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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-05 · Heft 27 (5.7.1870) · p. Seite 532

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 27 (5.7.1870)
Date
1870-07-05
Page
Seite 532 (sequence 4)
Language
German
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532 die prompte und vollständige Ausführung jedes segensreichen Werkes, besonders wenn es zu seinem Beginne der Mitwirkung und Gunst des Publicums bedarf. Und dies ist ja auf jüdischem Gebiete bei den meisten der Fall, da andere Mittel nicht zu Gebote stehen. Das hierdurch Unterbliebene oder doch Abgeschwächte ist nicht unerheblich und macht das eigentliche Sündenregister dieser Leute aus. Ueber dieses Zugeständniß werden sie sich freuen. Aber ihre Freude wird dadurch gemindert werden, daß wir sie darauf aufmerksam machen, wie oft gerade hierdurch, durch diesen Kamps, der Gedanke gelautert und gereift, die Sache gezeitigt und fruchtbarer gemacht wird. Denn keine richtige Idee geht unter, und was die Ungunst der Zeit aufhält, wird gerade durch diese geläutert und gekräftigt. Das priesterwelen. Manu's Gesetzbuch (MänavaDharma^ästra, eil. Loisseleuri, das die Gesetze und Vorschriften enthält, welche noch heute, da sie dem Buddhismus wieder entsagt und das Joch des Brahmanenthums abermals auf sich geladen, für die Inder unbedingt gültig sind, setzt im einleitenden Gesänge schon die Stellung der Brahmanen, der indischen Priester, die nach der Vedalehre als die erstgeborenen Menschen aus dem Kopfe Brahma's entsprangen, fest. Es heißt da u. A. (Kap. I V. 98 ff.): „Das Entstehen des Brahmanen ist die ewige Verkörperung des Rechts, denn er, des Rechts wegen entstanden, ist zum Brahmathum (d. h. zur Identification mit Brahma) befähigt. Denn der Brahmane wird, indem er geboren wird, über die Erde zum Herrscher geboren, zur Wahrung des Pstichtenschatzes aller Geschöpfe. Was nur immer die beiden Welten beschreitet, Alles ist das Eigenthum des Brahmanen; wegen seiner Erstgeburt ibei der Weltschöpfung), wegen seines Adels verdient der Brahmane alles Dieses. Was auch der Brahmane verzehrt ist sein, was er bewohnt ist sein, was er verschenkt ist sein, denn durch die Güte des Brahmanen effen die anderen Geschöpfe u. s. w." Diese Theorie von der Herrschaft, dem Eigenthumsrecht, dem Richteramte des Brahmanen und daß Alles vom Segen und Fluche der Brahmanen abhängig ist, wurde in der indischen Welt eine sehr reelle Praxis, da sie vom Volke geglaubt und festgehalten wurde. Wenn wir die alten indischen Poesien lesen, begegnen wir auf jeder Seite den Beweisen dafür. Nichts bringt mehr Segen, als den Brahmanen Geschenke an Geld, Kostbarkeiten. Ländereien u. dgl. zu machen; wenn die Brahmanen ein Land, eine Provinz, eine Stadt verlaßen, so fällt kein Regen darauf und Alles geht darin unter. Der Brahmane kann durch seine Gebete und Opfer die Götter zu Etwas zwingen, aber der Götter Macht über die Brahmanen ist beschränkt. Wer diese Stimmen aus der Zeit vor drei Jahrtausenden vernimmt, sagt sich: ja, das war eben vor drei Jahrtausenden möglich und ist einem kindischen, unentwickelten Volke angemeffen. Aber vernehmen wir denn in unseren Tagen, in der Mitte der civilisirten Völker, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der Zeit der Eisenbahnen und Telegraphen, in der höchsten Blüthe der geschichtlichen und der Naturwissenschaften, in dem Zeitalter nach Spinoza und Kant, vernehmen wir da etwas Anderes aus der Versammlung der katholischen Priester aller Welttheile? Die Unfehlbarkeit des Papstes, zum Dogma der katholischen Kirche erhoben, besagt Alles, was wir oben aus dem indischen Gesetzbuchs gehört haben, besagt noch um Vieles mehr. Es wird einem einzigen Menschen die Jdentificirung mit Gott selbst zugesprochen, die nie irrende Allweisheit Gottes zuertheilt, die unbeschrankte Herrschaft über alles geistige und materielle Eigenthum, über das irdische und himmlische Dasein aller Menschen, die Bestimmung, was sie glauben, denken und fühlen sollen und dürfen, was ihnen Recht und Gesetz fei, u. s. w. Es ist kein Unterschied zwischen jenem Brahmanenthum und diesem päpstlichen Katholicismus, kein Unterschied zwischen dem indischen Glauben vor drei Jahrtausenden und der katholischen Lehre des 19. Jahrhunderts. Man wird uns fragen, was geht das Euch an? Ihr habt Euch um die Lehre des päpstlichen Katholicismus gerade ebensoviel zu kümmern wie um die Lehre der Brahmanen. Das sind innere Fragen und Zustände einer Kirche, der Ihr nicht angehört, die Euch also nichts angehen. Habt Ihr seit 17 Jahrhunderten so gut wie keine Priester mehr, sind auch vor jener Zeit Eure Priester ohne Landbesitz, auf den hundertsten Theil der Ernten' und einen geringen Theil an den Opfergaben beschränkt und stets dem gemeinen Rechte unterworfen gewesen, und Ihr sehet dies als einen besonderen

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