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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-19 · Heft 29 (19.7.1870) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 29 (19.7.1870)
Date
1870-07-19
Page
Seite 582 (sequence 14)
Language
German
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582 müthigen Neurömer, so fällt die ganze Wucht dieser schändlichen Behandlung der Juden einzig und allein auf die päpstliche Curie zurück. Schweiz. Endiugen, 3. Juli. (Privatmitth.) Daß unser Rabbiner, Herr Dr. Kayserling, zum Prediger der israelitischen Gemeinde Pest gewählt ist und die Wahl angenommen hat, wurde in d. Bl. bereits mitgetheilt. Nicht allein in den jüdischen Gemeinden, sondern weit über die Grenzen des Cantons hat die Nachricht von seinem Scheiden allgemeines Bedauern hervorgerufen. Unterm 30. Juni crtheilte ihm der hohe Regierungsrath des Cantons Aargau die Entlassung, in der es u. A. heißt: Mit tiefem Bedauern über Ihr Scheiden ertheilen wir Ihnen die nachgesuchte Entlassung unter bester Derdankung der geleisteten Dienste auf den Zeitpunct Ihrer Ersetzung. Unsere aufrichtigsten Glückwünsche begleiten Sie in den neuen größern Wirkungskreis. Wie wir vernehmen hat die Erziehungs-Direction die nöthigen Vorkehrungen zur sofortigen Wiederbesetzung des Räbbinates Endingen-Lengnau bereits eingeleitet. Schweden. Norrköping, im Juni. (Privatmitth.) Es dürfte den Lesern dieser Zeitung sowie jedem das Judenthum wahrhaft Liebenden von Interesse sein, etwas Näheres über die Wohnplätze und die inneren Verhältnisse der Israeliten in Schweden zu erfahren. Synagogen finden sich nur in den Städten Stock- Holm, Gothenburg und Norrköping. Carlskrona, welches auch zu den Städten gehört, in welchen laut königlicher Verordnung von 1782 und 21. September 1838 mosaische Glaubensbekenner wohnen durften, ist nie so herangewachsen, daß dort eine Synagoge erbaut worden. Man dachte mehr an die Todten und sorgte zu allererst und nur allein für einen Begräbnißplatz, anstatt auch des eignen Bedürfnisses, in einem Gotteshause durch Gebet und Lehre sich zu erbauen und den Namen des Einigen und Ewigen zu verherrlichen, zu gedenken. Nur ein dazu eingerichtetes Zimmer diente an den Feiertagen zum Bersammlungsplatze und ein Vorsänger hielt da, wie noch jetzt geschieht, an diesen Tagen den Gottesdienst nach altem Ritus ab. Durch Einwanderung einiger Polen und die Berheirathung jüngerer Personen hat sich wohl die Zahl der Familien vermehrt, aber noch fehlen Religionsunterricht und Synagoge. Nur der Begräbnißplatz war und ist jetzt noch der einzige Sammelplatz der Gemeinde. In den drei erstgenannten Städten haben sich immer Synagogen und Synagogenlehrer gefunden. Jetzt sind sogar neue Synagogen dort erbaut und überall der reformirte Gottesdienst mit Orgelbeglcitung einge führt. Nur wäre wünschenswerth gewesen, daß in diesen drei Synagogen, da man schon den reformirten Gottesdienst angenommen, auch ein und dasselbe Gebetbuch eingeführt worden wäre. Die neue Synagoge in Stockholm soll groß und hübsch sein und im Herbste eingeweiht werden. Seitdem aber die königliche Verordnung vom 26. Oktober 1860 den Israeliten das Recht ertheilt hat, sowohl in allen schwedischen Städten, als auch auf dem Lande wohnen zu dürfen, sind neue Verhältnisse eingetreten. Nicht sowohl die hier ansässigen schwedischen Israeliten machten von diesem neuen Gesetze Gebrauch, als besonders einwandernde Polen, welche, wenn sie sich etwas Vermögen gesammelt, sich in einer Land- oder Provinzialstadt niederlassen, dort chr Geschäft eröffnen und unbekümmert des synagogalen Lebens, des Religionsunterrichtes oder des Judenthums, nur für den Erwerb leben. So wohnen mehrere Familien in Malmö, Kalmar, Wisby, Sölversborg, Oskarshamn, Mariestad u. s. w. Einige wie Malmö und Kalmar begnügen sich einen Schochet zu haben, für andere ist sogar dieser überflüssig. Welche Moralität, welcher Verfall des Judenthums wird hieraus erwachsen? Wenn man in Stockholm und Gothenburg Vieles für die Erziehung und Schulbildung der dort wohnenden polnischen Kinder thut, so sollte man aus Liebe zum Judenthum, zur Erhaltung des angestammten Glaubens auch diesen Entfernten einige Aufmerksamkeit schenken, sie für die Synagogengemeinden gewinnen, wodurch Letztere erstarken, und einen besseren Wirkungskreis zum Wohle der Einzelnen und zum Gedeihen des Judenthums erhalten. Die Gemeinde, welcher der Berichterstatter angehört, hat in den letzten 5 Jahren viele ihrer vermö-

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