Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1870)
- Date
- 1870-07-05
- Page
- Seite 540 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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540 Schule zuschreiben. Letztere Momente sind eS doch hauptsächlich, die durch diese Conserenzen gesördert werden sollen und auch gefordert werden; denn mit gehobenem Lehrerbewußtsein verlaßt man stets diese Versammlungen, wo man sieht und hört, wie gestrebt wird, den jugendlichen Geist zu bilden zu einem denkenden, tief fühlenden und das Gute wollenden Wesen, wo gleichstrebende Männer sich von Jahr zu Jahr Wiedersehen, sich anregen zum Fortschreiten in der Bildung, ihre Erfahrungen aus dem Schulleben sich gegenseitig mittheilen und sich ermuntern, auszuharren auf der dornenvollen Bahn des Lehrerlebens. Hier fühlt sich der Lehrerstand als ein Ganzes und lernt, sich als eine Einheit ansehen. Hier lernen die Lehrer, sich als solidarisch verpflichtet betrachten, die eine große Aufgabe der Bildung unserer Jugend für die Religion und fürs Leben ihrem Fundamente nach zu lösen. Wahrlich, ein großer Segen wird diesen Conserenzen nie fehlen. Die Zahl der Gegenstände, die dieses Mal zur Tagesordnung gestellt waren, war allerdings gering, aber die Bedeutsamkeit der Verhandlungen darf danach nicht bemessen werdm. Nicht ohne Bedeutung war es auch, daß gerade Münster als Conferenzort gewählt war. Die Versammlung befand sich, wie Blumeuau in seiner Begrüßungsrede treffend sagte, „auf historischem Boden." Hier war die Pflanzstätte, wo fast alle Anwesenden das Wissen, die Liebe, den Eifer und die Begeisterung für ihren Beruf erworben, deren schöne Früchte seit mehr als vier Decennien in beiden Provinzen wachsen und reifen und auch darüber hinaus unter unseren Glaubensgenossen anerkanntermaßen Gesittung und Bildung verbreitet haben, und zwar trotz vielfacher Verkennung und Anfeindung. Die Gemeinde Münster schien diese Bedeutung in ihrem ganzen Umfange zu würdigen und ihr Ausdruck zu verleihen; denn ein so herzlicher Empfang, eine so überaus zuvorkommende, gastliche Aufnahme, wie sammtliche Mitglieder der Versammlung bei den angesehensten Familien gefunden, eine solche freundliche Theilnahme übertraf alles in dieser Beziehung Dagewesene und verdient gewiß die lebhafteste, dankbarste Anerkennung, die, an dieser Stelle auszusprechen, wir uns um so weniger versagen können, als sie auf so ansprechende Weise geboten wurde und zu einem Vergleiche aufforderte, in dessen Beleuchtung die Metropole Westphalens um so schöner glänzte. Erschienen waren die Lehrer: Blumenau «Bielefeld) Blumeufeld «Essen), Treu (Munster), Goldstein (Grevenbroich), Alsbach (Dortmund), Wolfsdorf (Erwitte), Goldberg (Steele), Kaufmann (Ahlen), Mündheim (Hamm), Westheimer (Anröchte), Ballin (Wehdem), Leiser (Gindorf), Oppenheimer (Coesfeld), Meyer (Salzkotten), Mandel (Lippstadt), Kronenberg (Bunde), Katzenstein (Warendorf), Hochfeld (Oelde), Mayer (Werne), Levy (Neheim), Ikenberg (Lemgo), Klcstadt (Sendenhorst), Servos (Hovestadt), Rosenbaum (Afcheberg), Baum (Vreden), Stern (Luegde), Kaufmann (Essen), Lichtenberg (Ruhrort), Edelstein (Elberfeld), Oppenheim (Marburg), Dr. Kroner (Münster), Dr. Steinberg (Münster), Berger (Wesel), Lippers (Beckum), Meyerson (Issum), Wißbrun (Datteln), Leiser (Rheine), Devries (Lüdinghausen), Katzenstein (Wattenscheid), Bilstein (Olfen), von der Walde (Wittlich), Löwenstein (Bonn), Kronenderg (Gesecke), Dahl (Schwelm), Schindler (Rüthen), Rllbeu (Gütersloh), Steinweg (Rheda), Schwarzaucr (Burgsteinfurt), Cohen lDortmnnd), Spier (Bocholt), Haas (Haltern), Lebensteiu (Mühlheim a. d. Ruhr), Marcus (Burgsteinfurt), Steeg (Oerlinghausen) und Herrmanns (Cöln). Ferner war anwesend der Rendant der „Unterstützungscasse", Herr Rittergutsbesitzer Löb, sowie mehrere Mitglieder des Vorstandes und des Repräfentanten- Collegiums zu Münster. Eine Bvrversammlung fand schon am 7. Abends unter zahlreicher Theilnahme statt. — In der Eröffnungsrede der ersten Sitzung, Morgens 9 Uhr, hieß der Vorsitzende, Blumenau, die Versammlung willkommen, gedachte dann des Mannes, der sich um die Lehrerbildung unsterbliche Verdienste erworben, des Professors Dr. Haindorf, der hier gelebt und gestrebt, an dessen Namen sich eine neue Aera für die Bildung der israel. Jugend beider Provinzen knüpft, dessen Andenken allen seinen Schülern stets heilig bleiben wird und forderte die Versammlung auf, dieses Andenken durch Erheben von den Platzen zu ehren. Tiefbewegt und in stelldiger Zustimmung entsprach die ganze Versammlung den Worten ihres Vorsitzenden. Herr Löb nahm hierauf das Wort, sprach der Versammlung zunächst seinen Dank aus für das ehrende Angedenken seines sel. Schwiegervaters Haindorf und legte dann einen Rechenschaftsbericht über die Unterstützungscaffe vor. Wir entnehmen demselben, daß das Vermögen der Caffe sich auf ca. 4300 Thaler beläuft.