Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1870)
- Date
- 1870-08-09
- Page
- Seite 630 (sequence 6)
- Language
- German
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630 abermaliges Bündniß der letzteren hatte keinen anderen Ausgang <Cap. 10). Die Philisterkriege wiederholten sich im späteren Lebensalter Davids, wobei jene immer als die Veranlasser auftreten iCap. 21). Als das Ergebniß der Kriege Davids stellt sich also heraus, daß er im Süden und Norden durch die Unterwerfung Edoms und Damaskus das Reich sicherstellte und erweiterte, daß er aber nach Westen und Osten, dort die Philister, hier die Moabiter und Ammoniter nur „demüthigen" konnte, sodaß sie zwar längere Zeit Frieden halten mußten, unter den späteren Königen aber wieder eine Rolle spielen konnten, obschon die Philister seitdem ziemlich aus den uns überlieferten Nachrichten verschwinden. Nach Salomons Tode trat die Spaltung des Reiches ein und hiermit schon an sich eine Schwächung der Wehrkraft beider Reiche. Dazu kamen nun die Kriege derselben gegen einander und die unaufhörlichen Kampfe und Erschütterungen im Reiche Israel, d. h. der zehn Stämme. Das war keine Zeit zu Eroberungskriegen. Vielmehr versuchten die abhängig gewordenen Völker sich wieder loszureißen. Zuerst gelang dies den aramäischen Stämmen; dann Moab und Edvm. Die ersteren brachten es bis zur Belagerung der Hauptstadt Samaria (2 Kön. 0), alles Land am linken Ufer des Jordan ging verloren (Cap. 10). Don Zeit zu Zeit erkräftigte sich zwar Israel wieder, und besonders Jerobeam II. brachte die verlorenen Städte wieder zurück (Cap. 14). Dies hielt aber den Ruin der Reiche nur wenig aus, und als erst die großen asiatischen Dynastien, die asiyrische und chaldäische, Palästina nahe rückten, und der Kampf derselben mit Aegypten begann, sielen beide Reiche den großen Gewalten zur Beute. Dies ist die gesammte Kriegsgeschichte Israels während seines ersten staatlichen Bestandes, und man wird zugeben, daß dieselbe nur eine Verwirklichung des mosaischen Grundsatzes war, daß wir hier nur von Bertheidigungskämpfen lesen. Als besonders charakteristisch heben wir noch einmal hervor: wie in Israel aus die Blütheperiode der kriegerischen Tapferkeit unter David sofort eine Friedensperiode unter Salomon folgte, während bei den anderen Völkern immer nur auf einen Philipp ein Alexander folgte. Der zweite Bestand Israels zeigt uns bis auf die Makkabäerzeit nur die Unterwürfigkeit des Volkes unter Persien, Macedonien, Syrien und Aegypten. Jüdische Krieger standen in allen Heeren, einige schwangen sich bis zum Feldherrnamte hinauf, aber dem Volke fehlte jede Selbstständigkeit. Auch die blutigen und langjährigen Makkabäerkämpfe tragen nur den Charakter der Vertheidigung. Erst mit Johann Hyrkan wurde die Action etwas nach außen getragen. Durch ihn wurden die Samaritaner und Jdumäer unterworfen und dem Judenthume sich anzuschließen gezwungen, obschon dies nur in sehr äußerlicher Weise geschah. Antigonus that daffelbe mit den Jturäern und auf diese Weise wurden die Ländergebiete, welche einst unter David vereinigt waren, wieder unter die Botmäßigkeit der Juden gebracht. Aber diese Zeit währte nur kurz; denn mit dem Einzuge des Pompejus wurde der jüdische Staat Vasall der Römer, bald auch eine Provinz. Die letzten Wafsenthaten unserer Väter waren gegen die Tyrannei und den unerträglichen Druck jener Römer gerichtet, welche ihr Geschichtsschreiber selbst die Räuber der Welt nennt. Von der anderen Seite wurde der mosaische Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht des Volkes zu aller Zeit festgehalten. Wenn auch unter David und Salomo sich besonders Helden hervorthaten und eine königliche Leibwache gebildet ward, so ging daraus doch niemals eine Kriegerkaste hervor, und in der Zeit der Richter wie der Könige nahm stets das gesammte Volk, bald der einzelnen Stämme, bald des ganzen Israels am Kriege Theil. Schon Moses in dem Kriege gegen Midjan konnte aus der gesammten Mannschaft nur eines Theiles sich bedienen, weil die Größe des Feindes das gesammte Aufgebot nicht erforderte. Und dies fand wohl in den spateren Kriegen nicht minder oft statt. Dagegen zeigt 1 Sam. 11, 7, daß das Aufgebot an die gesammte Volksmaffe ging, und die V. 8 angeführten Zahlen zeigen, daß dem entsprochen ward. Bei der Zählung des Volkes durch David werden ebenfalls alle waffenfähigen Männer als zum Heeresdienst verpflichtet angesehen, und es heißt ausdrücklich, daß „die Musterung des Volkes" von „ganz Israel 1,100,000 Mann, die das Schwert zogen, und Juda 470,000 Mann, die das Schwert zogen" ergab, wobei noch Levi und Benjamin ausgeschlosien waren (1 Chron. 21, 5). Nicht minder haben wir in der Geschichte Gideons ein Beispiel, daß die andere Vorschrift deS mosaischen Gesetzes ansgesührt wurde, nämlich daß vor dem Kampfe ausgerufen ward: „Wer furchtsam ist und zaghaft, kehre um." Es kehrten von 32,000 Mann 22,000 zurück. Aber auch von diesen wurden noch bis 300 Mann entlassen (Richter 7)b). Hinsichtlich des letzteren Grundsatzes darf man selbstverständlich die damaligen Verhältnisie mit denen der neueren Zeit nicht vergleichen, da es vor der Erfindung des