Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1870)
- Date
- 1870-07-05
- Page
- Seite 538 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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538 tet werden kann, ist durch jüdischen Geist oder durch jüdisches Geld zu Stande gebracht worden. Würde es in Pest keine Juden geben, so würde die Landeshauptstadt auf dem Niveau des großen Debreczin stehen und die reichen Grundbesitzer und Comitatshelden würden in ihrem eigenen Reichthum, ihrem eigenen Staub und Koth ersticken. Pest ist weder eine deutsche, noch eine ungarische, sondern eine jüdische Stadt, und wir freuen uns dessen im Interesse der Magyaren und der Civilisation. Wir bitten das Vaterland um alle eventuell hinausgeworsenen Juden. Mehr Juden — mehr Licht." Saaz (Böhmen), 15. Juni. (Privatmitth.) Wenn Sie auch mit Recht über Grundsteinlegungen von Synagogen nicht mehr berichten lassen, so machen Sie doch sicherlich eine Ausnahme da, wo besondere Verhältnisse obwalten und in einem solchen Acte zugleich ein lebendiger Protest gegen frühere und unduldsame Jahrhunderte liegt. Die junge, aber doch bereits über 100 Familien zählende Cultusgemeinde Saaz, von den errungenen Freiheiten des verflossenen Decenniums den würdigsten Gebrauch mackend, läßt ein prachtvolles Gotteshaus entstehen in einer Stadt, wo in früheren Jahren religiöse Unduldsamkeit sich in ausgiebigster Weise knndgab. Zu der auf gestern 11 Uhr Vormittags anberaumten Grundsteinlegungsseier fanden sich aus dem Bauplatze die Spitzen der kais. Behörden und der Stadtbehörde, die Vorstände der einzelnen Corporationen, Deputationen sämmtlicher Vereine so wie auch ein beträchtlicher Theil der übrigen Bevölkerung ein. Nachdem die Psalmen 27 und 122 abgesungen waren, hielt der begabte Kanzelredner Herr Rabbiner Dr. A. S. Frank eine auf die Feier bezügliche und den Umständen der Zeit in vollkommenster Weise Rechnung tragende Festrede, welche auf das zahlreiche, zumeist der Intelligenz der Bevölkerung angehörige Publicum den günstigsten Eindruck machte. — Zur feierlichen Stimmung besonders beitragend war der Moment, in welchem der Landtagsabgeordnete und Bürgermeister der Stadt, Herr J. U. Dr. Theodor Haßmann den Hammerschlag mit den Worten: „Im Namen der confessionellen Gleichberechtigung!" begleitete. Zum Schluffe wurde noch Psalm 132 abgesungen. N. Koch. Fünfkirchcn, 20. Juni. (Privatmitth.) Wie es sich voraussehen ließ, hat die Untersuchung über die gewaltsame Taufe einer bewußtlosen sterbenden Israelitin zu keinem Resultat geführt, denn die Nonnen behaupteten, die Verstorbene hätte schon vor acht Tagen den dringenden Wunsch geäußert, getauft zu werden. Die Beweise des Gegentheils liegen vor, und von jüdischer Seite hat man daher darauf angetragen, eine nochmalige unparteiische Untersuchung höheren Orts zu veranlassen. In Wien hat man bekanntlich die „barmherzigen Schwestern" aus dem allgemeinen Spital entfernt, und Anderes bleibt nicht übrig, wenn man die Kranken vor der geizigen Tortur, welche diese Seelenfängerinnen ihnen anthun, bewahren will. R u m a n i e n. Bukarest, 12. Juni. (A. Z.) Fortwährend finden kleine Reibungen zwischen den rumänischen Behörden und österreichischen Unterchanen statt, welche an sich zwar zum Theil unbedeutend find, aber, da sic allemal zu Principienfragen erhoben werden, die Umrisse eines möglichen europäischen Conflictes stets wieder auf die Wand werfeE Eines Vorfalles glaube ich hier specielle Erwähnung thun zu sollen, weil er einmal von dem Uebermuthe der rumänischen Beamten, dann aber von der ebenso kräftigen als richtigen Haltung des österreichischen Agenten und Generalconsuls Freiherrn von Pottenburg (bekannter unter dem Namen Zulauf) Zeugniß giebt. Zwei jüdische Handlungsreisende wurden in Giurgewo bei der Landung mit dem Dampfschiffe von Seiten des rumänischen Grenzofsiciers angehalten und ihnen die Erlaubniß zur Weiterreise nach Bukarest mit dem Bedeuten untersagt, daß „Juden und Vagabunden" der Eintritt in das Land verweigert werde. Auf ihre 'Einwendungen wurden sie verhaftet und von Morgens 5 Uhr bis Abends ohne Nahrung gelassen. Herr von Pottcnburg wandte sich sofort an den Minister Jepureano. Er stellte eine energische Protestnote in Aussicht, welche er in lithographischer Abschrift den Vertretern aller Mächte, sowie nach Wien und Konstantinopel mitzutheilen gedenke, wenn nicht bis zum andern Morgen eine Entschädigungssumme von 1000 Francs für die Mißhandelten zur Verfügung bereit sein werde. Gleichzeitig erklärte er, die rumänische Regierung dafür ver-