Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-19 · Heft 29 (19.7.1870) · p. Seite 577

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 29 (19.7.1870)
Date
1870-07-19
Page
Seite 577 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226744-3226774--28570-3302413
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

577 minister Leonhardt gebührt das Verdienst, demjenigen Verfassungsartikel, der den entgegengesetzten Grundsatz aufstellt, auch praktische Geltung verschafft zu haben. So wurde auch Landsberger nach zwölfjährigem Harren, während welcher Zeit er bei dem hiesigen Kreisgericht thätig gewesen ist, vom 1. Juli e. ab zum Kreisrichter in Trebnitz ernannt, und am folgenden Tage war er — tobt! Heute fand hier seine Beerdigung statt. Der Verstorbene, schon längere Zeit kränklich, erfreute sich wegen seiner Tüchtigkeit und Bescheidenheit bei seinen Collegen großer Beliebtheit." (Das ist ein tragisches Geschick!) Hannover, 5. Juli. (Privatmitth. > Auf dem in nächster Zeit hier zusammentretenden Städtetage wird von Seiten der Magistrate und Bürgervorstehercollcgien der Städte unserer Provinz unter Anderem ein Gegenstand verhandelt werden, der für sämmtliche israelitische Gemeinden des ehemaligen Königreichs Hannover von nicht geringem Interesse ist. Bislang bestanden nämlich hier zu Lande für die Israeliten besondere confessionelle Armenverbände, die nunmehr aber in Gemäßheit des Bundesgesetzes über den Unterftützungswohnsitz aufgelöst und durch locale Armenverbände ersetzt werden müssen. Ohne Zweifel werden die bisherigen Verwalter des jüdischen Armenwesens in unserer Provinz, namentlich die Gemeindevorstände, den Verhandlungen über diesen Punct ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden. In der von uns in Nr. 24 dieser Blätter berichteten Edel'schen Angelegenheit hat die Königliche Landdrostei als Oberbehörde die Verfügung des Magistrats, nach welcher der Sohn des Dr. Edel, obgleich die Circumcision an demselben nicht vollzogen worden ist, in das Geburtsregister der hiesigen jüdischen Gemeinde eingetragen werden müsse, bestätigt und das Recursgesuch des Landrabbiners Dr. Meyer, obwohl dasselbe sehr einleuchtend motivirt war, zurück gewiesen. Mit Eröffnung unserer neuen Synagoge soll auch behufs Verbesserung des Gottesdienstes eine Aenderung in der bisherigen Gebetordnung eintreten, zu welcher eine von dem vormaligen Gemeinde-Ausschüsse gewählte und von dem jetzigen Repräsentanten-Collegium bestätigte Commission, an deren Spitze der Landrabbiner steht, Vorschläge gemacht hat, welche, nachdem sie durch den Druck veröffentlicht worden waren, die Zustimmung des gedachten Collegiums in überwiegender Majorität gefunden haben. In der diesen Vorschlägen vorausgeschickten Motivirung sagen die Mitglieder der Commission, daß sie als obersten Gesichtspunct nie aus dem Auge verloren hätten, den Gottesdienst in der neuen Synagoge der Art einzurichten, daß er seinem Zwecke entspreche, die ganze Gemeinde um sich zu schaaren. „Wir wollen verbessern «resormiren), nicht weil wir wollen, sondern weil und wo wir müssen; daher nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis; aber auch nicht aus Unkenntniß, sondern an der Hand der Forschung; nicht in Furcht vor weiteren Folgen, sondern im Vertrauen auf den bessern Geist; nicht für Unwissende, sondern für Wissende: nicht für die Extreme, sondern für die vernünftige Mitte." Was nun die vorgeschlagenen, aus die Sabbath- und Festtagsgebete sich erstreckenden Aenderungen — für die Wochentage sind solche nicht beantragt worden — selbst betrifft, so wird es zur Würdigung derselben genügen, wenn wir darauf Hinweisen, daß als das Bedeutendste darunter die Weglassung vieler 'nicht aller) Piutim, des Jekum Purkan (!!> und des Kol nidre, das dem Sinne des Tages und der Melodie entsprechend abgeändert werden soll, zu bezeichnen ist. Das Landrabbinat Hildcsheim ist einstweilen provisorisch dem hiesigen Landrabbiner übertragen worden. Theodor Landsberg, der 23-jährige Sohn des jüngst verstorbenen Landrabbiners zu Hildesheim und früherer Schüler der hiesigen polytechnischen Schule, hat nach einem glänzend bestandenen Examen von seinem früheren Lehrer, dem Director des in Aachen neu ins Leben tretenden Polytechnicums, einen Ruf zum Assistenten desselben erhalten und wird diesem Rufe im October d. I. folgen, obgleich ihm pecuniär weit glänzendere Anerbietungen gemacht worden sind, wenn er nach Rumänien gehen und die Leitung der dortigen Eisenbahnbauten übernehmen wollte. In Franffurt a. M. ist unlängst Herr Jaques Hahn zum italienischen Consul ernannt worden. Bei einem kürzlich daselbst zur Feier der Wiederkehr des Tages, an welchem das geeinigte Italien zum Königreiche proclamirt wurde, stattgehabten Banquet hielt derselbe im Beisein vieler Notabilitäten eine im Chroniqueur in extenso mitgetheilte und mit großem Beifalle aufgenommene Rede, aus welcker wir für die Leser dieser Blätter nur folgende Stelle mittheilen wollen. Bon Rom und seinem Verfalle sprechend, sagte der Redner: „Ja, das mächtige und stolze Rom ist 29

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.