Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1870)
- Date
- 1870-07-05
- Page
- Seite 535 (sequence 7)
- Language
- German
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535 und 'auf jedem Wege, was möglich ist. Man meint auch, daß die Folge des Unfehlbarkeitsdogma ein Schisma in der katholischen Kirche sein werde. Wir glauben cs nicht. Einentheils ist ja die päpstliche Unfehlbarkeit als Theorie in der katholischen Kirche nichts Neues und dem ganzen Wesen derselben nicht widersprechend. Andrerseits sind die jetzigen Menschen nicht fanatisch genug, um einen Kampf gegen die herrschende Kircheugewalt in ausgedehntem Maße zu unternehmen. Sie lasten sie gehen, da sie selbst doch persönlich durch die Landesgesetze möglichst geschützt zu sein glauben. Was nun gegen diese priesterlichen Uebergriffe zu thun sei? Cs ist sehr einfach. In Alles, was die inneren Verhältnisse der Kirche betrifft, hat Niemand einzngreifen das Recht. Dahingegen muß die Trennung des Staates von der Kirche eine absolute und vollständige werden. Die Kirche, indem sie die unbedingte Unduldsamkeit als ihren Glaubenssatz und ihr Gesetz proelamirt, muß gänzlich vom Staate und von aller Ginwirkung auf den Staat und die staatlichen Einrichtungen und Institute geschieden werden. Es darf kein Gebiet bestehen bleiben, wo staatliche Einrichtungen von der kirchlichen Einwirkung beherrscht oder nur beeinflußt werden. Dies muß gänzlich durchgeführt werden; nur daun ist die Gesellschaft, sind die nichtkatholischeu Glieder der Völker geschützt und in ihren Rechten gewahrt. Oie Olulproccssion in Lrüssel. ii. Foldendes ist daS von So der angesehensten Bürger Brüssels, Teputirten, Provinzialräthcu, Professoren, Miuisterialräthen, Advocateu, Senatoren, Redacteuren u. s. w. Unterzeichnete Placat in wortgetreuer Uebersetznng. „Mitbürger! Ein katholisches Count«'- ladet Sie ein, im Monat Gull das Jubiläum des „'Tn'*-Saint -Sacrcnieut de Mii-aeie^ zu feiern. Sie sollen feiern: Ten Jahrestag einer religiösen Verfolgung; Tie Hinmetzelung einiger Inden, die eines eingebtldeten Verbrechens beschuldigt worden; Die Confiscation ihres Vermögens; Die Vertreibung all' ihrer Glaubensgenossen! Was Sie feiern sollen, Sie und Ihre Kinder, die Sie in der Toleranz und Menschenliebe erziehen: es ist eine Herrschaft des Druckes und der Gewaltthätigkeit! Obgleich die Absichten des katholischen Conntös die Grenzen eines religiösen Actes überschreiten, so soll dieser Manifestation doch völlige Freiheit gelassen werden. Die öffentliche Meinung allein hat darüber zu nrtheilen! Aber Sie, die unter dem Regime der Gewissensfreiheit, in einem Lande leben, das jeden Glauben und jeder Meinung offen steht, werden Sie darein willigen, an der schweren Verantwortlichkeit Theil zu nehmen, welche auf den Anstiftern dieses Werkes lastet? Die aufgeklärten Geister aller Parteien werden sich einer solchen Feier, wie sie hier von ihnen verlangt wird, entziehen; die Katholiken werden nicht vergessen, daß auch sie ihre Märtyrer gehabt. Sie Alle werden den Abscheu theilen, den die Blntspuren einflößen, welche die Verfolger in der Geschichte zurück gelassen, zu welcher Zeit und von welchen Parteien dies auch geschehen. Mitbürger! Möge die allgemeine Enthaltung der Theilnahme die Protestation des öffentlichen Gewissens sein!" Zu weiterer Erläuterung wurde folgende Flugschrift verbreitet: Ein Circnlair, das von allen Pfarrern uuD Vicaren Brüssels unterzeichnet ist, zeigt au, „daß bei Gelegenheit des 500. Jahrestages des TnVSaint S:u-r«- ment du miracle die Stadt glänzende und zugleich populäre Festlichkeiten für den!7. bis sl. Juli vorbereitet; daß ein Eentralcomitö sich constituirt zur Bildung und Ausführung historischer Gruppen, welche an dies ewig denkwürdige Ereigniß erinnern, sowie auch für den, den wunderbaren Hostien, seit Jahrhunderten gewidmeten Cultus und zur Organisation von Parochial-Proces sionen." Das Circnlair fügt hinzu, daß „die christlichen Familien Brüssels, getreu ihrem alten Ruse des Glaubens und der Frömmigkeit, sich glücklich schätzen werden, an dieser Manifestation Theil zu nehmen, und nicht vergessen mögen, daß deren Pracht und die Ehre ihrer guten Stadt großenteils von ihrer offenen und freigebigen Mithülse abh äugen.'" Folgendes ist das Factum, von dem das Circnlair der Geistlichkeit Brüssels spricht; cs wird von H. Tepping erzählt in einem Buche, das unter der Restauration