Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 90 (28.7.1838)
- Date
- 1838-07-28
- Page
- Seite 364 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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564 theite zu benutzen. Aber der Gedanke, was er zu gewinnen und zu verlieren hatte, beschwichtigte bald diese Seelenbewegung. Vater, Hub Jonathan endlich an, ich halte es mit unsern Weisen für eine Sünde, wenn der Sohn dem Vater etwas verschweiget, selbst was nur in den geheimsten Falten seines Herzens vor sich geht; und nun zumal Dir, mein Lheurer Vater und Lehrer! Ich bin das auch gar nicht von meinem Jonathan gewohnt, erwiederte lächelnd der Greis. Ja, Vater, es ist mein ganzer Ernst. Nicht als wenn jedes kleine Ereigniß, jede geringfügige Empfindung, jeder nächste Gedanke mitgetheilt werden müßte: aber wenn der Sohn eine Willensmeinung, eine Lebensrichtung in sich groß getragen, vor der Erfüllung soll sie vor den Vater treten, und offen und ungehindert sich seiner Beurtheilung hingeben: Das ist eine I [akdomoli oder Pessiclioh; Jonathan — komm nur zur Sache. Verzeihe. Ich meine, selbst wenn sie des Vaters Billigung nicht gleich, oder gar nicht zu erwarten hatte, wenn sie des Vaters Ansichten nicht ganz entspräche — Sprichst Du von Dir, Jonathan? Vater, ich wünsche, daß Du jetzt mich ganz zu Ende hörtest, und in alles das aufrichtig eingingest, was ich jetzk in aller Fülle kindlicher Ehrfurcht Dir vorlegen werde, dafür will ich Dir auch die höchste, vollste Wahrheit sagen, nichts hinzusetzen und vergrößem, sondern wie es der reinen Thatsache gemäß.' Willst Du mir fest vertrauen? Du machst mich nicht neugierig, sondern besorgt, Jonathan. Du hast mir Gott sei Dank! noch nicht Gelegenheit gegeben, Dir nicht zu trauen. Laß es mich in diesem Augenblicke Dir gestehen, daß Du nicht allein ein Kind meiner Wünsche, sondern auch nach meinen Wünschen warst und bist. Ich hoffe zu Gott, Vater, daß ich es immer bleiben werde. Auch wüßte ich kein Opfer auf Erden, was ich nicht Dir zu bringen vermöchte. Um so mehr aber werde ich Deiner Nachsicht bedürfen, da Du Dich eigentlich schon dagegen ausgesprochen. Aber ich nehme das große Herz voll väterlicher Liebe in Anspruch, das in Deiner Brust schlagt, und das Andenken meiner verewigten Mutter, das nicht aus Deiner Seele gewichen. Der Greis seufzte. Theuerster Vater, schon als ich'in B. weilte, und meinen Studien oblag, lernte ich im Hause der K., an die Du mich selbst empfohlen, die Tochter des Banquier Kaspar kennen. Seit der Zeit, ich gestehe es Dir offen, habe ich eine unüberwindliche Neigung zu diesem herrlichen Wesen gefaßt, und so mannigfach ich mich bemüht habe, sie zu erdrücken in mir, Du weißt ja: Aliawoli mewateles Jiaschuroli *). — Wenn Du sie kennen würdest, Vater, Du würdest gestehen, keine sei würdiger. Deine Tochter zu sein — und dann, sie ist fern von dem Unglauben ihres Vaters, ist Israelitin im vollsten Sinne, und ist bereit, als solche zu leben in alten Bezügen. Ihr Geist hat sich der Eitelkeiten ihres bisherigen Lebens entschlagen, und ihr Herz den unendlichen Inhalt unsers Gesetzes in sich ausgenommen- Tiefer Ernst hatte sich auf das Antlitz des Treffes gelagert, ec antwortete nicht. Vater, fuhr Jonathan fort, ich weiß, daß diese Wahl vielfach Deinen Gefühlen widersteht. Wol kann ich in Bezug auf die Religiosität anführen, daß es noch mehr Mizwoh (Verdienst) ist, einen Verirrten zurückzuführen, als einen Starken zu befestigen, und Du weißt dies zu würdigen. Ihre Liebe wirst Du in ihrem eifrigen Bestreben nur desto mehr erkennen. Glaube nicht, daß dies ctrc flüchtiger Rausch in ihr ist, sondern vollkommene Ueberzeugung, der sie ewig treu sein wird. Aber es ist die Tochter deffen, der Dich tausendfach j beleidigt, gekrankt, zurückgestoßen hat, der frühere Liebe in j spateren Haß verwandelt hat, um so mehr, weil er keine j Ursache dazu gehabt — aber der Tag der Versöhnung ist j nahe, und ich weiß, mein Vater ist ein wahrer Jude. Auch! sehe ich wol, daß die Laufbahn, die Du mir jüngst bezeichj net hast, dadurch vereitelt wird-so viele Opfer lie- * gen für Dich hierbei in der einen Schale. Aber in der andern liegt das ganze Glück meines Lebens. Wenn Dir Dein Jonathan dies sagt, so weißt Du, daß es Wahrheit ist. Und unter den flüchtigen Eitelkeiten des Lebens der einzigen Wahrheit, dem einzigen wahrhaften Eure entsagen! zu muffen, ist eine schwere, mühselige Arbeit — . Und wenn man diese übernehmen muß —? Dann werde ich sie auch vollenden, aber — Und ihr Vater —? fuhr der Greis nach einer Pause fort. Zuerst mußte ich Deinen Willst wissen, zuerst Deine Zustimmung haben — Vater — So Du mir sie bringst; Jonathan, werde ich sie annehmen, aber holen kann ich sie Dir nicht! — Das sprach melk Vater! rief Jonathan aus, und ergriff deffen Hand, und küßte sie innig. Aber der Greis zog ihn an sich, und legte seines Sohnes Haupt an seine •) Die Liebe vereitelt daS Gleichgewicht. Sanhedr.