Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1870)
- Date
- 1870-08-09
- Page
- Seite 629 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226744-3226777--28625-3302471- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
629 die Philister, die zum ersten Male unter der Anführung Samuels bei Mizpah geschlagen und denen, wie es ausdrücklich heißt, die Städte, welche die Philister Israel abgenommen, wieder entrissen wurden (1 Sam. 7, 14). Es folgten die kampferfüllten Regierungen Sauls und Davids. Saul besiegte zunächst die Ammoniter, die in Gilead eingefallen waren und Jabesch belagerten (1 Sam. I I). Dann richtete er seine Waffen gegen die Philister. Die Posten, welches dieses kriegerische Volk gerade besetzt hielt, geben Zeugniß, daß es sich nicht um eine Aggression gegen dasselbe handelte, sondern um die Reinigung des israelitischen Landes von den philistäischen Besatzungen (13).2) In gleicher Weise suchte Saul den Besitz Israels zu sichern, und kämpfte mit allen Feinden desselben, um die israelitischen Grenzen sicher zu stellen, mit Moab, Ammon, Edom und Zobah.-^) Den Philistern galt der letzte Kampf Sauls, in welchem er den Tod fand; aber auch diesmal ging der Kampf von den Philistern selbst aus, wie 1 Sam. 28, 1 erweist. Der einzige Krieg, in welchem Saul angriffsweise verfuhr, war gegen Amalek. Man erinnere sich, daß es Amalek war, welches sich schon auf dem Zuge Israels vom rothen Meere nach dem Sinai unvermuthet auf das Volk stürzte und ihm durch Raub und Mord vermittelst des plötzlichen Ueberfalls großen Schaden verursachte. Amalek wurde von den Israeliten unter Leitung Moses und Anführung Josua's geschlagen, und Moses prägte dem Volke ein, deffen eingedenk zu sein und dereinst gegen Amalek einen Vernichtungskrieg zu führen. ^) Aber man würde irren, wenn man lediglich diese geschichtliche Erinnerung als Grund des Kampfes Sauls gegen Amalek annähme, nachdem Jahrhunderte darüber vergangen. Vielmehr gehörte Amalek zu den beständigen Feinden Israels; sie gesellten sich als Bundesgenossen zu allen ihren südlichen und östlichen Gegnern; sie machten immer wiederholt als echte Beduinenhorden Einfälle in das Land, namentlich zur Zeit der Ernte, vernichteten diese, so daß „keine Lebensmittel übrig blieben in Israel," raubten alles Vieh, so daß „Israel verarmte." So vereinigten sie sich mit Moab zur Zeit Ehuds (Richter 3, 13); so mit Midjan zu jährlichen Einfällen der beschriebenen Art, bis Gideon sie schlug (Richter 6, 3 ff.). Es war daher sehr natürlich, daß Samuel, nachdem Saul die drängendsten Feinde siegreich zurückgeschlagen, auf Grund der alten überlieferten Vorschrift und im Gedenken der fortgesetzten Feindseligkeiten, den König aufforderte, Amalek aus den Reihen der Völker auszustreichen. Man kann dies aber um so weniger einen Eroberungskrieg nennen, als die Amalekiter eine umherschweifende Lebensart führten, so daß ihre „Stadt" nicht einmal namentlich angeführt wird (1 Sam. 15, 5), und der Landstrich, in welchem Saul sie schlug (V. 7), sich zwischen Arabien und Aegypten ausdehnte und zur Wüste gehörte. Dieser Krieg kann daher auch nur in die Kategorie der Vertheidigungskriege gezählt werden. Uebrigens blieben von den Amalekitern auch damals noch Reste übrig, denn auch David bekämpfte sie (2 Sam. 8, 12). Unter den Königen ist es David allein, dem der Charakter eines Eroberers beigelegt werden könnte. Er erweiterte in der That die Grenzen des Reiches. Sehen wir aber genauer zu, so ging er vor Allem von dem Gedanken aus, das noch überaus schwache Reich völlig sicher und dauerhaft zu .machen, Noch waren nicht einmal aus der Mitte des Landes die feindlichen Stämme verschwunden. Er reinigte es von diesen, wie er denn selbst noch Jerusalem erst den Jebusitern abzunehmen hatte. Dann waren ringsum die Völker noch so mächtig, daß er sie nothwendig dcmüthigen und beschränken mußte, um Israel zu einer achtunggebietenden Stellung zu erheben und ihm dauernd Frieden zu verschaffen. Zunächst hatte er hier wieder Angriffe abzuwehren. Dies führte weiter, er nahm den Besiegten Striche ihres Landes, brachte sie in Abhängigkeit, kam dadurch anderen Staaten als Nachbar nahe und mußte sich auch gegen diese bewähren. lieber die Grenzen, welche Moses als die des zukünftigen Landes fest gestellt, ging er nur wenig hinaus; er erfüllte nur den uralten Gedanken des israelitischen Landgebietes. Er vertrieb keines der Grenzvölker, und der ungestörte Frieden, dessen sein Nachfolger Salomon während einer langen Regierung genoß, ist das beste Zeugniß, daß David kein eigentlicher Eroberer, sondern nur Begründer und Sichersleller des Staates war. Wir sehen David, als er endlich König des ganzen Israel geworden, gegen die Jebusiter in Jerusalem ziehen <2 Sam. 5, 0); dann machten die Philister einen Einfall (V. 18), und er schlug sie wiederholt, und „demüthigte sie" (8, 1). Ebenso Moab und Zobah, und Damaskus und Edom. Letzteres unterwarf er gänzlich, und feine Besatzungen lagen in ihrem Lande wie in den Srädten des Damaskerlandes (Cap. 8). Die Ammoniter, denen er eine freundliche Gesandtschaft schickte, behandelten diese schimpflich und vereinigten sich mit aramäischen Königen gegen David. Sie wurden geschlagen und ein