Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-05 · Heft 27 (5.7.1870) · p. Seite 541

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 27 (5.7.1870)
Date
1870-07-05
Page
Seite 541 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226744-3226772--28532-3302367
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

541 Lobend wurde einzelner Mitglieder gedacht, die sich Sammlungen unterzogen, ebenso einer Anzahl Gemeinden, die feste Beiträge zahlen. Wurde nun auch die erfreuliche Ueberzeugung gewonnen, daß das wichtige Unternehmen sich fortschreitend entwickelt, so gilt dies mit Rücksicht auf sein Bestehen und die Zahl der Mitglieder; aber im Hinblick auf die nothwendige und schwere Aufgabe desselben; im Hinblick auf das Loos der hinter- und nur zu oftverlassenen Wittwen und Waisen von Männern, die ihre besten Kräfte dem heiligen Berufe der Jugenderziehung und Bildung geopfert haben; im Hinblick auf den nahen Beginn der Auszahlungen und der Wirksamkeit der Casse; endlich im Hinblick darauf, daß das gesetzlich nothwendige Capital von 6000 Thlrn. noch gar nicht vorhanden, — müssen wir die Stellung des Vereins und das Resultat der bisherigen Wirksamkeit leider als geringfügig und nnzureichend bezeichnen. An Vorschlägen verschiedener Art, zu helfen, fehlte es nicht. Es wurde die Erwartung ausgesprochen, daß zunächst jedes Mitglied persönlich für die Sache nach Möglichkeit eintreten werde. Hoffen wir aber auch, daß die wohlhabenden Glaubensgenossen und Gemeinden beider Provinzen es als eine Ehrenpflicht erkennen, die Lehrer der Jugend für ihr schwieriges und wenig lohnendes Tagewerk in den Tagen des Alters und der Arbeitsunfähigkeit nicht der Armuth und öffentlichen Mildthätigkeit anheimfallen und ihre Wittwen und Waisen nicht darben zu lassen. Das Mittel ist in der Unterstützungscasse geboten. Möge dieser vorerst schnelle und reichliche Unterstützung zu Theil werden! Der Vorstand wurde auch darauf aufmerksam gemacht', bei der zuständigen Behörde Schritte zu thun, daß der Verein die Rechte einer juristischen Person erhalte. Nach der Neu- resp. Wiederwahl des Vorstandes schritt man zur Revision der „Statuten der Unterstützungscasse." Sämmtliche §§ der Statuten wurden besprochen, viele umgeandert, andere präcisirt und verbessert. Wir glauben, die Einzelnheiten der Berathungen über diesen Gegenstand hier übergehen zu dürfen, da nach erfolgter Genehmigung der Abänderungen von Seiten der Königl. Regierungen dieselben gedruckt in die Hände der Interessenten gelangen werden. — Die Zeit war inzwischen vorgerückt, und eine gewisse Abspannung hatte Platz gegriffen, als die Statuts-Debatten beendet waren; da erschien ein Mitglied des Gemeinde-Vorstandes und lud die Versammlung auf den Abend zu einer „kleinen" Festlichkeit ein. Erwähnen müssen wir noch, daß die Conferenz beim Beginn der Nachmittagssitzung eine Deputation an den ehrwürdigen, 84-jährigen Lehrer Cohen gesandt, um demselben ihre Achtung zu bezeigen und ihm die Grüße seiner ehemaligen Schüler zu überbringen, was den treuen Lehrer dermaßen rührte, daß ihm die hellen Thranen über das gutmüthige Gesicht perlten und er unfähig war, zu sprechen. Die „kleine" Festlichkeit, veranstaltet von den Vertretern der Gemeinde Münster, versammelte Abends sämmtliche Theilnehmer und die hervorragendsten Gemeinde-Mitglieder sowie andere Lehrerfreunde in dem großen, festlich decorirten Saale bei Schwartz und gestaltete sich zu einem großartigen Feste. Der Präses des Gemeinde-Vorstandes, Herr Ems, begrüßte die Festgenossen und sprach seine Freude darüber aus, daß diejenigen so zahlreich erschienen, denen die Bildung der Jugend anvertraut, erschienen hier, wo das Fundament gelegt zn ihrem wichtigen Berufe und zu der ehrenwerthen Stellung, die sie in den verschiedenen Gemeinden einnehmen. Dr. Steinberg und Dr. Kohner hielten glänzende Reden, der wackere Treu trug ein wohlgelungenes Festgedicht vor, und nun folgte Toast auf Toast in gebundener und ungebundener Rede, ernsten und scherzhaften Inhalts, Lieder und andere Vorträge, worunter ein Trinkspruch auf „Frau Mllsika" von Prof. Bisping und ein „Hoch" auf den „Fortschritt" von vr. Kroner bei den Anwesenden gewiß unvergessen bleiben werden. In heiterster Stimmung trennte man sich erst lange nach Mitternacht mit dem vollen Bewußtsein, ein schönes und seltenes Fest in schönster Harmonie gefeiert zu haben. Der zweite Conferenztag wurde eröffnet mit einem Referat über die ersten Bogen eines Merkchens „für den ersten Unterricht im Hebräischen" von dem um diesen Unterrichtsgegenstand schon sehr verdienten Leeser in Lübbeke, die derselbe der Conferenz zur Beurtheilung eingesandt. Die Art und Weise der Behandlung wurde im Ganzen gebilligt und glaubte man, sich von dieser Methode günstige Resultate versprechen zu dürfen. Um die Herausgabe zu sichern, wurde gleich auf 100 Expl. subscribirt. In der vor. Conferenz war der Plan mitgetheilt worden, ein Blatt, recht eigentlich für Schule und Gemeindezwecke, herauszugeben. Auf eine desfallsige Inter-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.