Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1870)
- Date
- 1870-08-09
- Page
- Seite 638 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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638 Generalversammlung der Schomre-hadath einen eigenen Entwurf von Gemeindestatuten durchsetzen. Ein Blick auf denselben giebt die Ueberzeugung, daß keine Gemeinde , auch nicht eine vom dunkelsten Wasser, sich zur Annahme solcher Statuten entschließen werde. Jene Partei hat den Eongreßstatuten vorgeworfen, daß sie durch die Landes- und Bezirksorganisation die Autonomie der Gemeinden beschränke. In welch geringem Maße dies der Fall ist, und wie sehr dies durch den allgemeinen Perband ersetzt wird, kann der Vorurtheilslose leicht erkennen. Dagegen würde der Entwurf jener Schomrim die Gemeinden unter der Herrschaft einer kleinen Elique vollständig knechten. Dafür schmeichelt man den Frommen, daß jener Entwurf ganz auf dem Schulchan Aruch beruhe. — Aus dem Landesschulfonds werden jetzt viele Unterstützungen an kleine Gemeinden gewährt, unter andern auch zur Herstellung und Reparatur von Mikwoth. Wir wollen nicht fragen, ob dies mit der eigentlichen Bestimmung des Fonds übereinstimmt. Aber man wird doch daraus erkennen, daß man allseits bemüht ist, die Wünsche der Orthodoxen zu erfüllen. Jndeß wird man sich mit diesem Bewußtsein begnügen müssen; sie milder und gerechter gegen die andere Secte zu stimmen, wird man dadurch nicht erreichen. Suczawa (Bukowina), 18. Juli. Bei der Wahl des hiesigen Abgeordneten haben die Juden mit der Majorität für einen verfassungsgetreuen Deputirten gestimmt. Die Gegner hatten nichts eiliger zu thun, als das Gerücht auszustreuen, es ständen Excesse gegen die Juden bevor, und in der That schickte man sogar Militär hierher. Man übersehe dabei nicht, daß die Mehrheit der Stimmen eben gegen einen der gegenwärtigen Minister ausgefallen. Es war aber auch nicht eine Spur von Aufregung gegen die Juden vorhanden, und man wollte durch diese Farce nur das Fiasco des Ministers etwas beschönigen. Warum sind die Behörden und Militärs nicht an solchen Orten so schnell bei der Hand, wo wirkliche Gefahr droht oder schon eingetreten ist, wie vor einigen Tagen in Lemberg? Frankreich. Paris, 22. Juli. Wir haben in Nr. 3V aus Mirrheilungen im gesetzgebenden Körper über die Verhältnisse der Etats der verschiedenen Culte in Frankreich Angaben gebracht, wonach der jüdische Cultus verhältnißmäßig am Besten dotirt sei. Die krosse!sr. macht hierzu folgende Bemerkungen: „Wir sind sehr verwundert, daß man nicht daran gedacht, solche Behauptungen zu widerlegen, die auf mehrfachen Jrrthümern beruhen. Zuerst ist die Zahl der Israeliten nach den von den verschiedenen Consistorialbezirken ausgegangenen Documenten höher, als sie im Census von 1866 angegeben wurde. Sie betrug schon 1863 mehr als 95,000 Seelen. Folglich ist das von Hrn. de Leuß aufgestellte Berhältniß, nach welchem die Höhe der Kosten für jeden Israeliten 2 Fr. 76 C. betrüge, ungenau. Weiter, das stärkste Gehalt, das der Staat einem israeltischen Beamten gewährt, beträgt nur 12,000 Fr., während die ersten Würdenträger der Kirche viel mehr beziehen, und es giebt ihrer viele in dieser Lage. Außerdem bezahlen die Israeliten mit ihrem eigenen Gelde die untergeordneten Stellen der Borbeter in den kleinen Städten, wo der Staat nur sehr wenig zu den Kosten des israelitischen Cultus beiträgt. Endlich giebt es noch einen anderen wesentlichen Punct, welchen die Urheber der Vergleichungen zwischen unserem Budget und dem anderer Culte vergessen: nämlich daß unsere Rabbinen und Chasanim meistens verheirathet und Familienväter sind, und daß sie folglich verhältnißmäßig weniger empfangen als die letzten Capläne der katholischen Kirche; sie versehen nicht allein die Seelsorge, sondern sie geben durch ihre Familienverhältnisse dem Staate in directen oder indirccten Abgaben einen großen Theil dessen wieder zurück, was sie von ihm empfangen. Fügen wir noch, um keinen Jrrthum in Betreff dieser Ziffern zuzulassen, hinzu, daß, Gott sei Dank, unser Budget weit mehr als 161,700 Fr. beträgt, ohne das algierische mitzuzählen, und daß trotzdem die Zahl 1,291 Fr. nur ein Durchschnitt ist, denn es giebt Beamte, die viel weniger empfangen! Dasselbe Blatt schreibt: Die französischen Juden zahlen in diesem Augenblicke die „Blutschuld" an das Vaterland in hohem Grade. Sie bilden ein zahlreiches Contingent in der activen Armee, und man kann sich einen annähernden Begriff machen von der Zahl der Ihrigen in der Mobilgarde nach der letzten Lifte der LieMenants, welche in dieser Garde für die östlichen Grenzdepartements ernannt worden. Folgende sind die jüdischen Namen, die wir auf dieser Liste