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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-28 · Heft 90 (28.7.1838) · p. Seite 366

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 90 (28.7.1838)
Date
1838-07-28
Page
Seite 366 (sequence 4)
Language
German
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Z66 qcfcfet wird, so wir nichts dir nichts der Welt Preis zu geben? Sie nennen Herrn Nehemias Lrebitsch einen halsstörrisch Intoleranten. Sie irren. Der Verfasser gegenwärtiger Bctlen ist Reformer in des Wortes vollster Bedeutung, und i,r bei Herrn Nehemias LrebiLsch wohlgelitten. Das ist doch wemgstenö keine Intoleranz. . . Blicken wir doch ein wenig auf bte gegenwärtige rage des älteren mährischen Juden. Wir finden bei ihm (ich spreche im Allgemeinen) keine oder wenig Spuren des beglückenden Zeitgeistes. Seine Sprache ist noch so verdorben, wie sie es vor 100 Jahren war, seine Begriffe über Religion und deren Cultus gehören noch den finstern Zeiten an. Ist da eine allzurasche Reform heilbringend und ersprießlich? , _ . . Die jetzige mährische Jugend hat erne andere Erziehung erhalten, der Contrast zwischen Vater und Sohn ist auffallend und merkwürdig. Während es dem Vater Gräuel und Schmach wäre, wenn der Gottesdienst nach neuem Ritus abgehalten werde, wird eS dem Sohne Bedürfnis und innerer Drang sein, und die Reform wird auch in Mähren siegend durchdringen , sie muß aber wie jede, die von Dauer sein soll, entweder gradatim vor sich gehen, oder es müßte eine Verbindung von Männern ftüttfinden, die bei ihren Landsleuten und Glaubensgenoffen als fromme und erleuchtete Männer im Ansehen stehen, und sich der Liebe und des Vertrauens Aller, auch des gemeinen ManneS erfreuen. Eine solche Verbindung hat noch nicht statt gefunden, und nur durch sie könnte Mährens Reform schneller und durchgreifender vor sich gehen, nur sie könnte es wagen, die vielen vom Volke durch Verjährung heilig gehaltenen Vorurtheile mit kluger und gewandter Hand auszujäten. ... . t - Diese heilbringende Zert kennt rn unserer Jugend. Kern Decennium mehr wird hinfließen, und ganz Mähren ist reif. Das Alles hat Herr Nehemias T rebitsch so gut wie der Verfaster gegenwärtigen Aufsatzes bedacht. Bei der bedeutungsvollen Krisis Der Jetztzeit ist sein Augenmerk vorzüglich darauf gerichtet, eine jede erledigte Rabbinatsstelle mit einem tüchtigen an Lugend und wahrer Religion bewährten Mann zu besetzen; denn eine Krisis kann heilbringend, kann aber auch verderblich werden. Wenn also Herr Nehemias Lrebitsch jenen Candidaten, die beim Volke im Gerüche der Neuerungssucht, nicht aber der Bildung oder der bewährten Religiosität stehen, die Licenz zur Rabbinatswürde in solange versagt, bis sie sich anders bewährt haben, ist er da zu verdammen? Wird Herr NehemiaS Trcbitsch (der Verfasser gegenwärtigen Aufsatzes spricht aus vollster Ucberzeugung) Candidatcn gefunden haben, die wahre, nicht aufgeraffte und verschrobene Bildung besitzen, deren Moralität bewghrt ist, er wird solchen nicht nur nicht hindernd in den Weg treten, sondern sie allen Andern vorziehen; und sie mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften unterstützen. Den Candidatcn aber, deren einziges Verdienst Neuerungssucht ist, wird er sich ein für alle Mat entgegen stemmen, denn er will rein bleiben mit seinem Gott und Gewissen. Ref. gegenwärtigen Aufsatzes ist weit entfernt ein Panegyrist eingefleischter Vorurtheile zu werden, er ist weit entfernt aus Parteilichkeit gegen Herrn G. B. den er nicht einmal kennt, das Wort zu führen, oder für Herrn Nehemias Trebitsch, der auf seine Stellung im Leben gar keinen Einfluß ausübt. Aber Herr Nehemia s Trebitsch unterstützt mehre befähigte aber unbemittelte an der Hochschule zu Wien studierende israelitische Jünglinge, und hat sie nebstdem mit Empfehlungsschreiben an angesehene Männer versehen. Thut dies ein Feind der deutschen Literatur? Der Verfasser gegenwärtigen Aufsatzes hat der Wahrheit das Wort gesprochen, und innerste und wahrste Ucberzeugung ist es,! die aus ihm spricht. Auch er wünscht eine Reform, eine energi-! sche, eine durchgreifende, auch er wünscht es heiß und fromm, daß! Vieles anders wäre, und es wird anders werden, und auch über! Mähren wird die Morgenröthe der Aufklärung leuchten hell und klar.! Ich habe meinen Namen gefertigt, weil Wahrheit das Licht des Lages nicht scheuet, und gegenwärtige Entgegnung ist um so ehrender für den Herrn Landesrabbiner, weil sie von keinem Orthodoxen, sondern von.einem Jünger des Fortschritts herrührr. Natha ff Dcnneberger, Gymnasial-Lehrer. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Aufforderung. In einer Lehr- und Erziehungs-Anstalt in Süddeutschland kann zum 1. October d. I. ein erfahrener und pädagogisch gebildeter Lehrer, der den Unterricht in der hebräischen Sprache und mosaischen Religion gründlich ertheilen, und zugleich als Miterzieher kräftig Mitwirken kann, eine Stelle finden. Der Einrichtung des Hauses wegen wünscht man, daß er auch Kenntniß der neueren, namentlich der französischen Sprache habe. Gern ist man zu recht annehmbaren Bedingungen bereit, wird aber nur solche Männer berücksichtigen, welche sich berelts als Lehrer erprobt haben, Liebe zur Jugend besitzen, sich eine allgemeine wissenschaftliche Bildung angeeignet haben, und durch Charakter und äußere Bildung sich empfehlen. Das Nähere in der Redaction dieser Zeitung. Bekanntmachung. Den öftern Nachfragen derjenigen Eltern zu genügen, welche uns ihre Kinder in halber oder ganzer Pension anvertrauen wollten, beehren wir uns, die zu diesem Zwecke erforderliche, nunmehr getroffene, Einrichtung, hierdurch ergebenst anzuzeigen, mit dem Bemerken, daß Zöglinge mit dem Monat Juli d. I. bei uns eintreten können. Die sorgfättigstePflege und Obhut und der ihrer dereinstigen Bestimmung angemegenste Unterricht soll den unö anvertraueten Zöglingen zu Lheil werden. Besonders dürfte auswärtigen israelitischen Eltern, die ihre Kinder das G y m n a si u m, die politechnisch e oder i s ra e l itische Schule Hierselbst besuchen lassen wollen, unser Anerbieten nicht unwillkommen sein. Auswärtige Elttrn, die über das Nähere unterrichtet zu sein wünschen, wollen sich gefälligst in portofreien Briefen an uns wenden. Cassel, am 21. Juni 1838. E. M. Leviseur, Religionslehrer, S. M. Leviseur, Lehrer an der israelitischen Schule Hierselbst. Redacteur: vr. L. Philippson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.

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