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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-26 · Heft 30 (26.7.1870) · p. Seite 595

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 30 (26.7.1870)
Date
1870-07-26
Page
Seite 595 (sequence 3)
Language
German
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595 unterwirft sich in England in schwächlichster und feigster Weise den Wirkungen, die ein großer Continentalkrieg auch auf England in unmittelbarster Weise haben muß, während eine energische Erklärung Englands wohl im Stande wäre, das Unheil aufzuhalten'. Nun, die Geschicke müssen ertragen werden. Die Völker muffen sie ertragen, wie die Familien, wie die Individuen, wenn sie unabweisbar eintreten. Das Eine muß uns trösten und aufrecht erhalten, daß sich auch aus diesen schweren Kämpfen für die Entwickelung der Menschheit Großes herausbildet, und die Gestaltung ihrer Verhältnisse bisweilen dadurch schneller sich verwirklicht, als es durch die langsame Entfaltung im Frieden möglich ist. Vertrauen auf die göttliche Vorsehung für die Nationen wie für die Einzelnen'. Es ist ein alter Spruch: Wen Gott verderben will, den macht er blind'. Die westrusfischen Äu-en. Wir haben in voriger Nr. die Resultate der Thätigkeit und finanziellen Gebahrung des Königsberger Hauptgrenz - Comites mitgetheilt, und kommen nun zu dem, was gegenwärtig Noth thut. Der Bericht des Comites spricht sich hierüber folgendermaßen aus: „Aus Vorstehendem ergiebt sich mit Nothwendigkeit, daß, wenn das so glücklich begonnene Werk, dem bereits Hunderte von Menschen chre Rettung verdanken, und auf welches gegenwärtig schon seit Monaten die letzten Hoffnungen von mehr als fünf Tausend Brenschen gesetzt sind, nicht unterbrochen werden soll, wir nunmehr auf Eindringlichste an den öffentlichen Wohlthätigkeitssinn appelliren müssen." „Wir sind unter allen Umständen verpflichtet, wenigstens diejenigen Erwartungen zu erfüllen, die wir nun einmal in den Herzen so vieler Unglücklichen rege gemacht haben; eine Nichterfüllung derselben müßte eine Verzweiflung und ein Elend herbeiführen, gegen das die Noth der vergangenen Jahre eine verschwindende sein würde. Man bedenke, daß schon auf die Nachricht hin von der Berliner October-Dersammlung und der b e absichtigten Einsetzung eines Comites zur Auswanderung Hunderte von Familien ihre Habseligkeiten veräußert und sich zur demnächstigen Reise gerüstet haben. Unsererseits ist nichts unterlassen worden, um jene Armen vor diesem unüberlegten, verderblichen Vorgehen zu schützen und den Sachverhalt klar darzulegen; wir haben namentlich durch directe, an die Gemeinden und Rabbiner, zu wiederholten Malen gerichtete Rundschreiben unermüdlich auf das Mißverhältniß der uns zu Gebote stehenden Mittel und der an uns gemachten Ansprüche, so wie auf die Unmöglichkeit hingewiesen, selbst bei ausreichenden Mitteln Alle ohne Weiteres in einem Jahre zu befördern. Wir haben hierdurch allerdings gar Biele in der Heimath zurückgehalten oder zur Rückkehr in dieselbe, selbst auf unsere Kosten, bewogen und thun dies noch täglich, aber ein großer Theil derselben ist nack Lösung aller früheren Verhältnisse nicht im Stande oder auch nicht zu bewegen, in der schon aufgegebenen Heimath nun wiederum die zu allen Zeiten schwierige Begründung einer Existenz von Neuem zu versuchen, während hundert Andere aus nicht mittheilbaren Gründen schlechterdings nicht in der Lage sind, in die Heimath wieder zurückzukehren, und hier oder in der nächsten Umgegend in beispiellosem, von uns nicht zu linderndem Elende, leben; sie Alle aber harren der Beförderung nach den vereinigten Staaten Amerikas wie einer endlichen Erlösung. Wohl würden wir, wenn nicht bald von dort aus die Nachricht eines gegründeten Comites eintrifft, unter allen Umständen gezwungen sein, die letztgenannten Armen durch Ermöglichung der Auswanderung ihrem unerträglichen Elende zu entreißen, aber selbst hierzu reichen die vorhandenen Mittel nicht aus, und wir richten deshalb nochmals an alle Comites und Gemeindevorstände, Beamte und Private, insbesondere an die Local-Comites der Alliance israelite, so wie an die durck den Gemeindetag hervorgerufenen Sub-Comit6s, vor Allem aber an die Redactionen der jüdischen Zeitschriften in Europa und Amerika die dringende Bitte, unverzüglich eine nachhaltige Agitation ins Werk zu setzen, nicht nur für Beschaffung einmaliger, wie regelmäßiger Jahresbeiträge, sondern auch um die Erreichung der andern, uns gleichfalls obliegenden Aufgaben, thatkräftig zu fördern. Die Sache, um die es sich handelt, beschäftigt seit mehr als zwei Jahren die Oeffentlichkeit, Jedermann weiß, was wir wollen und was wir sollen. Es handelt sich nicht darum, einer augenblicklichen früher oder später vorübergehenden Landescalamität entgegen zu wirken, einen momentanen Nothstand zu beseitigen; vielmehr sollen Jahrhunderte lang eingewurzelte Schäden, durch allbekannte Ursachen herbeigeführt, endlich geheilt 30*

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