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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-06-28 · Heft 26 (28.6.1870) · p. Seite 527

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 26 (28.6.1870)
Date
1870-06-28
Page
Seite 527 (sequence 19)
Language
German
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527 und Tag nicht entlassen wird? Tu weißt, feit Jahren hat er dies angesponnen, ist Dir in allen Deinen Geschäften feindlich entgegengetreten, hat Dir allen Erwerb abgeschnitten, bis wir verschuldet sind, hat Deine Schuldscheine aufgekauft und die Hypothek auf dieses Häuschen. Und alles dies nicht aus Gewinn und Habsucht, sondern aus Rache, weil ich Dich ihm vorgezogen, weil ich ern Stück Schwarzbrod aus Deinen lieben Händen den Freuden seines übel erworbenen Neichthums vorgezogeu. Jetzt hat die Spinne ihr Netz beendet und seine Maschen schließen sich um uns arme schwache Fliegen. Ja, noch ist es Zeit, Du kannst ihm noch entrinnen — o theurer Mann, entflieh ihm! lieber will ich Dich in den Wäldern Amerikas wisien als im feuchten, dunklen Kerker; ich kenne Dich, Du verschmachtest darin, und getrennt sind wir dann doch!" Ein Thränenstrom machte dem gepreßten Herzen des jungen Weibes Luft. Der Donner rollte, der Sturm heulte, die Wellen schlugen tobend an das Ufer, der Säugling schrie, das Kind wimmerte. Aber das Antlitz des Weibes blieb auf den Mann gerichtet, der mit übereinander geschlagenen Armen und gesenktem Haupte dastand. Der Bürgermeister des Fleckens hat vor etwa einer Stunde den von Allen geachteten und bedauerten Jakob rufen lassen und ihm einen Brief des Meier gezeigt, in welchem dieser ihm anzeigte, daß er heute Punkt l2 Uhr ankommen und einen Haftbefehl gegen Jakob mitbringen werde. Er hatte ihn ersucht, deßhalb den Gerichtsvollstrecker zur bestimmten Zeit bereit zu halten und dafür zu sorgen, daß der Jakob nicht entwische. Der glühende Rachedurst des Meier hatte diesen getäuscht und zu übereiltem Schritte veranlaßt. Der Bürgermeister meinte, da keine Criminal-, sondern eine Civilsache vorliegt, habe er gar keine Ursache, einzuschreiten, bevor der Haftbefehl ihm wirklich vorgezeigt sei, und keine Veranlassung aus dem Privatschreiben einer ihm gleichgültigen Person ein Amtsgeheimniß zu machen. Er hatte den Jakob rufen lasten, ihn mit dem Briefe bekannt gemacht, und ihm ernstlich gerathen, sich der Haft durch die Flucht zu entziehen, die ihm, dem Jakob, da er nichts Ehrenrühriges gethan, durckaus nicht zur Schande gereichen würde. „Ich kenne so ziemlich Eure Lage, Jakob, und verabscheue den Menschen, der so brave, ruhige Leute so grausam verfolgt. Und dabei ein Jude gegen einen Juden! Ihr haltet doch sonst so gut zusammen. Aber ich begreif' es; nichts ist bitterer, als wenn gerade ein Bruder mit einem Bruder streitet. Folgt meinem Rathe, Jakob, ich würde Euch ungern ins Loch stecken." Aber Jakob wollte dem Rathe nicht folgen. Es brach ihm das Herz, seinen Säugling in der Wrege, sein Kind auf den Armen der Mutter, sein treues, zarles Weib im Stich zu lallen. Es erschien ihm wie ein Berrath. Er meinte, der liebe Gort der allmächtige Later der schuld^ los Unglücklichen, würde ihm noch irgend woher ein Mittel der Rettung senden. Wär' er aber fort, so könnte er selbst eine rettende Hand nicht ergreifen und Alles wäre verloren. Selbst vom Gefängniß aus würde er in irgend welcher Welse für die Seimgen sorgen können, wäre ihnen zu Rath und Beistand nahe und wüßte wenigstens immerfort, wie es ihnen ergehe. Dies machte ihn taub gegen den Rath des wohlwollenden Bürgermeisters, taub gegen die Vorstellungen seines Weibes. Jetzt, da die Thränen aus den Augen seiner Gattin flössen, da seine Kinder schrien, der Wind raste, der Donner rollte, packte es sein Her; wie mit den Krallen der Verzweiflung. Wenn das Haus brennte und die Balken zusammenstürzten, sollte er allein sich retten und Weib und Kinder in Rauch und Flammen lasten? „Nein, nein!" schrie er. „Ich verlaste Euch nicht, ich verlasse mein Fleisch und Blut nicht, und sollte ich untergehen! Er komme, der Unmensch, ich will mich ihm stellen, ich will ihn Niederschlagen und sollte ich darüber das Hochgericht besteigen. Er oder ich!"... Und mit geballten, erhabenen Fäusten stürzte er aus der Thüre des Zimmers, aus dem Hause, den Hügel hinab, dicht an das Ufer, als ob er seinen Todfeind hier erwartete. Wie ein Wolkenbruch rauschte es nieder; der Sturm peitschte das Antlitz und den Körper des Unglücklichen; der Gischt der Wellen benetzte seine Füße. Fühlte er es? 'Nein. Aber er sah einen Nachen auf den rasenden Wellen tanzen, auf und niedersteigen, näher und näher kommen; in dem Nachen einen mit Sturm und Wellen kämpfenden Mann. War es sein Feind, sein Verfolger? Er erkannte ihn. Ein Schrei erhob sich, ein Wuthgeschrei aus seiner gepreßten Brust. Da ein Donnerschlag, ein zuckender Blitz, ein Stoß des Sturmes, die Wogen schäumen in die Höhe, der Nachen schlägt um, der Mann sinkt in die Tiefe. Abermals ein Schrei, ein Schrei des Entsetzens aus der Brust des Mannes am Ufer. . . «Schluß folgt.» Die jüdisch-griechischen Dichter. Schlußwort. Dieser einleitende Gesang, denn als aus dem Proö^ mium entnommen werden uns diese Bruchstücke bezeichnet, enthält die Aufforderung an alle Menschen, den einzigen niemals gewordenen, und niemals vergehenden, also ewigen, allmächtigen, allwistenden Gott, den Schöpfer alles Daseienden, den allgerechten Richter aller menschlichen Thaten, der die Geschicke über die Menschen verhängt, auzuerkenneu, zu ehrfürchten und anzubeten, von den Irrwegen des Götzendienstes abzulasten, und so die Wege der Gerechtigkeit zu wandeln, um die Strafen des Frevels zu vermeiden und den Lohn der Gottseligen zu erlangen. Das erste Bruchstück beginnt mit dem Vorwurf der Selbstüberhebung und der Aufforderung sich vor Gott zu fürchten, der den Geist gegeben, und alles sieht,während er selbst unsichtbar ist. Statt desteu bringen die Menschen den Dämonen Opfer, gehen in der Irre und Dunkelheit. Diese Fiusterniß mögen sie verlassen,

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