden wir danken, deine Gnade preisen, deine Schutzeskraft verherrlichen! Amen. Die jüdisch-griechischen Dichter, v. Aristobul, der Peripatetiker. Der Name Orpheus als eines alten mythischen Sängers Griechenlands, von welchem die Sage so sinnreiche Legenden erzählt, ist Jedermann bekannt. Aber auch das weiß der Fachmann, daß gerade Orpheus späteren Dichtern und Dichterlingen den Namen für ihre Products herleihen mußte. Besonders Hymnen wurden ihm zugeschrieben, welche zumeist das alexandrinische Zeitalter verrathen, außerdem Argonautika, deren Abfaffungszeit von F. A. Wolf noch 300 vor, von Gottfr. Hermann 300 nach d. gew. Zeitr. bestimmt worden, Lithika aus dem zweiten Jahrhundert nach d. gew. Zeitr. und viele Bruchstücke. Unter diesen befindet sich auch eines von 41 Hexametern, welches die Lehre eines einzigen Gottes

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