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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-19 · Heft 29 (19.7.1870) · p. Seite 581

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 29 (19.7.1870)
Date
1870-07-19
Page
Seite 581 (sequence 13)
Language
German
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581 Genügt doch die einfache Constatirung der Thatsache, daß in dieser herabgekommenen Bevölkerung von viertausendsiebenhundert Seelen fast die Hälfte, nämlich mehr als zweitausend Personen, zur kümmerlichen Fristung ihres elenden Daseins gegenwärtig auf die öffentliche Wohlthätigkeit angewiesen sind. Und erst auf was für eine öffentliche Wohlthätigkeit um Gotteswillen'? Vielleicht auf jene der Regierung, oder der Municipalität, oder endlich der unzähligen hier bestehenden katholischen Almosen-Anstalten? Nichts von alledem. Die römische Judenschaft bezieht von den Regierungscassen jedes Jahr ausschließlich nur die winzige Summe von fünfzehnhundert Lire, ungefähr siebenhundert Gulden Oesterreichischer Währung, unter dem Titel von Unterstützungsbeiträgen. Sonst keinen Kreuzer. Alle anderen Ausgaben für den Cultus, den Elementar- und religiösen Jugend-Unterrricht, die Armen - und Krankenversorgung, dann das gesammte Aedilenwesen im Innern des Ghetto fallen ihr vollständig allein zur Last. Nun darf der Leser nicht außer Acht lassen, daß die Israeliten hier ganz denselben Steuern und Taxen unterliegen, wie die übrigen römischen Staatsbürger, und daß ihrer Corporation überdies noch andere beträchtliche Geldleistungen vom Staate aufgebürdet sind, welche wir gleich namhaft machen werden. Um so peinlichen, von allen Seiten auf sie einstürmenden Anforderungen zu genügen, nahmen sie zu dem letzten Mittel ihre Zuflucht, nämlich sich innerhalb der Communität selbst zu besteuern, welche empfindliche Umlage nur jene wenigen Familien trifft, die noch einen schwachen Schein von Wohlhabenheit bewahrt haben. Dieser Umstand mag wesentlich zur Lösung desRäthsels beitragen, daß Rom vielleicht die einzige Großstadt ist, wo es keinen reichen Juden gibt. Was nun die soeben berührten ausnahmsweisen Lasten anbelangt, zu denen die Israeliten von jeher verurcheilt wurden, so haben sie vor Allem sehr ansehnliche Summen zu Regierungs- und ekklesiastischen Zwecken aufzubringen. Ueberdies müssen sie das alljährlich wiederkehrende Stipendium für jene katholischen Beamten regelmäßig entrichten, die ihnen zur Ueberwachung ihrer Finanz-Administration in der eigenen Gemeinde von der obersten Staatsbehörde aufgedrungen werden. Die bei weitem himmelschreiendste Steuer ist aber folgende: Sie sind gezwungen, an jede der zwei kirchlichen Anstalten, nämlich an die Casa Pia der Katechumenen und das Kloster der Convertiten, also gerade an ihre erbittertsten Feinde, noch immer einen jährlichen Tribut von fünftausendzwcihundertfünfzig Lire abzuführen, welche beide Institute fleißig das berüchtigte Handwerk der Judenbekehrunz treiben, die in der abscheuerregenden Geschichte von den israelitischen Kindern Mortara und Coen, jenem Casus belli des beleidigten innersten Familien-Heiligthums, seiner Zeit ihren Gipfelpunkt erreichte. Bei dem Convertitenhause findet aber noch ein höchst eigenthümlich erschwerender Umstand statt. Wenn sich aus Speculation ein fremdländischer Jude zum Behuse der Bekehrung dort aufnehmen läßt und dann nach sechswöchentlicher Prüfungszeit, wie dies häufig ge" schieht, bei ihm eine plötzliche Sinnesänderung eintritt, daß am Ende seine Taufe nicht vollzogen wird, so muß die unschuldige Gemeinde für ihn die inzwischen aufgelausenen Atzungskosten unnachsichtlich bezahlen, also gleichsam Strafgeld dafür erlegen, daß der Convertirungs-Candidat sich eines Besseren besann und wieder dem Teufel verfiel. Dies ist wohl in dem ganzen päpstlichen Judencodex das stärkste Stück." „Freilich hatten die Juden in Rom zu manchen Perioden auch lichtere Momente, und die Statthalter Christi auf Erden gingen nicht alle gleich grausam mit den Blutsverwandten des Heilands um. Es gab auch einige besser geartete Charaktere unter ihnen, die zeitweilig für sie kleine Erleichterungen eintreten ließen. Ein solcher war Sixtus V., der ein menschenfreundliches Herz unter seinem Purpurkleide trug. Aber diese erträglichen Momente dauerten bis auf die jüngste Zeit niemals lange. Gleich darauf kam wieder ein Anderer, der die wohlgemeinten Bullen seines Vorgängers zurücknahm und von neuem gegen die gemarterten Hebräer zu wüthen begann.*) Sogar Pius VII., noch einer der honneteren Päpste, der vom Jahre 1800 bis zum Jahre. 1823 regierte, war nicht ganz frei von dieser unauslöschlichen Makel. Wenn man nun erwägt, daß die hiesige christliche Bevölke rung von den humansten und edelsten Gesinnungen beseelt ist. da es vielleicht keine Nation in Europa gibt, die weniger geneigt wäre, Andersgläubige zu tyrannisiren, als gerade die leichtblütigen und gut- *) Dafür sollen aber auch die Päpste unfehlbar sein!

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