Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 90 (28.7.1838)
- Date
- 1838-07-28
- Page
- Seite 365 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Brust und die Hand ihm auf die Stirn, und segnete ihn. > Dann sprach er: ' I Jonathan, daß ich Dir keine Einsprüche thue, soll Dich! nicht wundern. That' ich einen einzigen, so könnte ich Dir; nicht zu Willen sein. Aber ich bin Deiner sicher, und Du! wirst bleiben, wie Du bist; ein Paar Jahre für Dich, ver-! kürzen Dir Deinen Weg nicht viel, und das Werk der Reli- - gion wird durch Dich doch gedeihen, so es des Herrn Wille , ist. Aber das Schwerste bleibt Dir noch zu thun. Doch jedenfalls CJiasafc wcainaz! Es war ein seliger Tag, den der Sohn verlebte, aber der Vater nicht ganz erleichtert.! (Fortsetzung folgt.) j Korrespondenzen, Auszüge, Repliken. D r e K a r a i t e n. Da wir schon öfter einige Nachrichten über diese Sekte mit-! getheilt, so mögen folgende nähere Bemerkungen auch hier noch I Platz finden. j T sch ufut Kale, diese merkwürdige Veste ist auf dem Ei-! pfel einer Felsenkette erbaut und der Weg hinauf ist so steil, daß | man mehr klettern als gehen muß. Da sie ganz von hohen, mas-! siven größtentheils an dem Felsen gehauenen Mauern umgeben j ist und nur zwei Thore hat, so können die Einwohner, wenn sie! zur Vertheidigung entschlopen sind jedem Angriff von außen mit j vollkommener Sicherheit Trotz bietend Man weiß durchaus nicht, j von welchem Volk und zu welcher Zeit diese uneinnehmbare Veste! ursprünglich erbaut wurde; jetzt enthält sie ungefähr 300 Häuser! in ausnehmend engen Straßen, der Boden ist der reine Fels und - das ganze ausnehmend rein gehalten von den Einwohnern, welche : ohne Ausnahme Juden von der karaitischell Sccte sind. Der mo-! ralische Charakter derselben ist vortrefflich, ihre Ehrlichkeit sprüch-! wörtlich, und sie sind auch von der Regierung so hoch geachtet,; daß sie größere Privilegien besitzen, als irgend einer der verschie-! denen Stämme, welche die Krimm bewohnen. Als wir die Stadt betraten, wurden wir sogleich in das Haus des Rabbi Jussuv, des Rabbiners oder Oberhauptes der ganzen karaitischen Secte ' in diesen Landern, geführt, und von diesem ehrwürdigen Mann! freundlich und gastfrei dufgenommen. Nach der Mahlzeit führte i er uns in die Synagoge und von da in einen anstoßenden Garj ten, der blos zur Feier des Laubhüttenfesics bestimmt ist; von da! setzten wir unfern Spatziergang fort durch die Stadt b'S zu einer \ stellen Treppe, die zu dem sogenannten Thale Josaphat hinabführt. : Dieses liegt in einer Felsenschlucht und ist der Gottesacker der j Secte, der einem schönen mit Baumen beschatteten Wäldchen j gleicht, deren dunkeles Blätterwerk einen auffallenden Contrasi! bildet mit den weißen Marmorgräbern und den düstern, überhan- ' genden Felsen, die jedem Schritte Verderben zu drohen schienen. Hier wurden mir mehrere Gräber mit hebräischen Inschriften! gezeigt, die bis ins vierzehnte Jahrhundert zurnckgehcn und somit : den Beweis liefern, daß der gegenwärtige Stamm wenigstens; schon seit jener Zeit im Besitze der Veste war. Die Bäume deu- 1 ten wirklich auf ein sehr hohes Alter und werden auch so heilig j gehalten, und von den Karaffen so sehr geschätzt, daß ihre frühem! Herren nur mit deren Zerstörung zu drohen brauchten, um die! schwersten Kontributionen von den frommen Karaiten zu erpressen. Der Name dieser Secte ist bekanntlich abgeleitet von Karai oder dem geschriebenen Wort, da ihr Glaubensbekenntniß ausschließlich auf den einfachen uncommentirten Text des alten Testaments