Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1870)
- Date
- 1870-07-26
- Page
- Seite 606 (sequence 14)
- Language
- German
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606 aber spricht Über den Umstand, daß sie sich beschneiden müßten: Denn nicht ist es erlaubt den Hebräern, von anderen Menschen Schwiegersöhne in's Haus und Schwiegertöchter zu führen. Als wer sich rühmen darf, aus gleichem Geschlechts zu stammen. Dann geht er zu der Beschneidung über: Der einst Abraham führte, den herrlichen Mann, aus der Heimath, Der har vom Himmel herab ihm befohlen und seinem Geschlechts, Daß sie das Fleisch sich beschneiden, und jener vollbracht' es; Unveränderlich ist's, denn Gott selbst hat es geboten. Als nun Emmor in die Stadt aufgebrochen war und seine Unterhanen aufgefordert hatte, sich zu beschneiden, so habe einer der Söhne Jakobs, mit tarnen Symeon, beschlossen, den Emmor und den Sychem zu tödten, da er die Gewaltthat an der Schwester nicht geduldig ertragen wollte. Diesen Beschluß habe er seinem Bruder Levin mitgerheilr. Mit diesem als Verbündeten sei er zu der That ausgegangen, indem er als Vorwand das göttliche Orakel an Abraham, vor seinen Nachkommen sollten zehn Völker ausgerottet werden, nahm. Symeon spricht aber zum Levin also: Wohl Hab' ich gut verstanden das Wort des Herrn, denn er sagte: Zehn der Völker dereinst preisgeb' ich Abrahams Söhnen.*) Gott habe ihnen ihre Absicht eingestößt, weil die Einwohner von Sicima gottlos seien. Seine Worte sind: Gort selbst züchtigte sie, die Bewohner Sicirna's, denn sie Achteten Keinen, ob bös' oder gut, der zu ihnen gelangte, Sprachen das Recht nicht mehr in der Stadt und richteten nimmer, Und sie erwogen im Herzen nur böse, verderbliche Dinge. Levin und Symeon seien bewaffnet in die Stadt gekommen und hatten zuerst getodtet, wer ihnen in den Weg kam, dann hätten sie den Emmor und Sychem um das Leben gebracht. Theodot sagt über ihren Tod: Als nun Simeon stürzt' auf Emor verwegenen Muthes, Schlug er das Haupt ihm ab und hob es empor mit der Linken, Ließ es zur Erde dann rollen, da neue Thaten sein harrten. Selbiger Zeit ergriff der unbezähmbare Levin Sychem am Haar, der die Knie ihm umschlang und slehte ohn' Ende: *1 Aehnliche« auch hsi Midrasch: Midr. rabb. $. SO Jalk. Schien S. 135. Aber er stieß ihm das Schwert, das scharfe, gewaltig von oben In die Höhlung der Brust, und die Seele entwich auS dem Körver. Als auch die anderen Brüder ihre That erfahren, so seien sie ihnen zu Hilfe gekommen und hätten die Stadt zerstört, die Schwester hervorgeholt und sie mit den Kriegsgefangenen auf das Gehöfte de« Vaters geführt." Daß Theodotos ein Jude gewesen, wird Jedermann aus Obigem ersehen haben. Ein Tendenz-Prozeß tut XVII. Jahrhundert. Das Schicksal der Israeliten, welche unter Heinrich IV. in Frankreich lebten, scheint erträglich gewesen zu sein. Dieser gute König, in Glaubenssachen sehr tolerant, bezeigte ihnen zu wiederholten Malen fern Wohlwollen und nahm sie unter seinen Schutz, wenn sie sich über Plackereien seitens ihrer Feinde zu beklagen hatten. Die Nachfolger des galanten Königs folgten seiner Politik nicht, und seine großmüthigen Gedanken sanken in Vergessenheit. Die erste That seines Sohnes, der 1614 mündig erklärt wurde, bestand darin, daß er eine Ordonnanz veröffentlichte, durch welche er den Juden den Aufenthalt in seinem Reiche verbot. Um bei der Wahrheit zu bleiben, muffen wir hinzufügen, daß dieses Verbannungsdecret das abscheuliche Werk des Klerus war. Indessen scheint es, daß man sich mit einfachen Erpreffnngen gegen unsere Glaubensgenossen begnügte, und daß sie, wenn sie erst ihrer Reichthümer beraubt, dann ruhig in Frankreich bleiben durften. Der Haß, den man gegen die Juden hegte, war allgemein und der aufgeklärteste Theil der Bevölkerung, sogar das Parlament, theilte ihn. Er zeigt sich so ganz in dem Proceß, den man dem Marschall d'Ancre und Eleonore Galigai, seiner Gattin, machte. Die Geschichte dieser beiden Persönlichkeiten ist bekannt; aber, was man allgemein nicht weiß, das sind die Anklagen, welche man gegen diese letztere erhob und die dazu dienten, sie zum Tode zu verurtheilen. Eine der hauptsächlichsten war, daß die Marschallin sich der Magie und den Zauberkünsten, in Gesellschaft eines jüdischen Arztes, ergeben hätte. Wir geben hier den betreffenden Theil ihres Verhöres, um zu zeigen, wie man in jener Zeit jede Beziehung;u einem unserer Glaubensgenossen für verbrecherisch hielt und wie theuer es diejenigen bezahlen mußten, welche es wagten, sich ihres Beistandes zu bedienen. „Ich kannte in Italien", erwiderte die von dem Parlamente befragte Marschallin, „weder einen Astrologen, noch einen Magier, und habe in Frankreich keinen anderen Juden gesehen als Montalto, den Arzt meiner Herrin. welcher mir der Erlaubniß des Papstes herbei-