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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-09 · Heft 32 (9.8.1870) · p. Seite 637

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 32 (9.8.1870)
Date
1870-08-09
Page
Seite 637 (sequence 13)
Language
German
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637 ganismus werden zur Zeit ihre sichtbaren Früchte tragen. Die Welt der Bernunst und der Wissenschaft und die Gesellschaft selbst werden mit Dingen zu kämpfen haben, die aus jenem Dogma hervorgehen, wovon sie jetzt sich nichts träumen lassen, gerade wie vor noch kurzer Zeit man sich es nicht träumen ließ, daß dieses Dogma wieder austauchen und unbedingt entschieden werden würde. Jedenfalls wird das Jahr 1870 eine denkwürdige, aber traurige Rolle in der Geschichte der Menschheit spielen, das Jahr wird schwarz-roth angestrichcn sein; denn die Erklärung der päpstlichen Unfehlbarkeit und der ohne alle sichtbare Ursache entzündete Krieg zwischen Frankreich und Deutschland geben das Zeugniß, daß das Reich der Finsterniß auf der Erde noch die Obmacht hat, und daß alle Kämpfe und Siege des Lichtes bis jetzt vorzugsweise nur dazu gedient haben, die Schatten jener sichtbarer zu machen und dem Bewußtsein der Menschen näher zu bringen. Und was kann Dieses Jahr noch Alles bringen! Cvln, 22. Juli. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung erstreckte sich die Debatte einerseits über den von der israelitischen Gemeinde gestellten Antrag: „Die Stadtverordnetenversammlung wolle die völlige Uebernahme der israelitischen Schule mit consessionellem Charakter als städtisches Institut aussprechen; die Anstellung der Lehrer ist der israelitischen Gemeinde mit Zustimmung der Regierung überlassen und zwei Mitglieder der israelitischen Gemeinde sind zu den Berathungen der städtischen Schulcommission hinzuzuziehen," andrerseits über den Antrag der Commission: „Die städtischen Schulcommission so zu organisiren, Laß in derselben die katholische, evangelische und israelitische Consession paritätisch vertreten sei." Nach längerer Discussion wurde der Eommissiousantrag abgelehnt, der Antrag der jüdischen Gemeinde dagegen getheilt und der erstere Theil: „Tie Stadtverordnetenversammlung wolle die völlige Uebernahme der israelitischen Schule als städtisches Institut aussprechen," fast einstimmig angenommen, der weitere Theil des Antrages wurde einer späteren Berathung ausbewahrt. Sodann beschloß man, der israelitischen Gemeinde von dem Resultate der Verhandlung Kennrniß zu geben, damit diese nun ihre Einrichtungen u. s. w. treffen könne. (Es ist dies ein vollständiger Sieg der Gleichberechtigung auf einem Gebiete, wo noch wenig geschehen, auf dem des städtischen Schulwesens, das in Preußen mit sehr geringer Ausnahme confessionell ist. Selbst in Berlin erhält die jüdische Gemeinde von der Stadt keinen Beitrag für ihr Schulwesen, das sich in blühendem Zustande befindet. Ein vor einiger Zeit an den Magistrat desfalls gerichtetes Verlangen wurde abschlägig beschieden, da die dortigen jüdischen Gemeindeschulen nur den Charakter von Privatschulen hätten. Es würde leicht sein, ihnen den Charakter als öffentliche Schulen zu verschaffen. Aber der Vorstand scheint die völlige Unabhängigkeit der Erlangung eines städtischen Beitrages vorzuziehen. Die Gemeinde von Berlin kann dies leicht tragen, und für ihre Schulen und Lehrer ist es bei der Art der Leitung gleichgültig. Für sehr zahlreiche andere Gemeinden aber wäre es von großer Bedeutung, theils um ihren Steuerpflichtigen die Last zu erleichtern, theils um der Schule einen regelmäßigen Gang, den Lehrern eine gesichertere Stellung zu verschaffen. Red. d. A. Z d. I.) Schwersenz, im Juli. (Privatmitth.) Wir besitzen jetzt hier eine israelitische Töchterschule unter Leitung des Frls. Friederike Aarons, eine Anstalt, die sich seit zwei Jahren zu einer rühmenswerthen Blüthe entfaltet hat. Religions- und hebräischer Unterricht, die Elementargegenstände. Französisch und Englisch, Musik und Zeichnen werden mit großem Erfolge gelehrt. Oesterreichischungarische Monarchie. Pest, im Juli. «Privatmitth.) Die großen Welt eignisse haben mich in meiner Corresponden; zurück gehalten. Aber allmählig erwacht das Gefühl, daß bei aller Theilnahme an jenen die besonderen Pflichten, die Jedem in seinem Kreise auferlegt sind, nicht vernachlässigt werden dürfen. Ich greife daher etwas zurück. Die Gutachten über die Eongreßstatuten, die von allen Seiten eingelaufen sind, haben sich so zustimmend über jene ausgesprochen — selbst von den sephardischen Gemeinden —, daß das Unheil hier zu Lande sich dadurch sehr gehoben fühlt. Alan weiß auch bereits, daß man im ungarischen Reichstage das am 18. März d. I. abgegebene Urtheil bereut und zurücknehmen werde. Von der anderen Seite will eine

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