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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-05 · Heft 27 (5.7.1870) · p. Seite 530

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 27 (5.7.1870)
Date
1870-07-05
Page
Seite 530 (sequence 2)
Language
German
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530 ihr Spiel in Oesterreich, wo die Tendenz der Thuns und Backs noch ausgesprochener und rücksichtsloser war und wo man durch persönliche Einwirkung und auf anderen heimlichen Wegen noch mehr auszurichtcn vermochte. Wir erinnern an einen gewissen Hofbanquier, der sich als „Herzog von Jerusalem" gerirte.*) Jndeß vermögen solche Herren ihre Argumente auch mnzndrehen und sich auf die Seite der Gewissensfreiheit und des Nationalitätseifers zu stellen, wenn sie hiermit den Boden gesunden zu haben glauben, auf welchem sie ihre Gegner als Männer des Gewissenszwanges anschwärzen können, wie dies vor Kurzem bei dem ungarischen Reichstage der Fall war. Ja, dieses Denunciren wird auf dem *i Bor Kurzem theilte Herr Pr. G. Wolf in unserem Feuilleton unter der Aufschrift „Ans trüber Zeit" einige einzelne Züge mit. Wir vergasten damals die Bemerkung hinzuzufügen, daß die O.uelle für jene Berfolgnug des Instituts zur Förderung d. israel. Viteraiur und seines Gründers seitens deS Ministeriums des Innern und der Polizei durchaus nickt die eigene .lldnntnißnahlne jener Herren Minister war, sondern lediglich die Dennnciation jüdischer Angeber. Wir hätten auch noch Vieles erzählen können, und wollen nur einen Bug anführen. Als der Redaeteur d. iV'-t. sein 2.',-jähriges Amtsjnbiläum erreicht, und sich ein Eomit,' zu dessen Feier gebildet batte, erließ der österreichische Polizeiminister ein Reseript an die Stattballer aller Kronländer und durch diese an alle Bezirksbe'uörden und durch diese an die Borstände aller jüdischen Gemeinden, daß Niemand sich unterfangen solle, durch Briese, Adressen oder sonstige Zeichen der Theilnahme dem Jubilar fein Interesse kund zuthnn. Es konnte auch dies nur durch eine Dennnciation geschehen sein, und welche schwarze Farben mußten da ansgetragen sein, daß ein k. k. österreichisches Ministerium ein ebenso ungesetzliches wie lächerliches Verfahren gegen ein Individuum eiuschlug, das niemals auch nur das geringste gerichtliche Vorgeben, nicht einmal einen Prestvroeeß, weder in Preußen, nock in Oesterreick, noch irgendwo anders ans sich gezogen batte. Wir hielten es nicht für wichtig genug, um etwa öffentlich davon zu sprechen oder uns bei jenem Miuisterinm zu beklagen, was freilich dock keine Wirkung gehabt Härte, und reden zum ersten Male hier davon, um zu zeigen, zu welchen Mitteln die Gegner zu greisen stets bereit waren. Jenes ministerielle Rescript that denn auch seine Wirkung, und nur wenige Gemeinden z. B. Vemberg, halten den Muth, uns dennoch Beglückwünschung-Schreiben zu senden, und ebenso wenige Personen, wie;. B. Herr Professor Pr. Kämpf zu Prag, während uns von zahlreichen Anderen nachher mitgetheilt wurde, wie sie dazu bereits Vorbereitungen getroffen, aber durch jenes Rescript sich abgehalten erachteten. Blatte, welches die Geschichte des Judenthums unserer Zeit enthalten wird, ein häßlicher Fleck fein, der das Gebühren dieser neueren jüdischen Orthodoxen aus immer brandmarkt, noch dazu, da sie von denen, die sie als ihre Gegner betrachten, nichts Aehnliches auszuweisen haben. Je gravirender aber diese Vorgänge sind, desto mehr fühlen wir uns verpflichtet, von der anderen Seite etwas Abschwächendes hervorzuheben. Es wäre nämlich ungerecht, zu meinen, daß das Verlästern und Verketzern in ihren Zeitschriften und Pamphleten wirtlich aus dem Verlangen allein entstände, sich fanatisch zu geriren. Es entspringt vielmehr mindestens ebenso sehr aus der Schere und Unfruchtbarkeit ihres Geistes. Sie müssen ihre Blätter füllen, und womit sollen sie sie füllen, da ihr Mangel an Gedanken und Wissen ihnen so viele Schwierigkeiten darin bereitet? Der einzige unter ihnen, der Geist besitzt, Herr R. S. Hirsch, hat die Richtung des Romantischen eingeschlagen, und sucht einen allegorischen und mystischen Sinn in die Satzungen hineiuzutragen, hinc'mzuzwiugeu, und dies auf eine groteske, nicht selten burleske Weise. Diese Production zu verstehen, ist nicht Jedermanns Sache, zu goutiren noch Weniger. Die übrigen Scribler jener Partei müssen daher ihre Zuflucht zu den schamlosesten Jnvectiven, zu Schmähung.:', und Lästerungen, zu lügenhaften Beschuldigungen, zu Uebertreibungen aller Art nehmen, um nicht allein überhaupt ihre Spalten zu füllen, sondern auch ihr Publicum zu interessiren und möglichst in steter Aufregung zu erhalten. Diese Erklärung rettet zwar nicht ihre Sittlichkeit und ihre wirkliche Religiosität, aber läßt doch nicht ganz an ihrem Menschenverstand verzweifeln. Nach diesen beiden Bemerkungen drängt sich uns zunächst die Frage aus, wodurch gelangen diese Männer zu irgend einem Erfolge? Wir finden die nächste Antwort in der religiösen Gleichgültigkeit, in dem Mangel an religiösem Bedürsuiß, in welchen sehr zahlreiche Individuen unseres Glaubens versunken sind. Was kümmern sich die meisten dieser um das, was in den Gemeinden vorwaltet, wie es in ihnen zugeht. Welches Interesse haben sie, um gewissen Bestrebungen kräftig entgegenzntreten, um anderen eine energische Unterstützung zu leihen! Diese Schwäche eröffnet jenen neueren jüdischen Orthodoxen einen freien Spielraum ihrer T Tätigkeit: diese Schwäche wissen sie zu benutzen, und da sie selbst rastlos eisern, kann ihnen eine bedeutsame : Wirksamkeit nicht entgehen. Ja noch mehr. Jene reti-

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