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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-02 · Heft 31 (2.8.1870) · p. Seite 622

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 31 (2.8.1870)
Date
1870-08-02
Page
Seite 622 (sequence 14)
Language
German
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€22 eine wpllte den Pemxel unter allen Umstanden zerstört haben, wetzt sonst Pie putzen in ihm immer wieder emen Sammelplatz zur Rebelliyn haben würden; die andere suchte ihn, weil Heiligthum, zu erhalten, falls die Juden ihn räumten; würden sie ihn vertheidigen, so wäre er kein Tempel mehr, sondern ein Castell; diesen beiden gegenüber vertheidigte Titus die dritte, den Tempel jedenfalls zu schonen, da man gegen Männer, nicht aber gegen „leblose Steins Krieg führe, und der Schaden die Römer treffe, wenn eine solche Zierde verloren gche. Unterdeß hatten sich die Juden wieder gesammelt, machten einen Ausfall und schlugen die Römer zurück, bis Titus, der von der Antonia aus zugeseheu, mit auserlesenen Reitern zu Hülfe kam. Der Kampf wogte hin und her, bis die Juden „um die fünfte Stunde in das Innere des Tempels sich wieder einschloffen." Titus zog sich wieder aus die Antonia zurück; die Juden greisen von Neuem an, werden zurückgeworsen, und die Römer dringen bis zum inneren Tempel vor. „Da saßt einer der Soldaten, weder auf Befehl wartend, noch die Folgen bedenkend, als Werkzeug des göttlichen Zorns, ein brennendes Holz und wirft es, von einem Kameraden emporgehoben, durch die goldene Thüre, welche auf der Nordseite nach den Gemächern am Ällerheiligsten führte. Wie die Flamme aufloderte, erhoben die Juden ein Jammergeschrei: sie rannten zu Hülfe ohne Rücksicht auf Lebensgefahr, mit größter Anstrengung ihrer Kräfte, da das Letzte, was sie noch schätzten, zu Grunde ging." Ein Eilbote meldet es dem Titus, und der „lief, wie er stand, hinauf, um dem Feuer Einhalt zu thun." Mit Hand und Mund befiehlt er zu löschen; kein Mensch hört auf sein Rufen, keiner achtet seiner Winke. Ein furchtbares Gewirre entsteht, die Befehle des Titus und der Feldherren werden nicht befolgt, überall Brand, Mord und Flucht. Titus tritt mit seinen Begleitern ins Allerheiligste und beschaut die Ausstattung, die er über alle Beschreibung großartig findet. „Weil die Flamme noch nicht in das Innere eingedruugen war, sondern nur die Nebengebäude verzehrte, glaubte er das Prachtwerk noch retten zu können; er springt hervor und sucht in eigener Person die Soldaten zum Löschen zu ermuntern. Zugleich gebietet er dem Centurio Liberalis, die Ungehorsamen unter seinen Leuten mit Stockschlägen im Zaume zu halten." Aber auch dies hilft nichts; die Römer legten Feuer unter die Thüranzeln, die Flammen loderten immer von Neuem auf und Titus zog sich zurück. Was man nun auch vorläufig von den angeführten Thatsachen halte, die Absichtlichkeit Seitens des Josephus ist unverkennbar und wird aus den Umständen erhärtet, unter welchen er schrieb. Er verfaßte sein Buch im Palaste des Titus, als deffen erklärter Günstling, unter seinen Augen und seiner Censur, und zwar zu einer Zeit, wo Titus nicht mehr gefürchtet sein und durch Schrecken die Autorität und den Bestand seiner Dynastie stützen wollte, sondern in weichlicher Sentimentalität nach der Bezeichnung .^Lonne des Menschengeschlechts" strebte. Wir wiffe», daß sich gegen daS Werk des Josephus heftige Wchexsprüche erhoben; aber Pie Ungunst der Zeit hat uns die Gegenschriften »ich: erhalteu. Hoch Josephus selbst bringt uns den Stoff für diesen Widerspruch heran. Wie wäre es bei der Wahrheit seiner Erzählung erklärlich, daß Titus gegen die großartige, unglückliche Stadt in dem Maße wüthete, daß sie auf seinen Befehl bis auf wenige Thürme gänzlich zerstört wurde? Daß er die Soldatesca unter den Einwohnern morden ließ, bis, wie Josephus selbst sagt, nichts mehr zu morden übrig blieb? Ja, noch mehr, daß Titus mit empörender Barbarei und Grausamkeit viÄe tausende von Gefangenen in den asiatischen Städten zum öffentlichen Ergötzen von Raubthieren zerreißen ließ? Wäre nicht durch eine providentielle Fügung die jüdische Diaspora (Zerstreuung) schon so überaus groß gewesen, der ganze Stamm wäre von der Erde verschwunden. Dies Alles mußte Josephus selbst erzählen, und straft so seinen tendenziösen Bericht selbst Lügen. Es fällt nicht schwer, vorauszusetzen, daß die zufällig hineingeschleuderte Brandfackel eines römischen Soldaten in die Reihe jener bekannten Mißverständnisse gehört, welche bei den revolutionären Sceven jener Zeit eine so große Rolle spielten, und den Faiseurs der alten Zeit nicht unbekannt waren. Jndeß ist uns auch eine ganz andere Relation aufbewahrt worden, und es ist ein Verdienst des Prof. Bernays, diese ans Licht gezogen zu haben.*) Schon zur Zeit der Flavier, zur Zeit, wo Titus noch Casar war, klingt uns eine ganz verschiedene Darstellung entgegen. Valerius Flaccus in seinem, dem Kaiser Bespasian gewidmeten Argouautengedichte will den Bruder des Titus, Domitian, der Verse machte, auffordern, seinen Bruder Titus zum Gegenstände seiner Poesie zu wählen. Da heißt es (1, 13.): „Domitian möge den Titus schildern. Wie er den Brandpfeil schleudert und wuthet auf jeglicher Zinne." So wenig nun dieses Dichterwort ein streng geschichtliches Factum enthalt, so sieht man doch daraus, daß Titus iu den ersten Jahren nach dem Falle Jerusalemden Tempelbrand nicht einem ungehorsamen Sonaten, sondern feinem eigenen Willen und seiner eigenen That zugeschrieben wiffen wollte, und daß diese Ansicht verbreitet ward. Hierzu fügen wir eine Stelle des Dio Cassius, welche Prof. Bernays übersehen hat. Er erzählt (LXVI, 6), daß, als den Römern der Zugang zum Tempel geöffnet war, sie aus einer gewissen religiösen Scheu dennoch nicht eindringeu wollten, sondern erst durch Titus gezwungen werden mußten, iu das Innere vorzudringen.**) Es geht hieraus hervor, daß *) „lieber die Chronik des Sulpicius Severus, Breslau, 1861." **) ov fiiiv xul nagaxQ^fia, ät« zo tfsict&aifioy^ifcu, icidgaftov &£ otf/i zov Ttzov atfäe xcczca/tryxaatarzoi, tiaa> TiQot^wg^aay,

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