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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-19 · Heft 29 (19.7.1870) · p. Seite 579

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 29 (19.7.1870)
Date
1870-07-19
Page
Seite 579 (sequence 11)
Language
German
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579 Stimmenzahl, nämlich 2344 (von 3550). Auch Smolka wurde gewählt, und zwar weil im letzten Moment, um den Frieden zu erhalten. 150 Israeliten für ihn stimmten. Seit 8 Uhr herrscht Bewegung und Geschrei unter den Bolkshaufen vor dem Rathhause. Um 9 Uhr begann eine Schlägerei mit den Juden. Mehrere Fenster in Judenhäusern wurden eingeworfcn. Die Polizeiwache und die Pompiers stellten die Ordnung her. Das Geschrei währte bis 11 Uhr, bis das Wahlergebnis bekannt wurde. Hierauf wurde für Smolka eine Ovation verabredet; die Unruhen erneuerten sich. Starke Militär-Patrouillen durchziehen die Stadt. 8. Juli, 3 Uhr Morgens. Die Raufereien zwischen den Straßenjungen und den Juden hatten theilweise einen bedrohlichen Charakter und erstreckten sich über mehrere Stadttheile; auch vor der Polizei-Dircction fand eine Demonstration statt. Nach einer Ovation für Smolka zerstreute sich die Menge auf dessen Bitte. —. vom 8. Juli. Der gestrige Exceß hat viele Spuren hinterlassen. Inder Judengasse sind eine Unzahl Scheiben zertrümmert, selbst Leute von der besseren Classe haben auf Juden eingehauen, zwei Schänken geplündert. Auf dem Krakauer Platze ist es besonders blutig zugegangen; der Militärschutz kam verspätet. Aufrufe Smolka's rathen von Gewaltthätigkeiten ab. Die Stimmung ist erbittert. —. vom 9. Juli. Gestern Abends wiederholten sich die Excesse gegen die Juden; an vielen Häusern wurden durch Steinwürfe die Fenster eingeschlagen; das Militär mußte einschreiten und stellte die Ruhe wieder her. Um eine Wiederholung der gestrigen Excesse zu vermeiden, setzte der Bürgermeister Szemelowski mit Ermächtigung des Gemeinderathes ein bürgerliches Sicherheit - Comite zusammen und erbat sich mittelst Placate die Mitwirkung der Bürgerschaft. Die nächtlichen Excesse gegen die Juden mit obligater Fensterscheiben-Zertrümmerung dauern fort. Ein israelittscher Schänker wurde förmlich ausgeplündert. Das Militär verhält sich passiv. Die öffentliche Sicherheit ist gleich Null. Der gemeinderäthliche Kupferschmidt Piontko w ski legt dem Bürgermeister in öffentlichen Aufrufen Parteilichkeit und die Urheberschaft der Juden-Excesse zur Last. Smolka proclamirt, daß die Demonstrationen der christlichen Bevölkerung gegen die jüdische den vorhandenen social-nationalen Riß nur erweitern und verbittet sich alle Ovationen. Die Juden sind vorderhand entschlossen, den Ministerrath um Abhilfe anzurufen. Die Abwesenheit des Polizei-Directors Hammer gerade im gegenwärtigen Augenblicke wird sehr bedauert. Brody. 7. Juli. Die Handelskammer hat den Grafen Beust einstimmig, die Stadt Brody Nathan Kal lir (Israelit von der Partei Zicmialkowski's) mit großer Majorität zum Abgeordneten gewählt. Brody, 7. Juli. Aus Anlaß der Wahl des verfaffungstreuen Nathan Kallir herrscht hier freudige Aufregung. Es wird ein Fackelzug vorbereitet. Rumänien. Bukarest, 28. Juni. Der „Neuen freien Presse" schreibt man: „Jene Insassen aus Tekutsch. die beinzichtigt erscheinen, an den im April d. I. daselbst stattgehabten Judenhetzen sich betheiligt zu haben, sind dieser Tage, und zwar 49 an der Zahl, unter Militär-Escorte nach Galatz gebracht worden, und es beginnt heute die Verhandlung über diese Angelegenheit vor dem Galatzer Schwurgerichte. Alle Advocaten des Landes — schreibt das Galatzer Localblatt — haben diesen „Opfern fremden Einflusses und fremder Laune" ihre Unterstützung zugesagt, und es sei von dem „Patriotismus" der Geschwornen jedenfalls zu hoffen, daß die Angeklagten in vollster Unschuld hervorgehen und ein „Lügengewebe" zerstört werden wird. Auch ohne diese Lanze, die das Galatzer Blättlein für die „unschuldigen" Judenfresser bricht, hätte man den Ausgang dieser Geschwornen-Berhandlung leicht voraussehen können." —. Das Geschwornengericht hat wirklich sämmtliche Angeklagte freigesprochen. Welch' ein Hohn! Wie haben die armen Juden zu zittern, wo alles Recht so mit Füßen getreten wird! 29*

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