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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-19 · Heft 29 (19.7.1870) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 29 (19.7.1870)
Date
1870-07-19
Page
Seite 578 (sequence 10)
Language
German
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578 der Unwissenheit und dem Aberglauben zum Opfer gefallen. Bor einigen Jahren besuchte ich diese berühmte Stadt. Als ich den Triumphbogen des Titus, dieses lebendige Zeugniß der Zerstörung Jerusalems und der Zerstreuung des jüdischen Volkes über den ganzen Erdkreis betrachtete, konnte ich nicht umhin auszurufen: Hier zeigt sich der Finger des höchsten Richters, die Trümmer leben, aber die Lebenden sind nichts weiter als Trümmer/' Oesterreichischungarische Monarchie. Pest, I. Juli. (Privatmitth.) Sie haben den eigenthümlichen Umstand, daß bei der jüdischen Bevölkerung von Pest das männliche Geschlecht das weibliche an Zahl übertrifft, richtig erklärt, nur daß eben dieses Berhältniß kein Charakteristicum der jüdischen Einwohnerschaft allein ist, sondern auf die gesammte Bevölkerung zutrifft. Pest wird von Jahr zu Jahr industrieller, und so lange dieser Fortschritt stattfindet, wird der Zuzug arbeitender Männer größer sein. Erst wenn in jenem ein Stillstand eintreten wird, kann sich das Berhältniß wieder ausgleichen. —. Die Zahl der Hörer auf den 6 österreichischen Universitäten betrug im Jahre 1868 7899. Nach den Religionsbekenntnissen zählten die Universitäten im Jahre 1868 Katholiken (lateinischen Ritus) 5936 - (griechischen Ritus) 596 Evangelische (Augsburger Confession) 230 - (Helvetischer Confession) 43 Bekennerder griech.-oriental.Kirche 135 Israeliten 889 Andere (Armenier, Unitarier) 70 Hieraus ergiebt sich, daß auf ca. 5000 Katholiken ein katholischer Student kommt, während unter 1100 Juden 1 jüdischer Student sich findet. Es bewährt sich also auch in Oesterreich das eminente Streben der Juden nach Schul- und wissenschaftlicher Bildung. Preßburg, 6. Juli. Herr E. Horn hat beider Wahl den Sieg erlangt. Das ungarische Abgeordnetenhaus wird also nunmehr zwei Mitglieder israelitischer Confession haben, Herrn Wahrmann und Hrn. Horn. Der letztere gehört bekanntlich der Linken an, von der er sich jedoch in wesentlichen Puncren getrennt hält. Seine Wahl erforderte einen hitzigen Kamps.; ein Theil seiner Gegner benutzte gegen ihn seine Religion. Selbst der Bürgermeister von Preßburg sprach wiederholt von „unsrer christlichen Gemeinde im christlichen Staate." Aber dies und die Erinnerungen aus dem Jahre 1848 an die Preßburger Judenverfolgungen verfingen nichts; die deutschen Winzer der Umgegend gaben den Ausschlag zu Gunsten Horn's. Lemberg, 5. Juli. Das israelitische Wahlcomits, bestehend aus dem Gemeindevorstand und einer Anzahl der angesehensten Wähler, acceptirte vollständig die Candidaten-Liste der Reichstagspartei. (Es wäre auch ebenso undankbar wie unklug, wollten die Galizischen Juden einer anderen Partei angehören als der der Verfassung, durch welche sie eigentlich erst die bürgerlichen Rechte erlangt haben, und durch die sie ihnen gesichert sind.) —. Heute Abends wurde eine Versammlung israelitischer Wähler abgehalten. Es sprachen Nathanson, Dr. Frenkl, Prediger Dr. Löwenstein, Dr. Milleret, Dr. Mansch. Sämmtliche Redner erklärten sich für die Liste der Reichsrathspartei (Ziemialkowski, Frenkl, Kabat und Dombrowski). —. Heute fand in der Vorstadt-Synagoge eine imposante Wählerversammlung statt. Prediger Löwenstein sprach sehr lebhaft gegen den Föderalismus. Der Vorstand des Vereines „Schomer Israel" hob hervor, daß die auswärtigen Feinde den Föderalismus begünstigen. Der Pole Milleret warnt vor den czechischen Moskowiten. (Wir geben diese Telegramme der „4t. fr. Pr." hier nur wieder, um die Lebhaftigkeit zu zeichnen, mit welcher, und die Partei, für welche unsre dortigen Glaubensgenossen in den Wahlkampf eingetreten. Red. d. A. Z. d. Jud.) Lemberg, 8. Juli. Bon hieraus treffen nach und nach folgende Telegramme ein: 6. Juli. Placate des Demokraten-Vereines fanatisiren den Pöbel gegen die Juden aus Anlaß der gestrigen Versammlung jüdischer Wähler. 7. Juli. Bei der heutigen Abstimmung erhielt Dr. Fränkel (von der Ausgleichs-Partei), Israelit, die höchste

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