Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1870)
- Date
- 1870-07-26
- Page
- Seite 608 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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608 rückgeführt find, können wir uns beruhigen. Auch hier hat der Satiriker in seinem Hasse und Borurtheile gegen alle Nichtrömischen und in seiner Sucht, einzelne Erscheinungen als den allgemeinen Charakter hiuzustellen, Individuen und ihre Züge als Vertreter der Gesammtheit gezeichnet. Erinnern wir uns nun, daß er seine Satiren drei Jahrzehende nach der Zerstörung Jerusalems geschrieben hat, durch welche so viele völlig verarmte und aus jede Art von Erwerb angewiesene Juden nach der Hauptstadt der damaligen Welt gebracht worden, so sehen wir seinem Spotte nach, können ihm aber für allgemeine Verhältnisse nicht die geringste Geltung beilegen. Bei dieser Gelegenheit erinnern wir uns einer Stelle aus einem spateren lateinischen Dichter, welche bis jetzt unseres Wissens kein jüdischer Geschichtsschreiber beachtet und benutzt hat. Cl. Rutilius Numatianus, wahrscheinlich aus Poitiers um 416 nach d. gew. Zeitr., verfaßte in Distichen eine Reisebeschreibung von Rom nach Gallien (de reäitu in patriam zwei Gesänge), die einen elegischen Charakter haben und in ihrer Form und Sprache gelungen genannt werden können. Im ersten Gesang V. 381 ff. laßt er sich über die Juden aus, die er als ungesellig (animal dissociale), der menschlichen Speisen sich enthaltend, am Sabbath sich zur Ruhe verurtheilend u. s. w. schildert, die aber so viel Ansehen und Einfluß erworben hatten, daß er zuletzt ausruft: „Hätte doch niemals gesiegt Pompejus über Judäa, Niemals seinen Triumph Titus gefeiert in Rom! Weiter nur breiten die Dünste der ausgerotteten Pest sich, Und die Sieger bedrückt schwer die besiegte Nation."*) *) Da der Nmnatiaau.» (cd. Wernsdorf et Gruber, Nürnberg 1804 t Bielen nicht zugänglich ist, geben wir hier die Originalfielle: 8ed male pensavit requiem stationis amoenae Ho8pite conductor durior Antiphate, Namqae loci queralus curam Judaens agebat, Hamanis animal dissociale cibis; Vexator frutices, pulsatas impntat algas, Damnaque iibatae grandia claraat aquae. Reddimas obscoenae convicia debita genti, Quae genitale caput propudiosa raetit, Radix slultitiae, cui frigida sabbala cordi: Sed cor frigidias religione sua esl. Septima quaeqae dies turpi damnata veteruo. Tamqaam lassati mollis imago dei. Cetera mendacis deliramenta catastae, Nec pneros omnes credere posse reor. Atque utinam nunqnam Judaea subacta fuisset Pompeji bellis imperioque Tili! Latius excisae pestis contagia serpunt, Victoresqoe suos natio victa premit. sucht, aus denen der Buddhismus fernen Ursprung schöpfte. Wir finden zu deren Bestätigung in des Professors Eduard Hildebrandi Reise um die Erde Bd. 1» S. 199 Folgendes. Der Reisende hatte in Indien unter der Einwirkung der übermäßigen Hitze, unter den Qualen, welche die Jnsecten aller Art, die Kriechthiere u. s. w. ihm verursachten, unsäglich zu leiden. Er sagt: „Bon Tage zu Tage wird die Stimmung in mir flauer; ich fange an, den großen Grundgedanken des Buddhaismus zu verstehen. Der von vielseitiger Tyrannis seiner menschlichen Despoten, des Klimas, der feindlichen Thierwelt, der organischen Leiden mißhandelte Indier beginnt damit, der ethischen Berechtigung der Existenz zu mißtrauen: er endet mit der ttefen Sehnsucht nach dem Ende der „Sansara", dieser Welt der Qualen, dem Beginn der „Nirwana" des Sterbens ohne Wiedergeburt. Ich begreife, wie der Geist des Menschen, der niemals idealere Ziele erkennen und austreben gelernt, zu dieser absoluten Verneinung ves Lebens ge- Aus Prag schreibt man: Bor einigen Tagen erhielt ein hiesiger allgemein geachteter Jude vom Grand-Rabbin zu Paris ein Telegramm des Inhalts, daß sein Sohn in Paris angekommeu, jeder Subsistenz entblößt sei und daher einer genügenden Unterstützung benöthige. Das Telegramm gelangte zufällig in später Abendstunde nach Prag und versetzte die ganze Familie, welche den jungen Mann in Wien wähnte, wo er als Hörer der Rechte seine Studien vollenden soll, in nicht geringe Bestürzung. Am nächsten Morgen wurde dem Grand-Rabbin nach Paris telegraphirt, daß er den jungen Mann mit dem Nötigsten für den ersten Augenblick versorgen solle, und während auch nach Wien ein Telegramm an den bisherigen Quartierherrn des Sohnes um Aufschlüffe gerichtet wurde, erhielt der besorgte Vater von Letzterem ein Schreiben aus Wien, in welchem von Allem, nur von keiner Reise nach Paris die Rede war. Bei der weiter eingeleiteten telegraphischen und brieflichen Correspondenz nach Paris stellte sich heraus, daß der Grand-Rabbin muthmaßlich von einem jungen Juden, der sich früher in Wien aufgehalten und den Prager Studiosus jnris gekannt, in betrügerischer Weise mystificirt worden. Die Mystification mißlang, und man ließ in Paris den jungen Mann laufen, damit er sich anderswo — feinen Strick suche. (War das recht?) Wir haben im zwecken Bande unserer „Weltbewegenden Fragen" S. 119 ff. die Momente zu erörtern ver- . Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B Hirschfeld. Verantwortlich« Redakteur Or. H. Lotze.