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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-19 · Heft 29 (19.7.1870) · p. Seite 575

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 29 (19.7.1870)
Date
1870-07-19
Page
Seite 575 (sequence 7)
Language
German
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575 und 158 Einzelne, zusammen 371 Personen als Auswanderer spedirt, worunter 286 unmittelbar nach New- 2)ork, 56 nach England, 15 nach Schweden, 12 nach Paris, 1 nach Frankfurt a. M. und 1 nach Constantinopel. Es heißt hierüber: „Der jedesmaligen Beförderung ging stets eine sorgfältige Prüfung der Legitimation wie Qualification, möglichst unter Zuziehung zuverlässiger Vertrauensmänner, voran. Die beförderten Männer waren fast durchgängig kräftig und arbeitsfähig; viele von ihnen Arbeiter und Handwerker. Ehemänner wurden, falls sie allein auswandern wollten, nur nach beigebrachter, von dem Ortsrabbiner ausgestellter Einwilligungserklärung der Frau — Frauen ohne Männer nur dann befördert, wenn uns genügender Nachweis geführt worden, daß die letzteren, obwohl ohne Mittel, die Reisegelder für die Familie zu zahlen, im Stande sind, dieselbe zu ernähren, und ausdrücklich deren Uebersiedelung zu sich verlangten. Außerdem hat uns ein großer Theil der von uns beförderten Familienväter und einzelnen Erwachsenen an sie oder an uns direct gerichtete Einladungen dortiger Verwandten vorgelegt (denn der größte Theil hat in jenen Landern Verwandtschaft), die sich ihrer bei der Ankunft warm anzunehmen und sie bei Gründung einer Existenz zu unterstützen sich verpflichteten. Aus diesem Grunde erklärt es sich beiläufig auch, wenn den Auswanderern nur eine geringe Summe mitgegeben wurde, die selbstverständlich nicht zur Begründung einer Existenz dienen sollte." Jndeß mußte diese Beförderung von Auswandrern einstweilen suspendirt werden, bis sich in Amerika Comit6s zur Empfangnahme der Auswanderer gebildet hätten. Nach einer Notiz ist dies im gegenwärtigen Augenblicke geschehen, und man wird deshalb die Auswanderung wieder aufnehmen. Die zweite Thätigkeit des Comites bestand in der Beförderung der Ausbildung, Unterbringung von Handwerkern, Schülern u. s. w. Das Comite hat 136 Personen derartig versorgt, nämlich 66 Handarbeiter, 37 Schüler, 3 zu Gewerben, 4 zum Lehrerstande, 19 zum Studium, 7 zu weiblicher Handarbeit «worunter 3 Hebammen). Hiervon wurden 27 in Königsberg, 44 in Memel, 61 in Berlin, 2 in Breslau, 1 in Hannover und 1 in Düsteldorf untergebracht. Das Comit6 mußte gegenwärtig ein weiteres Vorgehen auf diesem Gebiete vorläufig gleichfalls sistiren, weil es für die obigen Personen noch 3 bis 4 Äahre zu sorgen hat, und neue Verpflichtungen nicht übernehmen kann, bevor nicht die Einnahmen sich wieder vergrößert haben. Es heißt darüber: „Obige Schüler und Lehrlinge werden von uns vollständig unterhalten. Die Lehrlinge selbst anlangend, so ist in den mit Meistern abgeschlossenen Contracten gleichmäßig die Bedingung enthalten, daß die Knaben an Sabbath- und Feiertagen sich jeglicher Arbeit zu enthalten haben. Die mit der Unterbringung derselben betraute Commission wacht streng darüber, daß diese Bedingung sowohl Seitens der Meister als auch der Lehrlinge selbst innegehalten wird. Sämmtliche Knaben sind überdies in streng religiösen Häusern in Pension gegeben und stehen unter fortwährender Aufsicht der Commissionsmitglieder. Um die unerläßliche, fast durchgängig mangelnde Schulbildung zu ersetzen, deren selbst der Arbeiter und Handwerker heutzutage bedarf, ist Veranstaltung getroffen, daß den Knaben an den arbeitsfreien Sabbathen und Sonntagen ein regelmäßiger Unterricht zu Theil werde. Die meisten derselben betheiligen sich mit Lust und Eifer an demselben, und sind allseitige recht erfreuliche Fortschritte zu bemerken. Daffelbe gilt von den unsrer Fürsorge und Unterhaltung vollständig anheimgegebenen Schulkindern, während ein Theil der bloß mit Schulgeld und Kleidern subventiouirten armen polnischen Knaben sich, wenn auch allmälig, so doch nur schwer an Reinlichkeit und die Disciplin eines geregelten Schulbesuches zu gewöhnen im Stande sind und uns Anfangs mancherlei Sorge bereitet haben; doch ist es auch hierin bester geworden, und werden wir auch diesem Zweige unsrer Thätigkeit nach wie vor die ernsteste Sorgfalt zuwenden." Das dritte Moment bildet die „Waisen-Adoption." Wir haben in d. Bl. bereits die bisherigen Erfolge mitgetheilt, und fügen nur hinzu, daß die Gemeinde zu Belfort (Haut-Rhin) 2, Brüssel 6, Saarburg 1, und ferner, wie wir mitgetheilt, Aachen 8 und Bonn 1 angenommen haben. Hierdurch wären es jetzt 93, von denen bereits 48 vom Comito befördert worden. Es heißt darüber: „Die zu adoptirenden Waisen werden hier behufs Feststellung ihrer Gesundheit und Reinlichkeit ärztlich untersucht und mit anständiger Kleidung, Leibwäsche, Gebetrequisiten rc. versehen, auf unsere Kosten nach ihrem Bestimmungsorte gesendet. Wir sowohl, als unsere Sub-Comitö's tragen gewissenhaft dafür Sorge, daß

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