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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-26 · Heft 30 (26.7.1870) · p. Seite 607

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 30 (26.7.1870)
Date
1870-07-26
Page
Seite 607 (sequence 15)
Language
German
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♦507 gekommen, um sie zu behandeln und der, aus dem Königreich Portugal kommend, vor dem Tode des Königs dorthin gegangen war, um seinen Beruf dort auSzuüben. Als ich gefährlich erkrankt war, riethen mir meine Leute und sogar sie Aerzte von Paris selbst, mich von Montalto behandeln zu lasten. Er wirkte mit den Anderen zu meiner Genesung, und ich wurde geheilt. Dies war drei oder vier Monate vor dem Tove des Königs. Montalto zog sich sofort nacb Floren; zurück, wo der Gvßherzog ihn für sich selbst anstellte. Niemals habe ich sagen hören, daß er ein Magier wäre. Er hatte im Gegentheil den Ruf eines sehr freundlichen Mannes. AlL drei oder vier der berühmtesten Aerzte von Paris gestorben waren, schrieb die Königin - Mutter an den Großherzog, ihr Montalto zu schicken. Sie schrieb auch an den Papst, um die Erlaubnis zu erhalten, sich von ihm behandeln zu lasten, wobei sie sagte, daß sie ihn für sich und ihr Haus nölhig habe. Die Königin-Mutter erhielt die eine und die andere." Trotz dieses glän^noen Lobes, das von der Angeklagten dem Talente und der Rechtschaffenheit des jüdischen Arztes gezollt wurde, der gewiß auch den Mirgliedern des Parlamentes selbst bekannt war. irotzdem der Papst der Königin-Murrer erlaubt hatte. Montalto in ihren Dienst zu nehmen, machte man doch der Marschallin ein Berbrechen daraus, ihre Genesung einem jüdischen Arzte zu schulden. Das Parlament erließ ein in den Acten einer so vorgeschrittenen Zeit unerhörtes Uriheil. Das Urtheil erklärte den Marschall d'Ancre und Eleonore Galiga>, seine Ganin, für schuldig und überführt des Judenthums, der Zauberei und des Abfalls und als solche für schuldig des Majestätsverbrechens gegen Gott und Menschen.*« (Arch. isr.) 3. Rosenrhal. *\ flistoir«- .(<• la liastille. von August« Maquer, G. 434. Vermischtes. Auf zwei Gebieten leister unsere Zeit Vorzügliches und überragt alle vorhergehenden Perioden: auf dem der Naturwissenschaften und der Geschichte. Man kann sagen, daß in der Geschichtsforschung fast das gefammte Werk von vorn beginnen mußte, um die vielen allen Borurtheile und amvrisirren Annahmen zu beseitigen. Sobald dies die Grenzen der Theologie berührt, ist es schwierig, durchzudringen. wie wir es an unserer Broschüre über die Kreuzigung Jesu erfahren haben. Der alte eingesogene Glaube stellt sich hier der Kritik entgegen, und zwar selbst in den Geistern, welche ihr sonst osten stehen. In allen anderen Kreisen laßt man der neuen Untersuchung freien Raum und gewahrt deren Gründen und Schlußfolgerungen offenes Gehör. Es kam uns dies in den Sinn, als wir jüngst in der K«-.- vue des deux mondes vom l. Mai einen ebenso geistreichen wie gründlichen Aufsatz vonGaston Boissier „über den römischen Satiriker Juvenal und seine Zeit" lasen. Der Bers. erörtert u. A. die Frage, was wir von der Sittenschilderung Juvenals zu Hallen haben? Diese gerade wurde immer als ein vollgültiges Urtheil über die Moralität jener Zeit der Domitians und Trajans angesehen, wonach fteilich jene Epoche zu den sittenlosesten gehört. Boissier erweist es ganz anders. Er zeigt zuerst, daß Juvenal zu den „Unzufriedenen" gehörte. und zwar aus sehr persönlichen Rücksichten, da er eine Stellung einnehmen wollte, wie sie Hora; und Virgil unrer ver Aristokratie ihrer Zeit besessen, während er von dieser zurückgewiesen worden; ferner, daß der Satiriker nickt etwa ans republikanischen Principien heraus nrtheilre. sondern nur wie weit die Liberaliät sich auf die Literaten und Dichter, wir könnnen auch sagen Dichterlinge, erstreckte; endlich, daß Juvenal trotz seines Talentes und Geistes von sehr beschränkten Ansichten ausging. ^r haßte die Fremden, B. die Griechen, weil sie die römischen Parasiten «Schmarotzer, durch ihren Geist und ihre feinen Formen verdrängten. Er verachtete den Handel und die Gewerbtreibenden; er mißachtete die Sparsamkeit und die Verminderung des Lupus, die feit Befvasian bei den römischen Vornehmen eingetreten, als diese, unrer den vorangegangenen Cäsaren äußerst decimirl. sich aus dem Landadel rekrutirten. Der Vers, weist nach, daß Seneca. Tacirus, Plinius der Jüngere in unwillkürlichen und unmittelbaren Zeugnissen erweisen, daß Juvenal die Ausnahme zur Regel machte. und die Regel übersah, so daß dessen Sittenschilderung höchst übertrieben und unwahr ist. Ganz besonders führt er durch. Laß wir überhaupt den sittlichen Charakter einer Zeit nicht aus solchen satirischen Schilderungen. nicht auö factischen Einzelsäüen. sondern vielmehr aus den theoretischen Ansichten und den positiven Grundsätzen, welche zur Zeit gelehrt und ausgesprochen wurden, erkennen können. Wir werden hierauf zurückzukommen bald eine Beranlastung haben. Obiges wenden wir nun auf Juvenal dem an, was er über die Juden sagt. Er erwähnt ihrer mit bitterm Spotte an drei Stellen; stellt sie Sat. IU. i.-J als Bettler dar. welche in den Wäldern und Hainen übernachten und sich des Morgens zum Bettel über die Stadt ergießen. Sai. \i. .wo in ähnlicher Weise, nur daß sie in die Stadt dringen, um für Geld Weistaguugen und Traumdeutungen zu verkaufen, also als eine Horde wahrer Zigeuner. In Sau XIV. 97 ist es ein ganz anderes Bild. Die Juden finden unter den Römern zahlreiche Anhänger und viele römische Aeltern erziehen ihre Kinder so, daß sie eines der mosaischen Gesetze nach dem andern annehmen, wobei di« Juden als allen römischen Gesetzen und Andersgläubigen feindselig geschildert werden. Nachdem durch Boissier, von dem ästhetischen Werthe der Satiren ganz abgesehen, die Schilderungen Juvenals auf ihren wirklichen Werth zu-

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