begründet ist; alle Traditionen und Auslegungen der Rabbinen, so wie den Talmud verwerfen sie gänzlich. Von diesem letzten weichen sie auch in manchen Einzelheiten z. B. den Verwandtschaftsgraden, in der Art der Beschneidung, so wie in den Gesetzen über die Fasten und die Heirathen ab, indem sie Polygamie gestatten, welche jedoch nicht üblich ist. Sie führen den Ursprung ihrer Secte bis zur Zerstreuung der Juden während der babylonischen Gefangenschaft zurück, und schreiben den langen Aufenthalt unter den Heiden und der Seltenheit der Abschriften des Gesetzes die Einführung einer Menge von Jrrthümern und falschen Ueberlieferungen zu; als-die Stämme nach der Gefangenschaft wieder zurückkehrten, war die heilige Schrift mit Zusätzen überladen, und ein großer Theil des Volks wollte diese nicht annehmcn; diese nannten sich Karaiten, und wurden in späterer Zeit von ihren Brüdern furchtbar verfolgt. Die Karaiten behaupten, auch Jesus sei ein Mitglied ihrer Gemeinde gewesen und habe hinsichtlich der Interpolationen der Rabbinen dieselben Meinungen gehegt wie sie, zum Beweis dafür führen sie seine wiederholten entschiedenen Erklärungen gegen die rabbinischen Auslegungen an, und behaupten zuversichtlich kein Mitglied ihrer Secte sei im geringsten bei der Kreuzigung bethciligt gewesen. Diese Leute glauben auch die einzige authentische Abschrift des alten Testaments zu besitzen. Gleich den Quäkern sorgen sie reichlich für ihre eigenen Armen, treiben hauptsächlich Handel und sind meist reich. In Polen und Gallizien trifft man sie häufig, sie sind daselbst sehr geachtet und genießen dieselben Vorrechte wie die Christen. Keine religiöse Secte erzieht wol ihre Kinder mit größerer Sorgfalt, denn alle ohne Ausnahme werden öffentlich in der Synagoge unterrichtet. Aus dieser Sorgfalt für den Unterricht entspringt auch die bei ihnen gewöhnliche Trennung der Bücher des alten Testaments, indem die Bücher Mosis als eine Richtschnur des Glaubens und der Sitten für die Jugend bestimmt sind, während das Lesen der übrigen Schriften verschoben wird, bis die Zeit den Verstand gereist hat; diese Trennung soll bei ihnen seit undenklicher Zeit Sitte sein. In ihrer Kleidung gleichen sie den Armeniern, tragen lange fließende Gewänder, und bedecken den Kopf mit einer Pelzmütze. Nicolsbur'g in Mähren. Rabbiner. Der geschätzte Verfasser des gediegenen Aufsatzes 24sten April 1838 in No. 49. spricht sich über die Versagung der mährischen Juden aus. Der Herr Ref. stellt den Herrn Nehemias Trebitsch, Mährens dermaligen Landesrabbincr, als halsstarrigen Orthodoxen, als' Koryphäen des conservativen Systems des Judenthums dar. Herr Nehemias Trebitsch, der in moralischer Bildung mit dem Zeitgciste fortgeschritten ist, besitzt einen von höherer Weihe erleuchteten Geist, ungeachtet seine scientifische Bildung nicht so weit reicht, um ihn als gelehrten Linguisten neuererSprachen rühmen zu können. Er ist in jenem obfcuren Zeitalter erzogen worden, wo es für den Talmudisten als Verbrechen galt, ein deutsches Werk zu berühren. Dennoch liest er deutsche Werke und versteht sie. In seinem Hause wird rein deutsch gesprochen. Sein Sohn und seine Schwiegersöhne sind vielseitig gebildete Männer. Und dennoch sagt der Herr Ref.: „Dem Vernehmen nach müssen die Rabbinatscandidaten bei Erhaltung der Licenz ihm (dem Herrn Nehemias Trebitsch nehmlich) mit Mund und Hand geloben, in. ihren Predigten den herkömmlichen Jargon beizubehalten. Darf man cö sich gestatten, eine bloße Vermuthung, wodurch der Charakter eines Mannes von Ehre und Ansehen auf's Spiet