Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1870)
- Date
- 1870-07-19
- Page
- Seite 576 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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576 nur solche Kinder Berücksichtigung finden, auf welche die in dem Aufrufe des Central-Comitss enthaltene Darstellung der dortigen traurigen Verhältnisse zutrifft, die aber auch andererseits in körperlicher und geistiger Beziehung die Garantie bieten, daß sie den Intentionen der edlen Wohlthäter entsprechend, dereinst tüchtige Menschen werden; kränkliche oder sittlich verwahrloste Kinder sind streng ausgeschlossen, wenn auch die Sorge für dieselben uns später wird beschäftigen muffen." Die Einnahme des Comites bis zum 22. Juni belief sich auf 23,986 Thlr., worunter über 6000 Thlr. frühere Bestände, 6500 Thlr. von der Familie Rothschild-Paris, 67 58 Thlr. von der Alliance, 3600 Thlr. vom Gemeindetags-Comits zu Nürnberg, 260 Thlr. von Di-. Philippson, 141 Thlr. vom Gemeindetags - Comite zu Bielefeld. Die Ausgaben beliefen sich auf 15,802 Thlr., so daß 8184 Thlr. Bestand bleibt. Es wurden nämlich für die Auswanderer 12,584 Thlr., für die Handwerkslehrlinge, Schüler rc. 1945 Thlr., für die Beförderung rc. der Waisenkinder 778 Thlr. verausgabt. Für die Verwaltungskosten, Bureau, Druckkosten rc. wurde die mäßige Summe von 280 Thlrn. verausgabt. Allerdings darf nicht vergessen werden, daß das Localcomits zu Berlin supplirend für dieselben Zwecke 4549 Thlr. verausgabt hat. So weit der Bericht. Jedermann wird daraus erkennen, daß das Hauptgrenzcomite ebenso pflichtgetreu wie umsichtig verfahren ist, und daß es hiermit die größten Schwierigkeiten, welche stets im Anfänge eines so umfaffendeu Werkes liegen, glücklich überwunden hat. Die Fortsetzung des segensreichen Unternehmens liegt aber nicht in seiner Hand, sondern kann allein durch die energische und nachhaltige Unterstützung des Publicums, mit einem Worte durch die Geldmittel, die ihm zu Gebote gestellt werden, ermöglicht werden. Hierüber in der nächsten Nummer. Zeitungsuachrichtcu. Deutschland. Bonn, 7. Juli. tPrivatmitth.) Wie uns aus Aachen mitgetheilt worden, hat dort eine Supscription den Erfolg gehabt, daß auf 4 Jahre die Mittel, 8 polnisch-jüdische Waisenkinder zu erhalten und zu erziehen, vorhanden sind. Auch in Bonn hat die Gemeinde für ein Waisenkind zu sorgen beschlossen, und hat Dr. Philippson hierzu 100 Thaler gezeichnet. *) Bonn, 8. Juli. Man schreibt: „In eine eigenthümliche Lage kam der bayerische Justizminister bei der Berathung über die Freigabe der Advocatur in der Kammer. Er ist ein scharfer Gegner derselben, da er, wie er sich ausdrückte, befürchtet, es werde dadurch ein Advocaten - Protclariat geschaffen, das der Concurrenz halber „jedem Juden und Wucherer mit der Dose entgcgenkommc." In der Kammer erregten diese Worte begreiflicherweise einen solchen Sturm, daß sich der Minister genöthigt sah, dieselben in der nächsten Sitzung zurückzunehmen. Mit einer kleinen Variante haben wir diesen Ausdruck auch bei uns vom Ministertische aus bereits gehört; cs hieß damals: Krämer, Juden und Postschreiber." Wir können nur hinzufügen, daß diese Beispiele nur beweisen, wie auf den Ministerstühlen nicht immer Musterbilder von Feinheit, Bildung und Tact sitzen. Daß Einsicht und Vorurtheilslosigkeit daselbst nicht allzuhäufig anzutreffen, dafür braucht es nicht einmal der Beispiele. Red. d. A. Z. d. Jud. Breslau, 4. Juli. Die Schles. Ztg. schreibt: „Kreisrichter Joseph Landsberger aus Trebnitz war seit mehr als zwölf Jahren unbesoldeter Assessor — er gehörte der jüdischen Confession an — er genoß als solcher schon längere Zeit das zweifelhafte Glück, der älteste Assessor in der Monarchie zu sein. Seine Anciennetät datirte vom 15. März 1858! Nach den bis vor kurzer Zeit bei den Appellationsgerichten und im Ministerium herrschenden Anschauungen sollte bekanntlich ein Jude nicht Richter werden. Dem Justiz- *) Bei Gelegenheit bemerke ich, öfter eingehenden Zuschriften gegenüber, daß ich bereits vor mehreren Monaten aus Gesundheitsrücksichten das, ein Jahr lang geführte Vorsteheramt des Synagogenbezirks Bonn niedergelegt habe. Dr. L. PH.