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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-05 · Heft 27 (5.7.1870) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 27 (5.7.1870)
Date
1870-07-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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34. Jahrgang. Allgemeine JW 27. Zeitung -es Iudcnlhums. Ein Unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgcgebcn von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 5. Juli 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2»/, Bogen. Preis des Jahrgangs 1 Thlr. Halbiahrig 2 Thlr. Biertelstihr,-, I Tblr. Inserat: werden mit I '/-> Rar. für die Pctitzcile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zcrtungs.Expedilivncn nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expcdiiion für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zcitungs-Burean unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Was ist und will der Fanatismus der neueren jüdischen Orthodoxen? 1t. — Das Priesterwesen. — Die Blutproeession in Brüssel. II. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Posen, Paderborn. — O cstcrreichis chungarische Monarchie: Wien, Pest, Saa;, Fünfkirchen. — R u in änieu: Bukarest, Jassv. — Rußland: Warschau. Corresponden;: Lonfcrcn; der rhcinisch-wcstpbälischrn ioracl. Lcbrer. Cöln. Feuilleton-Beilage: Novelletten. l. tSchluß.» — Correspoudenz. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 26. Juni. Was ist und will der Fanatismus der neueren jüdischen Orthodoxen? Ji. Wir würden unfern Gegenstand wenig erschöpft zu haben glauben, wenn wir nicht noch folgende zwei Bemerkungen hinzufügten. Diese modernen Orthodoxen beschränken sich durchaus nicht auf das Schmähen und Verketzern durch Schrift; sie betreiben noch ein anderes Werk, ein Werk, welches die älteren Orthodoxen, alle wahrhaft religiösen Orthodoxen verabscheuten und verabscheuen — das Denunciren. So lange eine Staatsregierung reactionär ist oder noch ein reactionäres Element in sich birgt, haben diese modernen jüdischen Orthodoxen sich nicht gescheut, die aufgeklärteren Juden als Revolutionäre zu denunciren, und indem sie den alten ultramvntanen und pietistischen Satz aufnahmen : Thron und Altar hätten dieselben Interessen und nur durch die Aufrechterhaltung der hierarchischen Macht werde der Thron gestützt und erhalten, verdächtigten sie alle Bestrebungen derer, die sie als Gegner ansahen, als antidynastisch und mit dem politischen Radicalismus verbunden. Dieses Handwerk der Denunciation, des Hinübertragens des Religiösen auf das politische Gebiet, die Verdächtigung jeder religiösen Entwickelung als von revolutionärer Tendenz trieben sie seit 50 Jahren und treiben sie noch, sobald sie es vermögen. So in Preußen seit 1820, wo sie auf diesem Wege unter Friedrich Wilhelm III. die deutsche Predigt, die Confirmation, den Chorgesang mit Hülfe der Polizei lange Zeit unterdrückten, wo sie in der Blüthezeit der Reaction unter Friedrich Wilhelm IV. die Begünstigung der sg. Orthodoxie seitens des Cultusministeriums so erschlichen, daß dieses nicht selten über die Grenzen des Gesetzes hinausging, und wo sie dies in den jüngsten Tagen selbst bei König Wilhelm I. versuchten, wie bei dem Cultusminister Herrn v. Mühler. Die conservativen Interessen auf dem politischen und dem religiösen Gebiete sind identisch, und die Rabbiner und jüdischen Prediger, die nicht zu ihrer, der neueren jüdischen orthodoxen Fraction gehören, untergraben Thron und Altar und lehren die Revolution, das ist das Argument, dessen sie sich bedienen, um die Staatsgewalt auf ihre Seite zu bringen und diese zu Zwangsmaßregeln auszureizen. Noch mehr und offener trieben sie

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