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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-26 · Heft 30 (26.7.1870) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 30 (26.7.1870)
Date
1870-07-26
Page
Seite 599 (sequence 7)
Language
German
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599 Zuwendungen, welchen die landesherrliche Genehmigung ercheilt ist. Unter diesen haben wir zwei hervorzuheben, nämlich: 8) Der Geheime Commercienrath Joel Wolfs Meyer in Berlin und dessen Erben haben neben andern Summen zu Gunsten der jüdischen Gemeinde daselbst der Armen - Commission dieser Gemeinde 5000 Thlr. in Werthpapieren zur Unterhaltung und Erziehung von Waisen jüdischen Glaubens, event. als Beihülfe zum Bau eines Waisenhauses zugewcndet. 15) Die verwittwete Frau General - Musikdirector Meycrbeer hat der jüdischen Gemeinde zu Berlin ein Capital von 3000 Thlrn. zu Gunsten solcher bedürftigen Waisenmädcken zugewendet, welche sich zu Kammerfrauen, Erzieherinnen, Lehrerinnen oder für einen ähnlichen Beruf ausbilden wollen. Wer übrigens die gesammte Liste dieser Stiftungen durchlieft, dies Mal wie in früheren Heften, wird erkennen, wie wichtig es ist, daß, bei aller Humanität ohne confessionelle Rücksichten, doch für wohlthätige Zwecke seitens der Juden auf ihre Glaubensgenossen gerücksichtigt werde, denn nur selten, dies Mal gar nicht, trifft man auf Stiftungen, die nicht specifisch für Katholiken oder fiir Protestanten bestimmt wären. Eine eigenthümliche Wahrnehmung hatten wir in dem oben bezeichneten Hefte noch zu machen. Es bringt eine „General-Uebersicht der im Jahre 1869 bei den Gymnasien des preußischen Staates geprüften Maturitäts-Aspiranten." Bei ^den Abiturienten, die sich für Theologie bestimmten, und die für die beiden christlichen Confessionen zusammen 640 betragen, werden die evangelischen, katholischen und jüdischen aufgeführt. Die letzte Rubrik blieb gänzlich leer, so daß also kein einziger Abiturient in Preußen im Jahre 1869 sich für die jüdische Theologie bestimmt hatte. Bonn, 15. Juli. (Privatmitth.) Wie die öffentlichen Blätter melden, hat das Concil zu Rom die Unfehlbarkeit des Papstes mit 450 Stimmen gegen 88 verneinende und 62 bedingende angenommen. Unter dem Druck der politischen Verwicklungen zwischen Frankreich und Deutschland verliert diese viel besprochene und viel bekämpfte Erklärung augenblicklich ihre thatsächliche Bedeutung. Die große Welt wird davon kaum berührt, viel weniger erschüttert. Aus katholischen Kreisen vernehmen wir, daß die kirchliche Opposition sich nicht so leicht ergeben werde. Ob aber in der That ein energischer Widerstand erstehen werde, ist sehr fraglich. Man wird die Entwickelung der Dinge abwartcn müssen. Der Papst könnte sofort von seiner Unfehlbarkeit Gebrauch machen und oem allerchristlichsten Kaiser, dem ältesten Sohne der Kirche, den Krieg gegen Deutschland untersagen. Das würde für seine Unfehlbarkeit einiges Interesse erwecken. Wir zweifeln aber daran. Herford, 30. Juni. Am vorigen Freitage wurde die irdische Hülle des Lehrers nnd Cantors der jüvischen Gemeinde Hierselbst, Herrn Heine, der 27 Jahre in derselben gewirkt, zu Grabe getragen. Am Grube hielt Herr Blumenau aus Bielefeld eine tief ergreifende Rede, und die zahlreiche Betheiligung der Bürgerschaft, insbesondere der Collcgen aller Schulen und Confessionen, legte Zeugniß von der Achtung und Verehrung ab, welche der Verstorbene sich auch außerhalb seiner Gemeinde zu erwerben gewußt hat. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir einen Act wahrer Humanität nicht unerwähnt lassen. Dem jüdischen Schulhause gegenüber liegt die kleine Kirche der katholischen Gemeinde. Mit Rücksicht nun auf die Krankheit des jüdischen Lehrers unterblieb an zwei Sonntagen das Geläute, und selbst am Frohnleichnamstage, nachdem auf vorherige Anfrage die Antwort gekommen, daß der Zustand des Kranken sehr bedenklich sei, wurde nicht blos das Läuten, sondern auch das Orgelspiel und der Gesang in der katholischen Kirche unterlassen. Und zwar geschah dieses Alles nicht etwa auf Ersuchen von irgend einer Seite, sondern aus eigener Entschließung des Herrn Dechanten Heising. Wir theilen diesen schönen Zug um so lieber mit, als leider ähnliche wahrhaft humane Handlungsweise nur sehr selten zu registriren ist. Ocsterreichischungarische Monarchie. Wien, 8. Juli. (Privatmitth.) Der neue Cultus- und Unterrichtsminister von Stremayr hat ein Rundschreiben erlassen, in welchem er die Grundsätze darlegt, nach denen er die Angelegenheiten seines Ressort behandeln werde. Er will dabei stteng von der Verfassung und den bestehenden Gesetzen ausgehen, welche letztere er zwar für verbefserungsfähig erklärt, die aber, so lange sie nicht verfassungsmäßig verändert sind, mir

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