Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1870)
- Date
- 1870-08-02
- Page
- Seite 616 (sequence 8)
- Language
- German
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616 Rabbinen, die HH. Lebrecht in Schwcinfurt und Werner in Burgebrach, hatten sich bereits gemeldet. Unter den großen Leiden, welche der eingetretene furchtbare Kampf bereits mit sich brachte und noch mehr hervorbringen wird, kann das Bedauern, daß diese Versammlung nicht stattfinden konnte, kaum einen Ausdruck beanspruchen. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß sie nur aufgeschoben ist, so daß sie, wenn uns erst wieder der Frieden verliehen worden, bald zu Stande kommen werde. Hamburg, 20. Juli. Die patriotische Begeisterung in der hies. Bevölkerung hat sich durch eine freiwillige Nattonalsubscription Ausdruck verschafft, deren Ertrag dem Könige von Preußen überreicht werden soll, um über den Zweck, für welchen sie verwendet werden soll, Bestimmung zu treffen. An die Spitze dieser Subscription stellte sich ein hiesiger Israelit, Herr Siegfried Schiff, mit 5000 Thlrn. Bonn, 22. Juli. (Privatmitth.) Vor der Furchtbarkett der eingetretenen Ereignisse muß jeder andere Gedanke schweigen, jedes andere Gefühl verstummen. Aber, wenn wir auch nicht an dieser Stelle politisiren, wenn wir lediglich den humanen Beziehungen, weil sie zugleich die wahrhaft religiösen sind, einen Ausdruck zu geben haben, so können wir darum die außerordentliche Begeisterung greifen, die sich in Deutschland, ohne Unterschied der Landschaft, des Alters und des Glaubens, aller ihrem Vaterlande ergebenen Herzen bemachttgt hat. Der Gegner hat sich offenbar getäuscht, wenn er auf die alte Zerrissenheit in Deutschland rechnete: der Gegensatz zwischen Süd und Nord, der Parttcularismus sind verschwunden und haben einem nationalen Einheitsgefühl Platz gemacht, wie daffelbe so allgemein, so alle Deutschen, innerhalb der deuffchen Grenzen und bis in die entferntesten Erdtheile, noch niemals, selbst nicht 1815, aufgeflammt ist. Nur die Ultramontanen der bayrischen Kammer machten den schimpflichen Versuch, sich von der Gesammtheit loszulösen, aber, trotzdem sie eigentlich die Mehrheit in dieser Kammer besitzen, blieben sie in einer eclatanten Minderhett. Das bayrische Volk selbst hatte unterdeß vor dem Königsbau in München selbst seine enthusiastische Stimme erhoben. Brauchen wir nun etwa zu betonen, daß die deutschen Israeliten dieser großen Strömung des deutschen Volkes vollständig angehören, daß derselbe Geist in Wort und That sich bei ihnen kund thut, daß ihre Jugend, darunter Biele fteiwillig, zu den Fahnen eilt, ihre Gaben für die durch den Krieg bedingten wohlthätigen und nationalen Werke reichlich fließen, und sie, so weit sie es vermögen, zur Hebung und Bethäügung des allgemeinen Geistes beitragen? Hoffentlich wird denn nach der glücklichen Beendigung dieses Völkerkampfes auch aus dem rcactionärsten Munde jener Einwand verschwinden, daß die deuffchen Juden der deuffchen Nationalität nicht angehören, daß sie immer noch Fremde seien. Ja, mit jedem Kampfe und mit jeder Großthat, die auf deuffchem Boden geschehen und an denen das gesammte Volk Theil hat, verliert eine solche Ansicht oder vielmehr Anschuldigung das winzige Stück Boden, welches sie noch für sich festzuhalten sucht. Wurde doch die patriotische Adresse, welche vorgestern der norddeutsche Reichstag an den König von Preußen als das Oberhaupt des norddeutschen Bundes richtete, durch einen jüdischen Mund verlesen; denn wenn der Präsident Simson auch der Religion Israels nicht mehr angehört, so doch dem jüdischen Stamme. Spricht also ganz Deutschland durch ein solches Organ, so muß dies doch wohl ein deuffches sein! Hoffen wir Wetter, daß nach wieder hergestelltem Frieden jene kleinlichen Beschränkungen aus dem preußischen und noch manchem anderen Unterrichtsministerium schwinden werden, welche der jüdischen Capacität die angemessene Wirksamkeit verschließen, oder doch verkümmern. Unbeschränkte Gleichheit der Pflichten — aber auch unbeschränkte Gleichheit der Rechte! Oesterreichischungarische Monarchie. Pest, Ende Juni. (Privatmitth.) Der hiesige isr. Frauen-Verein hat in seiner Generalversammlung am 2. Mai e. einen Verwaltungsbericht entgegengenommen, aus dem ich Ihnen das Wichtigste mttzutheilen mir erlaube. Dieser Verein wirkt auf das segensreichste nach allen Setten zur Unterstützung und Hebung der weiblichen israelitischen Armenbevölkerung unseres Landes, und erreicht mit verhältnißmäßig noch bescheidenen Mitteln in Folge einer ausgezeichnet umsichtigen und sorgsamen Verwaltung wahrhaft Bewundernswerthes. Die folgende Uebersicht wird Ihnen ein Bild von der mannichfalttgen Thätigkett des Vereines