Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1870)
- Date
- 1870-07-26
- Page
- Seite 601 (sequence 9)
- Language
- German
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601 Anzahl wohnen, solche Kraft und Beharrlichkeit nicht entwickeln, ohne die größte Gefahr zu laufen, und die Rücksichtslosigkeit und Rohheit der christlichen Bevölkerung legen solchen kleinen Häuflein große Zurückhaltung auf. Aber desto unverzeihlicher wäre es, wenn die Juden da, wo sie in größerer Anzahl wohnen, sich schwach und feige benehmen wollten. Selbst augenblickliche Beunruhigungen wiegen den moralischen und politischen Nachtheil lange nicht auf, welchen jene Unmännlichkeit nach sich zieht. — . Fernere Telegramme aus Lemberg theilen mit: Vom 11. Juli. Bei den letzten Judenhctzen machte sich erwiesenermaßen der Einfluß russischer Agitationen theilweise geltend. Der Haupträdelsführer der Judenhetzen ist verhaftet. Schaaren von Excedenten rotteten sich auf dem Georgsplatze zusammen. Die Rönnen des Klosters „Sacre Coeur" holten Militär; 3" Arbeiter haben sich geäußert, sie hätten die Judenstadt in Brand gesteckt, wenn Smolka durchgefallen wäre. Der Pöbel behauptet auch, daß die Juden von den Fenstern Steine herabgeworfen hätten. Vom 12.Juli. Der Minister-Präsidenr hat auf die Beschwerde des Judenvorstandes telegraphisch geantwortet, es fei Alles vorgekehrt, um die Ruhe zu bewahren; die jüdische Bevölkerung könne unbesorgt sein. Die Lemberger Zeitung entschuldigt die Regierung, dieselbe wollte ihre Unparteilichkeit in der Wahlbewegung bewahren >!). Die Excesse seien die Consequenzen systemattfcher Hetzereien. Der Bürgermeister klagte Piatkowski. Der Lemberger Großgrundbesitz wählte Weiß mann leinen Juden). Czernowitz, >2. Juli. Ein Telegramm besagt: In Suczawa sind letzten Mittwoch und Donnerstag durch BottuschanerStudenten Judenkrawalle entstanden. Lvsoncz «Ungarn», 10. Juli. Der „Pester Lloyd" enthält eine Zuschrift des israelittschen Lehrkörpers an der hies. sanctionirten israelitischen Elementarschule, die den traurigen Zustand bezeichnet, in welchen bei der Autonomie der Gemeinden und bei der Verwirrung in allen Verwaltungszweigen Ungarns die jüdische Schule und ihre Lehrer versinken. Die drei Lehrer haben seit fünf Monaten ihr Gehalt nicht ausgezahlt bekommen, und sind dadurch dem größten Mangel ausgesetzt. Sie wendeten sich an das Ober-Stuhl- Richteramt, an den Schulinspector, an den Unterrichtsminister, an das Neograder Comitat, an den ersten Vicegespan, abermals an den Cultusminister, Alles vergeblich: eine Behörde wies sie an die andere, und keine strengte sich an, ihnen zu ihrem Rechte zu verhelfen. Das ist eine jüdische Gemeinde, das die ungarische Verwaltung, das das ungarische Gericht! Agram, 12. Juli. Die kroatische Landesregierung hat kürzlich der Stadtbehörde von Vukovar befohlen, darüber zu wachen, daß christliche Kinder die jüdische Schule nicht besuchen. Dieses Jnttmat beruft sicb auf ein Bachscbes Gesetz von 1850, und scheint die Nothwendigkeit dieser curiosen Gesctzes-Ausftischung sich für die Betreffenden durch die factische Frequcntation der jüdischen Schule von christlichen Kindern herausgestellr zu haben. Einige Bürger nichtjüdischen Glaubens sind nichts weniger als erbaut von diesem Vorgehen und werden sich diesen Zwang nicht gefallen lassen, wenngleich die Verhängung von Geldstrafen durch die Regierung angedroht ist. (Das ist ungarischer Freisinn! Eltern zu zwingen, ihre Kinder nicht da unterrichten zu lassen, wo sie wollen, und von sonst autorisirten Lehrern! Red. d. A. Z. d. Jud.) Frankreich. Paris, 15. Juli. (kev. isr.) Nach der Volkszählung von 1866 lebten, wie im gesetzgebenden Körper am 11. dss. Mts. berichtet worden, in Frankreich 37,107,212 Katholiken, 945,862 Protestanten und 89,047 Israeliten «also circa unter 430 Seelen 1 Israelit), während in Preußen unter 70, in Oesterreich unter 45, 1 Israelit. Hiernach kostet dem Staate nach dem Cnltusetat ein Katholik 1 Fr. 2C., ein Protestant 1 Fr. 93 C., ein Israelit 2 Fr. 76 C. (Der Grund hierfür muß in der geringen Seelenzahl der Gemeinden liegen). Die Katholiken haben 46053 vom Staate besoldete Stellen und erhalten so 923 Fr. für jede Stelle, die Protestanten 877 Stellen, also 1739 Frcs., die Israeliten 133 Stellen mit 1291 Frcs. Die best dottrten sind also die Protestanten. 30