Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1870)
- Date
- 1870-08-02
- Page
- Seite 614 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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614 gleich durch seine Einwanderung ein Besitzrecht erwarb, geht aus 1 Mos. 12, 6. 13, 7 „damals" hervor. 7) Aus 1 Chron. 7, 21 ff. scheint hervorzugehen, daß Beth Choron in Kanaan von den Ephraimiten noch bei Lebzeiten Ephraims erbaut worden, sowie überhaupt diese Stelle auf Züge oder selbst Niederlassungen der Ephraimiten in Kanaan während des Aufenthaltes des Volkes in Aegypten hindeutet. 8) S. 1 Mos. 15, 16 und viele Stellen. 9) 5 Mos. 17, 16. 10) 4 Mos. 1, 3. 26, 2. Bis 'zu welchem Lebensalter die Wehrpflicht dauern sollte, ist an beiden Stellen nicht angegeben, wahrend bei dem Dienste der Leviten das 50. Jahr angegeben ist. Ueber die Dauer der Wehrpflicht sollte demnach die körperliche Tüchtigkeit bestimmen. 11) 5 Mos. 20, 5 ff. 12) Auf die Einzelheiten, und namentlich wie sie vom traditionellen Gesetze aufgefaßt wurden, kommen wir im Verlaufe zurück. (Fortsetzung folgt.» Literarischer Wochenbericht. Bonn, 21. Juli. Spinoza's Theologisch-Politischer Tractat, auf seine Quellen geprüft von Or. M. Jo ul, Rabbiner der israelit. Gemeinde zu Breslau; Breslau, Schletter'sche Buchhandlg., 1870. Die vorliegende Schrift (7 6 und XI S.) ist eine höchst beachtenswerthe Erscheinung. Nicht daß sie zum Verstandniß des SpinozismuS etwas beitrüge, oder auch die Lösung der in dem bekannten Tractate aufgeworfenen und eingeleiteten kritischen Fragen wesentlich fördere — Beides lag auch nicht in der Absicht des Berf. Dagegen wirft sie ein Helles Licht auf die Entstehungsart und die Tendenz des Tractates, und hiermit zugleich auf den Charakter Spinoza's. Bekanntlich ist die sehr interessirende Frage: wie hat sich eigentlich Spinoza in seiner späteren Lebenszeit zum und gegen das Judenthum verhalten? bis jetzt nicht gelöst worden. Spinoza nahm keine Gelegenheit wahr, gegen das Judenthum direct aufzutreten, und da im Grunde seine Philosophie dem Christenthum nicht weniger Opposition machte, konnten gelegentliche Aeußerungen keinen besonderen Aufschluß über die Gesinnungen Spinoza's betr. des Judenthums gewähren. Durch die Untersuchung des vr. Joel sind wir über diesen Punct aufgeklärt worden, und es geschah dies gerade 200 Jahre nach dem Erscheinen des Tractates, der 1670 zum ersten Male 'veröffentlicht wurde.*) vr. Joel weist nämlich nach, und zwar aufs überzeugendste, daß Spinoza in diesem Tractate in umfänglichster Weise Maimonides, Gersonides und Cresca benutzt, sich ihrer Sätze, Beispiele und Gleichnisse oft wörtlich bedient, ohne sie anzuführen, während er, wo er sie anführt, sie verhöhnt und ironisch behandelt und überhaupt von den Rabbinen in ungeziemendster Weise spricht, ohne es zu verschmähen, häusig auf ihre Schultern zu steigen. Einige Male läßt er sich durch diese Gesinnung sogar zu Widersprüchen mit sich selbst oder zu sehr schwachen Beweisführungen verleiten. Nicht minder richtet er die schärfste Kritik gegen die Einzelheiten des alten Testaments und die einseitigste Anschauung gegen den gefammten Inhalt desselben, tritt aber in schonendster Weise gegen das neue Testament auf, jedoch so, daß er wohl dennoch seine Ansichten gegen dasselbe verräth, aber nach Ausdrucken sucht, die feine Meinung verhüllen, oder doch nicht so offenbar machen, um sofort deshalb angegriffen werden zu können. Das letztere Verfahren ist fteilich durch die große Gefahr erklärlich, welche er durch offenen Ausspruch sich zugezogen hätte. Auch wollen wir nicht unberücksichtigt lassen, welchen Verfolgungen und Kränkungen er Seitens der Juden unterworfen gewesen. Nicht minder dürfen wir die eigentliche Aufgabe des Tractates, die Philosophie von der Theologie frei zu machen, welche Trennung dem Cartesianismus nicht gelungen wo^, übersehen. Dessenungeachtet geht aus dem, durch Joel bloß gelegten Verfahren Spinoza's eine feindliche Gesinnung gegen Judenthum und Juden, ja selbst ein leidenschaftlicher Assect hervor, der ihn zu Ungerechtigkeit und Einseitigkeit verleitete. Zu Ungerechtigkeit, denn er verschweigt das Verdienstliche der rabbinischen Schriften, die er doch in großem Umfange benutzt, und schmäht sie, wo er sie schwach glaubt; zu Einseitigkeit, indem er den wesentlichsten Inhalt des alten Testaments verkennt, feine Pfeile gegen dasselbe richtet, sich aber hütet, dasselbe gegen das neue Testament zu thun. Die Strafe ist nicht ausgeblieben, denn Spinoza verfehlte auf diesem Wege sein Endziel, der Phi- *) Vgl. unsere Lebensbeschreibung Spinoza's im Jahrbuch für die Geschichte der Juden, Band II Seite 189 ff.